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Ihr Standort: Stadtleben & Kultur > Stadtporträt > Koblenzer Leibgerichte und Essgeschichten
Essgeschichten
Hannelore Kraeber
Beliebte und gesunde Kierschesopp - Kirschsuppe
...war ihr einst ein Zauber inne?
Unter Kurfürst Johann VII von Schönborn nahm der Glaube an Hexen und Zauberer im 16. Jahrhundert nicht nur im Kurfürstentum sondern auch in ganz Deutschland zu. Aus Sorge, dass die Seelen des Volkes vergiftet werden, erließ der Kurfürst seine „Erzstiftliche Ordnung in Zaubersachen“ gegen das „höchststräflicher Laster der Zauberei, so ein seithero eingerissen“. – Die in dieser Zeit nicht ungewöhnlichen Ketzer- und Hexenprozesse wurden hier in Koblenz nicht vom Schöffengericht, sondern vom Geistlichen Gericht* im alten Bischofshof an der Ecke Florinspfaffengasse-Florinsmarkt entschieden. Nach Dr. Bellinghausen lautete die Anklage in der Regel auf sträflichen Verkehr mit dem Teufel, oder man warf den Angeklagten vor, dass sie Menschen und Haustiere krank gemacht oder auch durch Zaubersprüche die Früchte des Feldes und der Weingärten verdorben hätten. Oder war es evtl. auch ein bekannt gewordener Fluch der wegen hussitischer Irrlehren 1494 angeklagten alten Frau aus Nassau? Sie wurde auf der Schartwiese in Koblenz-Lützel am Neuendorfer Eck, heutiger Campingplatz, verbrannt. Waren das die Gründe, die den Rat der Stadt Koblenz in seiner Fürsorgepflicht für die Bevölkerung 1615 veranlasst haben, die Kirschsuppe in Lützel und Neuendorf abzustellen?
*Anmerkung: „Met demm Gericht wor net good Kiersche esse“. Die Prozesse waren grausam. Die kleinste Verdächtigung genügte um jemand in den Ruf eines Hexenmeisters oder einer Hexe zu bringen. Geständnisse wurden oft herausgefoltert. In den Todesurteilen konnte auf den Tod durch Enthaupten, Erdrosseln oder Verbrennen verurteilt werden. Eine erschwerende Strafe war noch das Abschneiden der Ohren, Nase oder der Hände. Die Koblenzer Richtstätte war an der Laubach. Allein im Jahre 1629 sollen in Koblenz nicht weniger als 24 Personen als Hexen und Hexenmeister hingerichtet worden sein. Beruhigend ist zu wissen: Koblenzer Anwälte sollen versucht haben gegen den Hexenwahn ihrer Zeit zu kämpfen, Unschuldigen zu helfen und Elend von betroffenen Familien abzuwenden.
Rote Kirschen ess’ ich gern,
Schwarze noch viel lieber...
Gut Kirschen essen kann man in Koblenz aber ohne Bedenken. Waren früher Lützel und Neuendorf auch der Obst- und Gemüsegarten der Stadt, konnte Güls kein Ort konkurrieren. Mit Stolz können die Gülser sich rühmen, dass 1936 der größte Kirschenmarkt Deutschlands bei ihnen war. In ihrem Wahrzeichen führen sie noch heute die Werkzeuge zum Kirschenpflücken: Eimerchen, Leiterchen, Seilchen. Der römische Statthalter und Feinschmecker soll die Kirschen einst aus der türkischen Stadt Küresin mitgebracht haben. Ob auch bei uns der Kirschenanbau bis in die Römerzeit zurückreicht?
„Esst mieh Kiersche, die zehje näi Bloot“, rieten unsere Altvorderen. Im 21. Jahrhundert werden die Kirschen in Frauen-Zeitschriften als „Energie-Booster“ empfohlen. Nach Farbpsychologen sollen die knallroten Früchte anregend wirken. Die Kirsche gilt wie viele andere Obstarten auch als Fruchtbarkeitssymbol. So soll z.B. eine Kuh, wenn sie nicht mehr fruchtbar bleibt oder nur schwer trächtig wird, um einen schwarzen kirschbaum geführt werden. Heute sind Kirschen bei Ärzten der Ganzheitsmedizin geschätzt. Sie werden nicht nur als Heilmittel gegen Gicht, Rheuma und Verstopfung verordnet.
Aus Kirschen lässt sich viel Kulinarisches „zaubern“:
Kirschkonfitüre und –marmelade, Kirschsaft, -likör, Kirschkuchen und letzten Endes auch die Kirschsuppe. In der von Mangel geprägten Nachkriegsküche 1945 verfeinerten tüchtige Hausfrauen sättigende, dicke Mehl- oder Grießsuppen mit Kirschen. Gott sei Dank, heute können wir wieder zwischen leckeren Variationen z.T. nach alten Rezepten wählen:
Kirschsuppe
600 g schwarze Kirschen
waschen, entsteinen und mit
etwas Zimt,
etwas Zucker,
1 l Wasser
auf Stufe 3 des Elektroherdes ankochen
30 g Stärkemehl
anrühren, die Suppe damit andicken, Kochplatte ausschalten und ca. 10 Minuten ziehen lassen, durchrühren und abschmecken. Die Suppe kann warm oder kalt gereicht werden,
Biskuits
evtl. zum Verfeinern zufügen
Kirschsuppe mit Wein
600 g schwarze Kirschen
waschen, entsteinen und mit
etwas Zimt,
etwas Zucker,
wenig Nelken,
0,5 l Wasser,
0,5 l Rotwein,
etwas Zitronenschale
auf Stufe 3 des Elektroherdes ankochen,
30 g Stärkemehl
anrühren, die Suppe damit andicken, Kochplatte ausschalten und ca. 10 Minuten ziehen lassen, durchrühren und abschmecken. Die Suppe kann warm oder kalt gereicht werden.
Mandelstifte oder Mandelplätzchen
ggf. zum Verfeinern zufügen.
Kirschsuppe modern
1 Päckchen Vanille- oder Mandelpudding
nach Anweisung zubereiten, mit
Flüssigkeit: Milch oder Wasser
zur Suppe verlängern.
Gedünstete oder konservierte Kirschen
zufügen.
Warnung! Nicht Ohne Vorsicht genießen:
Die Kirschen in Nachbars Garten, die schmecken ach so süß...
Hannelore Kraeber
-Alle Rechte bei der Autorin-
