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Leitstelle für Integration
Sprache und Sprachförderung
Gerade dieses Handlungsfeld wird von der Steuerungsgruppe als extrem wichtig eingeschätzt. Ohne ausreichende sprachliche Kenntnisse wird eine Integration in allen Bereichen kaum möglich sein.
Von Seiten der Leitstelle für Integration wurde im Juli 2007 eine Bestandsanalye durchgeführt, um unter anderem auch einen Überblick über alle Sprachmaßnahmen in Koblenz zu erhalten.
Weiterhin wurde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die mit sogenannten Schlüsselpersonen im Bereich der Sprachförderung besetzt ist. Hierzu zählen der Regionalkoordinator des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, der Abteilungsleiter der Ausländerbehörde, ein Mitarbeiter der ARGE Koblenz, der Leiter der Koblenzer Statistikstelle, Mitarbeiter der Fachdienste für Migration und Integration der Arbeiterwohlfahrt Koblenz und des Caritasverbandes Koblenz e.V. sowie der Geschäftsführer des Beirates für Migration und Integration der Stadt Koblenz. Innerhalb dieser Gruppe werden geplante Maßnahmen besprochen und je nach Bedarf zusätzliche Personen und Gruppen (wie z.B. die anerkannten Sprachkursträger in Koblenz, Schulen oder Kindertagesstätten) hinzugezogen.
Da das Handlungsfeld "Sprache / Sprachförderung" ganz unterschiedliche Personen anspricht, wurde von Seiten der Leitstelle für Integration ein Steuerungskreis mit mehreren Arbeitsgruppen gebildet. Gerade die Bereiche Kinder, Jugendliche und Erwachsene erfordern ganz unterschiedliche Ansätze und beteiligte Personen.
Bei den Kindern und Jugendlichen kann auf die Arbeitsgrundlage des Amtes für Jugend, Familie, Senioren und Soziales zurückgegriffen werden. Zum einen auf die Richtlinie zur interkulturellen Arbeit mit dem Schwerpunkt "Sprachförderung in Kindertagesstätten" und zum anderen auf die Richtlinie der Stadt Koblenz zur Integrations- und Sprachförderung von Kindern und Jugendlichen im Schulalter.
Eine Sprachfördermaßnahme, nämlich das Landesprogramm "Qualifizierte Hausaufgabenhilfe mit Kommunikationstraining für Erst- und Zweitklässler an Grundschulen mit hohem Migrationsanteil" wird von der Leitstelle für Integration finanziell bezuschusst. Die vom Land zur Verfügung gestellten Fördermittel reichen nämlich nicht aus, um die Kosten des Trägers, der vhs Koblenz, zu decken. Aus Mitteln der Leitstelle für Integration wird insofern die Finanzlücke geschlossen. Insgesamt werden seitdem 8 Gruppen an fünf verschiedenen Grundschulen von Koblenz angeboten.
In Ergänzung zu diesem Angebot hat die Direktorin der vhs, Frau Kuprian, für das 1. Schulhalbjahr 2008/2009 das Modellprojekt "Vermittlung von Lernstrategiewissen und Selbstlernkompetenz in der basisorientierten Elternbildung in Koblenz" initiiert. Zur Anlauffinanzierung dieses sinnvollen Projektes wurde ein Zuschuss aus Mitteln der Leitstelle für Integration bewilligt. Die Erfahrungen aus dieser Testphase waren sehr positiv, eine Weiterführung der Maßnahme in 2009 konnte sichergestellt werden.
Auf Initiative der Koblenzer Bürgerstiftung arbeitete die Leitstelle in Kooperation mit mehreren Institutionen an einem Schulpatenschaftprojekt (Balu und Du). Für die Leitstelle ist dies deshalb von Interesse, weil Migranten/-innen sehr stark von entsprechenden Maßnahmen profitieren. Eine konkrete Umsetzung der Maßnahme erfolgt seit dem 01.04.2009. Der Caritasverband Koblenz e.V. hat eine Mitarbeiterin mit dieser Aufgabe betraut (Umfang: 10 Stunden in der Woche). Die Finanzierung erfolgt über Mittel der "Sozialen Stadt" und einem Zuschuss der Leitstelle für Integration.
Zu Beginn des Jahres 2009 hatten sich öfters Schulen und Eltern an die Leitstelle gewandt und nachgefragt, ob es neben den schulischen Sprachfördermaßnahmen noch ein weiteres Angebot für Schüler/-innen gibt, die neu eingereist sind, am Schulunterricht teilnehmen und noch keinerlei beziehungsweise geringe Deutschkenntnisse vorweisen. Von der Leitstelle wurden daher alle Koblenzer Schulen angeschrieben, um einen Gesamtüberblick über diesen Personenkreis ermitteln zu können. Da über 50 Schüler/-innen gemeldet worden sind, wurde die vhs Koblenz gebeten, ein entsprechendes Schulungsprogramm zu entwickeln. Dieses sieht vor, dass an verschiedenen Koblenzer Schulen zweimal pro Woche für je 2 Stunden eine zusätzliche Sprachförderung angeboten wird. Im Mai 2009 erfolgte dann die Umsetzung der Maßnahme, die aus dem Budget der Leitstelle für Integration bezahlt wird. Derzeit läuft die Sprachförderung an den nachfolgenden Schulen:
- Gymnasium auf der Karthause (1 Gruppe)
- Goethe-Hauptschule (1 Gruppe)
- Comenius-Hauptschule (1 Gruppe)
- Schenkendorf-Grundschule (1 Gruppe)
- Willi-Graf-Schule (2 Gruppen)
- Grundschule Neukarthause (1 Gruppe)
- Grundschule Arenberg (1 Gruppe)
- Grundschule Wallersheim (1 Gruppe)
- Berufsbildende Schule Wirtschaft (1 Gruppe)
- Clemens-Brentano-Realschule (1 Gruppe)
- Realschule Karthause (1 Gruppe)
Insgesamt lagen die Schwerpunkte der Leitstelle für Integration aber bei der Sprachförderung für Erwachsene.
Gerade bei erwachsenen Migranten, die eine Sprachförderung erhalten sollen, ist eine Einstufung in drei Kategorien sinnvoll:
- Migranten, die vor dem Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes eingereist sind und Arbeitslosengeld 2 Empfänger sind,
- Migranten, die vor dem Inkraftttreten des Zuwanderungsgesetzes eingereist sind und keine Arbeitslosengeld 2 Empfänger sind
- neu eingereiste Migranten.
Nach Ansicht der Leitstelle für Integration sollten für diese drei Kategorien ganz unterschiedliche Handlungsansätze herausgearbeitet werden, was von der Steuerungsgruppe Integration entsprechend auch beschlossen wurde.
Generell ist anzumerken, dass die Bemühungen der Leitstelle für Integration dahingehend ausgerichtet wurden, möglichst viele Migranten/-innen in sogenannte Integrationskurse, die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Kooperation mit den hier ansässigen Sprachkursträgern angeboten werden, zu vermitteln. Diese Sprachförderungsmaßnahme ist sehr intensiv mit einem Stundenumfang von bis zu 945 Einheiten und wird vom BAMF bezahlt. Parallelangebote hierzu wären sehr kostenintensiv, da die Integrationskurse mit dem sogenannten B1-Sprachniveau abschließen und aufgrund der bisher gesammelten Erfahrungen auch nicht erforderlich sind. Niederschwellige Sprachfördermaßnahmen werden von der Leitstelle eher skeptisch angesehen. Die Bemühungen, um Migranten/-innen zur Teilnahme an einem entsprechenden Kurs (z.B. Mami spricht deutsch) zu bewegen, sind ähnlich aufwendig, wie die Vermittlung in einem Integrationskurs.
Zu Punkt 1
Ca. 400 Personen wurden von der ARGE als förderungswürdig angesehen, weil aufgrund der Sprachprobleme ein gravierndes Vermittlungshemmnis vorlag. Da es sich um Leistungsbezieher handelte, konnten die Integrationskurse als Verpflichtung auferlegt werden. Nach einer Sprachtestung wurden die Peronen einem Sprachkursträger entsprechend zugewiesen. Die ersten Kurse endeten im Januar 2009.
Zu Punkt 2
Dieser Personenkreis ist am schwierigsten zu erreichen. Häufig geht der Ehemann einer beruflichen Tätigkeit nach und die Ehefrau ist nicht integriert, da sie kein deutsch spricht. Gerade für Kinder ist dieses Umfeld alles andere als glücklich, da im privaten Umfeld in der Regel nur die Muttersprache gesprochen wird. Oftmals haben diese Personen Anspruch auf einen Integrationskurs. Das BAMF kann für diesen Personenkreis Kurse anbieten, die speziell auf die Bedürfnisse der Teilnehmer zugeschnitten sind. Generell ist anzumerken, dass hier neue Wege gefunden werden müssen. Da mit diesen Migranten/-innen keine verpflichtenden Maßnahmen durchgeführt werden können, muss insofern Überzeugungsarbeit geleistet bzw. die Angebote interessanter oder einfacher gestaltet werden. Die Bemühungen der Leitstelle für Integration sind daher darauf ausgerichtet, dass Sprachfördermaßnahmen (am besten Integrationskurse) unmittelbar dort angeboten werden, wo sich Migranten/-innen aufhalten. Diesbezüglich ist es in Zusammenarbeit mit der Migrationserstberatung der AWO und des Caritasverbandes sowie dem BAMF und den Kindertagesstätten und Schulen gelungen, seit März 2009 in Neuendorf und Lützel sog. Elternintegrationskurse anzubieten. Diese Sprachfördermaßnahme wird vormittags in der Grundschule Neuendorf beziehungsweise in unmittelbarer Nähe zur Grundschule Lützel angeboten und beinhaltet auch eine Kinderbetreuung. Die bisherigen Erfahrungen sind überaus positiv. Die Leitstelle für Integration bemüht sich daher in Verbindung mit den o.g. Kooperationspartnern, dieses Angebot auf die Stadtteile Goldgrube und Karthause auszuweiten.
Zu Punkt 3
Nach dem Zuwanderungsgesetz sind die Ausländerbehörden zuständig für die Ausgabe von Berechtigungsscheinen, mit denen die Neueingereisten bei den anerkannten Sprachkursträgern einen Integrationskurs belegen können. Hierfür haben sie zwei Jahre Zeit. Aus Sicht der Leitstelle für Integration ist es wünschenswert, wenn neu eingereiste Migranten/-innen möglichst frühzeitig mit dieser Sprachfördermaßnahme beginnen. In Verbindung mit der Ausländerbehörde, dem Regionalkoordinator des BAMF, den Fachdiensten für Migration und Integration sowie den anerkannten Sprachkursträgern in Koblenz wurde die nachfolgende Vorgehensweise abgesprochen:
- Neu eingereiste Migranten/-innen erhalten bei der Ausländerbehörde den Berechtigungsschein.
- Bei dem Beratungsgespräch wird ein neuer Flyer (der von der Leitstelle in mehreren Sprachen erarbeitet wurde) ausgegeben, in dem die Wichtigkeit von Sprachkursen herausgestellt und die anerkannten Sprachkursträger, die Migrationserstberatungsstellen und die Leitstelle für Integration aufgeführt werden.
- Die Ausländerbehörde unterrichtet die Leitstelle über jeden ausgegebenen Berechtigungsschein.
- Von den Sprachkursträgern wird regelmäßig eine Auflistung der Kursteilnehmer übersandt. So ist ein Abgleich möglich.
- Die Sprachkursträger informieren außerdem die Leitstelle eigenständig über die geplanten Kurse.
- Die Leitstelle für Integration hat nunmehr die Möglichkeit, die Migranten/-innen konkret anzusprechen, die noch nicht mit dem Integrationskurs begonnen haben. Hierbei kann auch unmittelbar auf in Kürze beginnende Kurse bei den verschiedenen Trägern hingewiesen werden.
- Bei problematischen Fällen können die Sprachkursträger und die Leitstelle jederzeit die Migrationserstberatung der AWO und der Caritas kontaktieren, die ebenfalls ein persönliches Gespräch durchführen werden.
Durch diese Vorgehensweise wird sichergestellt, dass neu eingereiste Migranten/-innen frühzeitig an die Teilnahme zum Integrationskurs erinnert werden. Die bisher gewonnenen Erfahrungen mit dieser Vorgehensweise sind überaus positiv.
Weiterhin konnte in Zusammenarbeit mit der vhs Koblenz am 20.04.2009 ein erster Sprachkurs gestartet werden, der mit dem sog. B2-Niveau abschließt. Kursziele sind der Ausbau und die Vertiefung der Deutschkenntnisse sowie die erfolgreiche Teilnahme an der B2-Prüfung, welche in vielen Bereichen des Berufslebens von den Arbeitgebern gefordert wird. Die anfallenden Kosten werden komplett aus dem Budget der Leitstelle für Integration getragen. Aufgrund der großen Nachfrage hat am 22.06.2009 ein zweiter Kurs begonnen, ein dritter Kurs startet am 29.09.2009. Wir gehen davon aus, dass diese Sprachfördermaßnahme nunmehr kontinuierlich fortgeführt wird und die Absolventen deutlich bessere Vermittlungschancen auf dem Arbeitsmarkt haben werden.
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