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Essgeschichten
Hannelore Kraeber
Lebkuchen - für Feinschmecker ein Genuss, für Spieler eine Attraktion
Die süße Versuchung "Lebkuchen"spielte eine große Rolle im geselligen Leben auf dem Paradeplatz (heute Görresplatz), Mitte 19.Jahrhundert, Federzeichnung, s. Dr. Michel, Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, Stadt Koblenz, Seite 274
Beim ersten ‚Chresdachsmarkt‘ 1842
auf dem Paradeplatz (Görresplatz) darf Lebkuchen nicht fehlen
Christian von Stramberg berichtet: „Auf einem blank gescheuerten, eichenen Tisch verkaufte z.B. eine stattliche Verkäuferin Lebkuchen. Im Angebot hatte sie alles, was es im damaligen Koblenz an Lebkuchensorten und -formen gab. Erwähnt werden besonders die lebkuchenen Rüstwagen, Pferde, Kutschen mit zierlicher Vergoldung.“
Lebkuchen-Hauen ein großes Vergnügen für alle
Im Rheinischen Antiquarius heißt es: 'Diese Winter-Ergötzlichkeit‘ ließ man sich nicht nehmen. Den ganzen Tag hindurch bis in die ersten Nachtstunden bei Licht wurde nach uralter Sitte gehauen.“ Nuppen war ein Spiel mit Lebkuchen. Die Kunst bestand darin, einen zähen Lebkuchen mit der Hand oder auch mit Messern durchzuschlagen. Die Messer wurden auf eigentümliche Art zwischen den Fingern gehalten. Dazu wurden zwischen gekrümmten Zeige- und Mittelfinger (wie zu einer Faust) und zwischen gekrümmten Ring- und dem kleinen Finger Messer gehalten.
"Steckelche" vom Lebkuchen-Hauen
Christian von Stramberg berichtet: An einem Sonntag, 2. oder 9.Dezember 1702 nahm das Spiel größere Ausmaße an. Die Lebkuchenverkäuferin hatte einen besonders hohen Turm von Lebkuchen aufgehäuft. Unter den Augen vieler Zuschauer wetteiferten die Spieler. Selbst die ‚gewichtigsten Fechtmeister‘ hatten kein Glück. Die haarscharf geschliffenen Messer prallten immer wieder ab. Im Moment höchster Anspannung drängt sich ein preußischer Tambour in den dichten Kreis. „Ein hau mir“ ruft er und spaltet mit einem Säbelhieb den Lebkuchenturm. Starr vor Schrecken schauen die Spieler zu wie der Tambour in seinen Hut den Gewinn füllt und mit den Worten: „Da habe ich euch preußische Pfiffe gezeigt“ und fortläuft. Heulend und schreiend laufen die Genarrten ihm nach, aber sie können ihn nicht mehr erwischen.“
Bruder Lebküchner, nach der Chronik des Zwölfbrüderhauses, Nürnberg 1520
Wie nachzulesen ist, waren einige erhältliche Lebkuchensorten auf dem Paradeplatz nicht bekannt wegen des Wohlgeschmackes, sondern wegen des schlechten Teiges. Das lässt sich sicher auch von der früheren Herstellung ableiten. Erfahrene Lebküchner ließen die Fässer mit Mehl, Honig und Triebmittel über Jahre reifen bis der Teig endlich geknetet und verarbeitet werden konnte.
Solche Lebkuchenteige stellte man nicht im privaten Haushalt her, sondern kaufte sie fertig beim Lebzelter auf dem Weihnachtsmarkt. Erst im 19.Jahrhundert mit Beginn der Industrialisierung verschwand das alte Handwerk der Lebzelterei. Eine Vielzahl von Lebkuchensorten, z.T. auf Oblaten, gebacken werden heute preiswert und gut angeboten.
Lebkuchen ist noch immer sehr beliebt
In den Familien werden zur Freude der Kinder z.T. noch Lebkuchenhäuser mit viel Zuckerguss, Mandeln, farbigem Lakritzkonfekt usw. in der Weihnachtszeit gebaut und dekoriert. Nach alter Koblenzer Sitte lieben viele Schängel Lebkuchen auch noch als ‚Fastenbrot‘: Eine gebutterte Brotscheibe wird an Stelle von Wurst oder Käse mit einer Lebkuchenscheibe belegt.
Ein alter Kochtipp: Lebkuchen fein reiben oder Krümeln und die Sauerbratensoße damit binden.
Hannelore Kraeber
-Alle Rechte bei der Autorin-
