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Ihr Standort: Stadtleben & Kultur > Stadtporträt > Koblenzer Leibgerichte und Essgeschichten
Essgeschichten
Hannelore Kraeber
Drouvens begehrte Spirituosen
Vom Jahr 1846 bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts war Am Plan 13 die Branntweinhandlung und Likörfabrik Drouven. Offizieller Titel war ‚Königlicher Hoflieferant‘. Wie damals üblich wurden die Destillate Käufern in mitgebrachten Flaschen auch abgefüllt und außer Haus verkauft.
Besonders bekannt, mehrfach prämiert im In- und Ausland war der ‚Wahre Jacob‘, ein Magenbitter. Die Koblenzer haben oft darüber spekuliert, ob der Name von seinem Erfinder Jacob Drouven oder von der bekannten Suche nach dem wahren Grab des Apostels Jakobus abgeleitet wird. Sie sind sich aber schließlich einig, dass ihre Redensart ‚nicht der wahre Jakob‘ in der Bedeutung ‚nicht so ganz das Richtige‘ Pate für den Magenbitter war.
Besonders bekannt, mehrfach prämiert im In- und Ausland war der ‚Wahre Jacob‘, ein Magenbitter. Die Koblenzer haben oft darüber spekuliert, ob der Name von seinem Erfinder Jacob Drouven oder von der bekannten Suche nach dem wahren Grab des Apostels Jakobus abgeleitet wird. Sie sind sich aber schließlich einig, dass ihre Redensart ‚nicht der wahre Jakob‘ in der Bedeutung ‚nicht so ganz das Richtige‘ Pate für den Magenbitter war.
Werbung 1924 für ‚Drouvens ‚Wahrer Jacob‘ - Auf der Anzeige sind deutlich die großen Gewölbekeller des Drouvenschens Hauses zu erkennen. Heute findet man hier das beliebte Restaurant ‚Alt Koblenz‘ von Jo und Marianne Wilbert. Bild: Stadtarchiv, Dari Coblenz
Begehrt von den Koblenzern war aber der Trester. Er ist vor allem der Schnaps der Winzer. Er wird aus gepresster Maische, das sind die Traubenrückstände, hergestellt. ‚Morgens ein Gläschen‘, das war das Lebenselixier der Winzer und auch der Handwerker. „Nur zum Aufwärmen, zur Verdauung, zur Kräftigung, für den Kreislauf“ waren die Begründungen hierfür. Im 21. Jahrhundert wird der Trester von der jüngeren Generation oft auch als Moselgrappa bezeichnet.
Wie mit Wein werden auch mit Trester Speisen gekocht oder abgeschmeckt. Viele freuen sich auf
Tresterfleisch
ein fast vergessenes Rezept
1 kg Rindfleisch oder 1 kg gepökelter Schweinenacken
wird in Gulaschstücke geschnitten, das Rindfleisch muß gesalzen werden.
3 Zwiebeln
1 Stange Lauch
1 Möhre
1 Stück Sellerie
2 Knoblauchzehen
werden gewaschen und klein geschnitten,
3-4 Lorbeerblättern
ca. 20 Wacholderbeeren
1 Teelöffel Pfefferkörner
1 Prise Muskat
1/4l Trester
1 Flasche trockener Riesling
werden zu einer Beize vermischt.
Das Fleisch und das Gemüse für ca. einen Tag in die Trester-Riesling Beize legen. Das Fleisch muß mit Flüssigkeit bedeckt sein. Alles in einem Bräter im Backofen bei ca. 180°C 2 Stunden garen.
Mit Salz, Pfeffer, Trester abschmecken und in Suppentellern oder Suppentassen servieren. Dazu schmecken sowohl herzhaftes Brot wie Brötchen.
‚E Steckelche‘: Trester get-et och fier ‚lau’
Die ganze Stadt hat darüber gelacht:
Peter und Schängel stehen in der Sylvesternacht auf dem Plan und hätten gerne gefeiert. Aber sie hatten ‚nix droff‘. Dann hat Peter die erleuchtete Idee und sagt: „Ich hann wat ausgetiffelt!“ Gesagt – getan. Er geht um die Ecke in seine Wohnung in der ‚Gerjegass‘. Er kommt gleich wieder und sagt: „Schängel, ich wette met dir, ich holle en Drouvens en Flasch Trester, bezahle se net, dä Drouven merkt dat net on ä hat och keine Schade.“ Schängel: „Dat es jo garnet miehlich.“ Pitter: „Komm gieh met, trenk an der Thek e Schnäpsje on paß off.“ Beim Drouven holt dä Pitter eine weiße Flasche aus seiner Manteltache und sagt zur Bedienung: „Machen se mer die voll Trester.“ Diese gibt ihm die gefüllte Flasche und sagt den Preis. Der Pitter steckt die Flasche in seine Tasche, sucht pro Forma in allen Taschen nach Geld und sagt: „Frailein, ich hann mäi Geld vergeß, häi stelle se die Flasch sulang fort“, damit gab er die gefüllte Flasche zurück, „ich ginn ierschd heim Geld holle.“ Draußen sagt der Schängel: „Dat woßt ich doch, dat dat net ze mache wor, hät ich nur met dir gewett.“ Wie sie ein Stück weit fort waren, sagt der Pitter: „Dann häts de die Wett verlor.“ Er holt aus seiner Manteltasche eine gefüllte Flasche mit Trester, macht die Flasche auf und sagt: „Probeer emol.“ „Et Donnerknespel!“ ruft der Schängel, „dat es werklich Trester, nau stieht mer awer de Verstand stell; wie hat dann dat zugange?“ Pitter: „Ich hat en der linke Manteltasch en zweite Flasch met Wasser drenn on die hann ich dem Lademädche zereck gewe.“ Schängel: „Dat has de awer fein gedräscht.“ Nun kommt aber das Schönste. Acht Tage darauf sagt der Schängel: „Dau has gesood, dä Drouven däd dat net merke on ä hät och keine Schade.“ Pitter: „Ei, gieh emol hin, trenk e Schnäpsje on froch su newe bei, ob dä Mann domols die Flasch Trester wär holle komme.“ Der Schängel geht hin und auf seine Frage sagt die Verkäuferin: „Wie die Flasch drei Dach do gestanne hat sagt der Herr Drouven: „Dä Mann kimmt doch net mieh widder, schitt die Flasch widder enet Fäseje.“
Es geht noch weiter:
Der Pitter war eine ‚ehrliche Haut‘. Wie er im Frühjahr wieder Arbeit hatte und Geld verdiente, ging er zum Herrn Drouven und erzählte ihm den Fall und wollte seine Schuld begleichen. Herr Drouven musste aber herzlich lachen und sagte zu dem Pitter: „Mäi lewer Mann, weil se en armer, awer ehrlicher Kerl säin, well ich nix fier dänn Trester hann, on weil se datt esu fein ausgeteftelt on mer en gruße Freud gemacht hann, schenke ich ihne noch en Flasch extra. Hier sieht man wieder:
Ehrlich währt am längste!
Wie mit Wein werden auch mit Trester Speisen gekocht oder abgeschmeckt. Viele freuen sich auf
Tresterfleisch
ein fast vergessenes Rezept
1 kg Rindfleisch oder 1 kg gepökelter Schweinenacken
wird in Gulaschstücke geschnitten, das Rindfleisch muß gesalzen werden.
3 Zwiebeln
1 Stange Lauch
1 Möhre
1 Stück Sellerie
2 Knoblauchzehen
werden gewaschen und klein geschnitten,
3-4 Lorbeerblättern
ca. 20 Wacholderbeeren
1 Teelöffel Pfefferkörner
1 Prise Muskat
1/4l Trester
1 Flasche trockener Riesling
werden zu einer Beize vermischt.
Das Fleisch und das Gemüse für ca. einen Tag in die Trester-Riesling Beize legen. Das Fleisch muß mit Flüssigkeit bedeckt sein. Alles in einem Bräter im Backofen bei ca. 180°C 2 Stunden garen.
Mit Salz, Pfeffer, Trester abschmecken und in Suppentellern oder Suppentassen servieren. Dazu schmecken sowohl herzhaftes Brot wie Brötchen.
‚E Steckelche‘: Trester get-et och fier ‚lau’
Die ganze Stadt hat darüber gelacht:
Peter und Schängel stehen in der Sylvesternacht auf dem Plan und hätten gerne gefeiert. Aber sie hatten ‚nix droff‘. Dann hat Peter die erleuchtete Idee und sagt: „Ich hann wat ausgetiffelt!“ Gesagt – getan. Er geht um die Ecke in seine Wohnung in der ‚Gerjegass‘. Er kommt gleich wieder und sagt: „Schängel, ich wette met dir, ich holle en Drouvens en Flasch Trester, bezahle se net, dä Drouven merkt dat net on ä hat och keine Schade.“ Schängel: „Dat es jo garnet miehlich.“ Pitter: „Komm gieh met, trenk an der Thek e Schnäpsje on paß off.“ Beim Drouven holt dä Pitter eine weiße Flasche aus seiner Manteltache und sagt zur Bedienung: „Machen se mer die voll Trester.“ Diese gibt ihm die gefüllte Flasche und sagt den Preis. Der Pitter steckt die Flasche in seine Tasche, sucht pro Forma in allen Taschen nach Geld und sagt: „Frailein, ich hann mäi Geld vergeß, häi stelle se die Flasch sulang fort“, damit gab er die gefüllte Flasche zurück, „ich ginn ierschd heim Geld holle.“ Draußen sagt der Schängel: „Dat woßt ich doch, dat dat net ze mache wor, hät ich nur met dir gewett.“ Wie sie ein Stück weit fort waren, sagt der Pitter: „Dann häts de die Wett verlor.“ Er holt aus seiner Manteltasche eine gefüllte Flasche mit Trester, macht die Flasche auf und sagt: „Probeer emol.“ „Et Donnerknespel!“ ruft der Schängel, „dat es werklich Trester, nau stieht mer awer de Verstand stell; wie hat dann dat zugange?“ Pitter: „Ich hat en der linke Manteltasch en zweite Flasch met Wasser drenn on die hann ich dem Lademädche zereck gewe.“ Schängel: „Dat has de awer fein gedräscht.“ Nun kommt aber das Schönste. Acht Tage darauf sagt der Schängel: „Dau has gesood, dä Drouven däd dat net merke on ä hät och keine Schade.“ Pitter: „Ei, gieh emol hin, trenk e Schnäpsje on froch su newe bei, ob dä Mann domols die Flasch Trester wär holle komme.“ Der Schängel geht hin und auf seine Frage sagt die Verkäuferin: „Wie die Flasch drei Dach do gestanne hat sagt der Herr Drouven: „Dä Mann kimmt doch net mieh widder, schitt die Flasch widder enet Fäseje.“
Es geht noch weiter:
Der Pitter war eine ‚ehrliche Haut‘. Wie er im Frühjahr wieder Arbeit hatte und Geld verdiente, ging er zum Herrn Drouven und erzählte ihm den Fall und wollte seine Schuld begleichen. Herr Drouven musste aber herzlich lachen und sagte zu dem Pitter: „Mäi lewer Mann, weil se en armer, awer ehrlicher Kerl säin, well ich nix fier dänn Trester hann, on weil se datt esu fein ausgeteftelt on mer en gruße Freud gemacht hann, schenke ich ihne noch en Flasch extra. Hier sieht man wieder:
Ehrlich währt am längste!
Der Plan am Ende des 19. Jahrhunderts. In den Häusern links in der Ecke war das Rathaus, später die Feuerwache.Rechts in der Ecke ist das Drouvensche Haus.Am Plan 13, Alte Hausnummern 134 und 139. Das Haus wurde 1779 erbaut.1792 bewohnte es der geflüchtete Bischof von Verdun H.L. Renatus Desnois.Im Haus rechts daneben wurde Henriette Sonntag am 3.Januar 1806 geboren.Sie war eine begnadete Sängerin,die Primadonna ihrer Zeit. Foto: Stadtarchiv
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