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Essgeschichten

Hannelore Kraeber

Des Deutschen Kaisers Rippchen

Deutscher Kaiser, Koblenz
Deutscher Kaiser, turmähnliches Gebäude, Foto: Kraeber
Wird vom ‚Deutschen Kaiser’ gesprochen, denken die Koblenzer zuerst nicht an einen Monarchen aus vorherigen Jahrhunderten, sondern an ein Haus mit langer Geschichte und gut bürgerlicher Gastronomie am Peter Altmeier Ufer, Ecke Kornpfortstraße. Ehemals war das Haus mit der Hausnummer 3 das westliche Ende der im Zweiten Weltkrieg des 20. Jahrhunderts zerstörten Kastorstraße. Im Sprachgebrauch kurz ‚Kastergass’ genannt. Erbaut wurde es  Anfang des 16. Jahrhunderts an Stelle eines schon Anfang des 14. Jahrhunderts (1338)  dem Dechanten Johann von Florin und dem Schöffen Heinrich Minnink gehörenden Hauses. Bauherr war der  Koblenzer Schöffe und kurfürstliche Münzmeister Konrad von Lengenfeld. Anschließend übernahm Johann von Anethan, der Kanzler des Kurfürsten Philipp v. Sötern, später Reichshofsrat, dann sein Sohn Otto den Besitz. Nachfolgerin wurde die Witwe des Handels- und Ratsherrn Lucas. Jacob, Josef, Anton Lucas war im Haus geboren und hat über die Zeit von 1768 – 1848 ein Zeitbuch hinterlassen Sein Freund war der Chronist Christian von Stramberg. So wird aus dieser Zeit von einem ‚Steckelche’ berichtet.

Deutscher Kaiser, Innenansicht
Deutscher Kaiser, Diele und Treppe - Foto aus Dr. Michel, Die Kunstdenkmäler der Stadt Koblenz
Die Familie Lucas soll in diesem Haus einen Glücksfall von Bedeutung erlebt haben. Die Magd, so wird erzählt, stand in der Nacht auf, um zu waschen. In der Küche fand sie auf dem Herd einen Berg glühender Kohlen. Sie stocherte darin, bis sie  plötzlich von einem großen Schrecken  überfallen wurde. Hastig lief sie durch die Diele übers Treppenhaus ins Schlafzimmer von Frau Lucas, um sie zu fragen, ob sie diese Kohlen angeschürt habe. Das bejahte Frau Lucas, um die Verwirrung nicht noch größer zu machen und bestand darauf, dass die Magd sich wieder schlafen lege. Dann soll sie selbst zur Küche hinab gegangen sein. Unter ihren  Händen hat sich die Glut in reines schweres Gold verwandelt. Die Magd aber erkrankte In ihren Fieberträumen sprach sie von einem schwarzen Hund, der, neben den Kohlen ausgestreckt, sie zu bewachen schien. (vgl. Rheinischer Antiquarius I,3 S.89-90) Mitte des 19. Jahrhundert entdeckte man zwar zwischen Fenster und Herd einen ‚Verborg’, aber leider war dieser leer.

Und da wird auch von einer Gebetserhörung erzählt. Ein späterer Eigentümer des Hauses mit Gastwirtschaft war Georg Friedhofen. Er war der Neffe des Seligen Bruder Peter Friedhofen. Dieser hatte im Jahre 1850 die Kongregation der Barmherzigen Brüder von Maria – Hilf gegründet. Das erste Mutterhaus (1852 -1888)  kann noch immer in der Florinspfaffengasse Nr. 6 besucht werden. Die Brüder erwarben sich große Anerkennung durch die Armen- und Krankenpflege in Koblenz. Nach mündlicher Überlieferung wurde in der Familie von Georg Friedhofen gebetet, dass einer aus ihren Reihen ein Geistlicher werden würde. Das hat sich dann  später in der zweiten Generation mit Prälat Dr. Ernst-Günter Rokahr erfüllt. Die Koblenzer sagen: ‚E good Gebet hileft.’

Mit der Zeit wechselten die Besitzer und die Wirtsleute. Die Gaststätte war aber immer ‚knebbelvoll’. Die Gäste waren bunt gemischt. Schängel, Kapitäne, Matrosen,  Schärjer (Hafenarbeiter) erzählten unwahrscheinliche Geschichten. Man hörte fast ausschließlich Kowelenzer Mundart. Alles Neue in der Stadt wurde diskutiert und es wurde auch Politik gemacht. Namhafte Politiker wie der frühere Oberbürgermeister Dr. Schulte-Wissermann waren Stammgäste (Amtszeit 1994 - 2010). Zeitweilig wurde der ‚Deutsche Kaiser’ auch das ‚Rote Rathaus’ genannt. ‚30 Minuten im Deutschen Kaiser und man weiß mehr  als in der Zeitung steht’, war die Meinung der Stammgäste. Der Bierhahn stand nie still und das so immer frische Bier schmeckte. An der Theke standen die Gäste oft in drei Reihen hintereinander. Ein bekannter Stammtisch waren die ‚Goode Junge’. Sie stifteten die Plastik ‚Junge im Regen’. Sprichwörtlich wollten sie dokumentieren, dass sie niemand ‚em Rään stinn losse’. Heute steht die Kinderskulptur vor der Christuskirche.

Durst macht hungrig. Beliebt waren die guten Bockwürste aber berühmt waren die Rippchen. Das Rezept ist einfach für diese Spezialität:

Rippchen nach Art des Deutschen Kaisers
Gekochte Rippchen  werden mit Öl und Butter in einer Pfanne kurz angebraten und mit warmen Speckkartoffelsalat serviert.

‚Nichts bleibt wie et es on alles kimmt widder,’ heißt es im Voksmund, hoffentlich auch der traditionelle ‚Deutsche Kaiser’!

Hannelore Kraeber
-Alle Rechte bei der Autorin-

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