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Planungsgrundlagen
Koblenz und sein Umfeld
Wirtschaft, Arbeit und Tourismus
- Attraktive Gestaltung der Stadt für ihre Bürger und Gäste
- Attraktive und fußgängerfreundliche Erlebnisräume
- Angebot eines spezifischen urbanenEinkaufserlebnisses
- Erschließung historischer Stätten und Bauten für den Tourismus
- Hervorhebung des Alleinstellungsmerkmals Weinbau und der besonderen submediterranen Klimasituationder Region Koblenz
- Wunsch, die weichen Standortfaktoren weiter zu entwickeln
Soziales, Umwelt und Gesundheit
- Beachtung des Prinzips der Nachhaltigkeit im Bezug auf die Nutzung von Boden, Luft, Wasser, Tieren und Pflanzen
- Ausweitung der Durchgrünung der Stadt in qualitativer und quantitativer Hinsicht
- Verbesserung der gesamten Aufenthaltsqualität
- Schaffung von Erholungs- und Rückzugsräumen für Mensch und Tier
- Stärkung des überörtlichen Rad- und Fußwegenetzes
- Schutz der historischen Bausubstanz
- Harmonische Darstellung des Wirkungsensembles Rheintal, Kulturlandschaft, historische Bausubstanz und deren Denkmäler von internationaler Bedeutung
- Generationsübergreifende Nutzung von Freiflächen
- Familien- und kindgerechte Stadtgestaltung
- Behindertengerechte Stadt- und Straßenraumgestaltung
Übergeordnete Vorhaben und Projekte
Zur Umsetzung ihrer strategischen Zielsetzungen für die langfristige Stadt- und Freiraumentwicklung hat die Stadt Koblenz aus der Stadtkonzeption und entsprechend ihrem Leitbild, übergeordnete Vorhaben und Projekte abgeleitet. Die Neugestaltung des Zentralplatzes als Hauptbestandteil des städtebaulichen Sanierungsgebietes „Zentralplatz und angrenzende Bereiche“ ist dabei der wichtigste Baustein zur Umsetzung zentraler Zielstellungen und das konkrete Projekt zur Innenstadtentwicklung. Dem Entwicklungsbereich Zentralplatz, der heute über den größten urbanen, jedoch mit erheblichem Aufwertungsbedarf behafteten öffentlichen Freiraum in der Innenstadt von Koblenz verfügt, kommt dabei in mehrfacher Hinsicht eine Schlüsselfunktion zu.
Unmittelbar angrenzend an die Platzfläche existiert seit dem Rückbau eines ehemaligen Bundeswehrinstitutes das umfänglichste Flächenpotenzial für eine strategische städtebauliche Entwicklung in der geografischen Mitte der Koblenzer Innenstadt. Nach dem geplanten Abriss einer Kaufhausimmobilie am Platzrand wird sich die für eine Neuordnung zur Verfügung stehende Fläche weiter vergrößern. Darin besteht die Chance, die Innenstadt von Koblenz als funktionsfähigen Kern der Stadt und der Region eiter zu entwickeln, sie gleichzeitig weiter zu beleben und damit dem allgemeinbeobachtbaren Trend einer Entleerung von Innenstädten aktiv entgegenzutreten.
Nutzungen, die weder in der Altstadt noch in dem südlich anschließenden Erweiterungsgebiet aus dem 18. Jahrhundert („Clemensstadt“) mit ihren kleinteilige(re)n Baustrukturen einen Standort finden, wird eine Möglichkeit zur Ansiedlung geboten. Im Fokus stehen dabei die städtischen Funktionen Kultur und Tourismus sowie Handel. Vor allem bereits im Stadtkern ansässige Kulturinstitutionen, die bislang wegen räumlicher Engpässe den Weg hin zu modernen, publikumsorientierten Orten der Kultur- und Wissensvermittlung nicht beschreiten konnten, finden dort neue Entwicklungsperspektiven. Gleichzeitig bestehen hier Kapazitäten, um den innerstädtischen Einkaufsstandort weiter zu qualifizieren und der gebotenen Stärkung der Innenstadt gegenüber der „grünen Wiese“ durch Investitionen im Stadtkern nachzukommen. Ergänzungen bieten sich vor allem für bislang unterrepräsentierte Branchen, Angebotsniveaus und Betriebsgrößen an.
Mit Blick auf das innerstädtische Beziehungsgeflecht wird mit diesem Vorhaben ein Standort mobilisiert, der die bislang nicht ausgefüllte Scharnierfunktion zwischen der historischen Altstadt, den Haupteinkaufslagen und den touristischen Zielorten Rhein-/Moselpromenade sowie kurfürstliches Schloss in baulich- räumlicher wie funktionaler Hinsicht übernimmt. Zusammengefasst wird das Projekt unter dem Titel „Forum Mittelrhein“, der die Lage sowie die künftige Bedeutung des Projektes in der Region widerspiegeln soll.
Mit der Bundesgartenschau 2011 verfolgt Koblenz ein weiteres Vorhaben der ganzheitlichen Stärkung als Tourismusmagnet und als attraktive lebenswerte Stadt. Das Bemerkenswerte dieses Großereignisses im Vergleich mit vorausgegangenen Bundesgartenschauen ist, dass die Aufwertungsstrategien an landschaftlichen und kulturhistorischen Potenzialen in zentraler Innenstadtlage ansetzen: den Uferpromenaden, dem kurfürstlichen Schloss und dem Blumenhof am Deutschherrenhaus (am Deutschen Eck). Damit werden in unmittelbarer Nachbarschaft zum Zentralplatz weitere Impulse zur Attraktivierung der „Mitte“ von Koblenz in den Bereichen Städtebau, Freiraumgestaltung, Denkmalpflege und Freizeit/Kultur/Tourismus gesetzt. UNESCO-Welterbe
Die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (UNESCO) setzt sich weltweit für den Schutz und die Erhaltung von Kultur- und Naturgütern ein, die von außergewöhnlicher und universeller Bedeutung für die gesamte Menschheit sind. Die enge Verbindung von Natur und Denkmalschutz stellt ein besonderes Kennzeichen ihrer 1972 aufgestellten Welterbekonvention dar.
Im September 2003 wurde das „Obere Mittelrheintal“ in den Status eines Schutzgebietes von Weltrang gehoben.
Besondere Merkmale der Stadt Koblenz für die Aufnahme als UNESCO-Welterbe sind:
- „Die Terrassenanlagen zu beiden Seiten des Rheins, die dem Talraum den Charakter eines „Engtals“ verleihen. Besonders typisch hierfür sind die „Ehrenbreitsteiner Randterrassen“ mit ihren vorgeschobenen Bergrücken wie z.B. dem Festungshang Ehrenbreitstein. Ihre Bedeutung liegt in der Funktion als „Zeugen der Flussgeschichte“ für die Zeit des Erdzeitalters Quartiär.
- Innerhalb dieser geologischen Formationen hat sich über die Jahrtausende ein Mosaik kleinteiliger Naturräume gebildet. Diese Landschaftsstruktur ihrerseits beinhaltet ein einmaliges europäisches Kulturerbe, das sich darstellt als eine Fülle hochwertiger Baudenkmäler, die es nirgendwo anders in Europa in vergleichbarer Dichte gibt.
- Die angesprochene mosaikartige Landschaftsstruktur bietet wärmeliebenden Pflanzen- und Tiervorkommen günstige topografische (Reliefformen) und klimatische Bedingungen. Dank der bisher betriebenen Kulturlandschaftspflege konnte somit ein aus geografischer Sicht vergleichsweise weit nach Norden verschobenes xerothermes (trockenwarmes) Ökosystem überleben.“ Die Stadt Koblenz wird als das „nördliche Tor“ des ausgewiesenen rheinbegleitenden Welterbegebietes „Oberes Mittelrheintal“ angesehen.
Für das Koblenzer Stadtgebiet verdienen folgende prägende Elemente besondere Beachtung:
- „Moselmündung in den Rhein mit dem deutschen Eck: prägend sind das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck, die baumbestandene Uferzone, der gegenüberliegende Festungshang und die Festungsanlage von Koblenz;
- Die Uferzonen entlang der Kernstadt mit der ehemaligen Insel Oberwerth und den Rheinanlagen: prägend sind Uferzonen mit der Gebäudesilhouette und den begleitenden Grünstrukturen, einzelne herausragende Gebäude mit historischem Charakter wie z. B. Basilika St. Kastor, neues Schloss, Dikasterialgebäude und Festung Ehrenbreitstein
- Auf der Anhöhe über dem Zusammenfluss von Rhein und Mosel liegt die Festungsanlage Ehrenbreitstein: prägend sind die Ausformungen des Reliefs mit dem Bergrücken oberhalb des Ortskerns von Ehrenbreitstein und die Stützmauern als technische Anlage der verkehrlichen Einrichtungen Bahn und Bundesstraße;
- Die Rheintalhänge auf der rechten Rheinseite, ihre terrassenartig gestufte Bebauung und die darin eingefügten Offenlandbereiche: prägend sind im Gesamtbild der Ortsteile die einzelnen Kirchtürme und vorgeschobenen Gebäude auf den exponierten Hanglagen. Für die Antragsunterlagen zur Bewerbung als UNESCO-Welterbe wurde u.a. ein Managementplan für das Koblenzer Stadtgebiet aufgestellt, der hier zwei unterschiedliche Gebietstypen – Kernbereich und Rahmenbereich – ausweist. Das Wettbewerbsgebiet „Zentralplatz“ liegt innerhalb des Kernbereiches.
Die langfristigen Ziele für die Entwicklung und Erhaltung des Welterbegebietes werden gegenwärtig erarbeitet und sollen in einem Masterplan (als Fortschreibung des Managementplans) zusammenfassend dokumentiert werden. Bislang hat das Sekretariat für das Welterbe in Rheinland-Pfalz nur folgenden Hinweis für die Welterbeverträglichkeit von der Entwicklung der Kulturlandschaft relevanten Planungen gegeben: „Wichtigster Hinweis bei Projekten mit Auswirkung auf das Landschaftsbild dürfte der auf den Schutz der „Visuellen Integrität“ sein, (..) ansonsten sind die bestehenden Gesetze zum Landschafts- und Denkmalschutz genauestens zu beachten. (..) Leitlinie für alle Projekte muss sein, dass eine „negative Beeinträchtigung“ der Welterbestätten ausgeschlossen wird.“
Für das Hochbauprojekt Zentralplatz resultieren hieraus Anforderungen an eine hochwertige architektonische Gestaltung sowie vor allem die Maßgabe einer besonderen Berücksichtigung der Stadtsilhouette. Eine negative visuelle Beeinträchtigung des weithin und von unterschiedlichen Höhenlagen einsehbaren Stadtkörpers ist zu vermeiden. Gleichzeitig wird in der Eröffnung von Blickbeziehungen in das Welterbegebiet „Oberes Mittelrheintal“ ausgehend vom „Forum Mittelrhein“, der als Standort von kulturellen und touristischen Einrichtungen mit entsprechendem thematischen Bezug (Museum Mittelrhein, Präsentations- und Informationszentrum zur Region Mittelrhein) fungieren wird, eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung des UNESCO Welterbegebietes gesehen. Eine weitere Prämisse ist die qualitätvolle fußläufige Einbindung des Vorhabens in den Kernbereich des Welterbegebietes mit seinen prägenden innerstädtischen Elementen an den Uferzonen .
Weitere Informationen sind unter www.unesco.de bzw. www.welterbe-mittelrheintal.de abrufbar.
