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Leben in Koblenz

Ludwig Museum

Isabelle Cornaro. Sunset


Isabelle Cornaro arbeitet mit Malerei, Skulptur, Film und Installation, um den Einfluss von Geschichte und Kultur auf unsere Wahrnehmung der Realität zu untersuchen. Als ausgebildete Kunsthistorikerin, die sich auf den europäischen Manierismus des 16. Jahrhunderts spezialisiert hat, schöpft ihre Bildsprache aus einem breiten Spektrum an Referenzen vom Barock bis zur modernistischen Abstraktion. Große Anerkennung erlangte ihre Installation Paysage avec Poussin et témoins oculaires (Landschaft mit Poussin und Augenzeugen, 2008), in der sie die Ideallandschaften des klassizistischen Barockmalers Nicolas Poussin (1594-1665) paraphrasierte und das Verhältnis von Landschaft, Malerei und Skulptur in einem unverwechselbaren Stil mit einer klug austarierten Mischung aus billigen Materialien und wertvollen Sammlerstücken untersuchte. In vielen ihrer Arbeiten verwendet Cornaro gefundene Objekte, die mit symbolischem Potenzial oder emotionalem Wert durchdrungen sind, die sie in verschiedenen Darstellungsformen und Medien präsentiert, um die subtilen Bedeutungsverschiebungen aufzuzeigen, die durch Prozesse der Reproduktion und Übersetzung hervorgerufen werden.

Aus häuslichen, dekorativen oder funktionalen Kontexten entliehen, sind diese Artefakte oft mit der westlichen Kultur als Mittel der Macht verbunden. Ihre Kombination und Anordnung in den Arbeiten der Künstlerin lädt den Betrachter ein, die Beziehungen zwischen Repräsentationssystemen und unserem Verständnis der Welt zu hinterfragen. Abstrahiert und mit gesteigertem Kunstgriff transformiert, vollziehen die inszenierten Kompositionen einen Statuswechsel von instinktiv gewählten Kategorien wie wertvoll, heilig oder persönlich in einen unbekannten Raum mit unnatürlichem Überschuss an surrealen Farben und starkfarbigen Emulsionen. In der Denaturalisierung des Verhältnisses zum Vertrauten werden diese Objekte der intensiven Beobachtung zur Kontemplation angeboten, jedoch zugleich distanziert und ihrer Bedeutung enthoben.

Sie befasst sich jedoch auch selbst mit der Malerei, die sie distanziert und repräsentationslos formuliert. In ihren Videos hingegen thematisiert sie oftmals Alltagsgegenstände/ denen sie durch die Fokussierung im Film eine besondere Aufmerksamkeit — auch seitens des Betrachtenden — zukommen lässt. Dabei nutzt sie die Mechanik des Films, um tradierte Muster der Repräsentation in Frage zu stellen und stattdessen die Materialität von Objekten oder Körperteilen zu akzentuieren und dabei den Grad des Loslösens und Entfremdens voranzutreiben.

Isabelle Cornaro (geb. 1974, Frankreich) lebt und arbeitet in Paris und Zürich. Sie studierte an der École du Louvre und an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts de Paris. Sie hat sowohl in Frankreich als auch international ausgestellt, darunter Einzelausstellungen im M – Museum, Leuven; Hannah Hoffman Gallery, Los Angeles; Kunsthalle Bern, Bern; Le Magasin, Grenoble; Frac Aquitaine, Bordeaux; Collège des Bernardins, Paris sowie an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen teilgenommen.

Für den Herbst 2021 wurde Isabelle Cornaro mit drei weiteren französischen Künstler*innen für den Prix Marcel Duchamps nominiert. Ihre Ausstellung im Ludwig Museum in Koblenz ist zudem ihre erste Präsentation in Deutschland.

Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit der Künstlerin dem Musée de l’Orangerie und der Fondation Ricard, Paris. Sie wird gefördert von der Peter und Irene Ludwig Stiftung. Begleitend wird ein Ausstellungskatalog erscheinen.

ludwigmuseum.org


Bild: Isabelle Cornaro: Raumstill mit den Filmen Subterranean (Unterirdisch) und Accumulation (Anhäufung), 2017, 16mm-Film übertragen auf Digitalfilm, Farbe, Stumm, 16:9, 1:21 Minute, Kamera: Guillaume Gibout, Farbkorrektur: Alexandre Westphal, Models: Cécile Bouffard, Isabelle Cornaro