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Pressemeldungen der Stadt Koblenz

Gedenken an Deportation der Koblenzer Sinti und Roma vor 81 Jahren

(Pressemeldung des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz)

Der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz Jacques Delfeld Sr. und die Dezernentin für Bildung und Kultur der Stadt Koblenz Dr. Margit Theis-Scholz gedachten am 15. Mai vor dem Gedenkstein am Peter-Altmeier-Ufer gemeinsam der deportierten Sinti und Roma aus Koblenz.


Jacques Delfeld erinnerte daran, dass in Rheinland-Pfalz Sinti- und Roma-Familien aus Mainz, Landau, Ingelheim, Worms, Ludwigshafen und der übrigen Pfalz zunächst in das Sammellager Hohenasperg bei Ludwigsburg verbracht wurden. Die Familien aus den Regionen Koblenz und Trier brachte man in ein Sammellager auf dem Kölner Messe-Gelände. Dort wurden alle Familienmitglieder nochmals untersucht, um sicherzustellen das diese tatsächlich der Sinti und Roma-Minderheit angehören. Ihre Ausweispapiere mussten sie abgeben und stattdessen erhielten dafür einen sog. ‚Zigeunerausweis‘. Insgesamt wurden bei dieser Aktion 2.800 Sinti und Roma deportiert. Gleichzeitig erinnerte Delfeld daran, dass am 16. Mai auch an den Aufstand 1944 in Auschwitz-Birkenau gedacht werde. Die internierten Sinti und Roma setzten sich damals gegen die geplante Ermordungsaktion im Lager zur Wehr.


Mit Beginn des16. Mai 1940 begannen in Deutschland die ersten familienweise durchgeführten Deportationen von Sinti und Roma in die Konzentrations- und Vernichtungslager. Für die Nationalsozialisten war es ein erster „Testlauf`“, um das Zusammenwirken zwischen dem Reichssicherheitshauptamt, der lokalen Ortspolizei und der Reichsbahn zu erproben. Die Erkenntnisse dieses sog. Testlaufs sollten dazu dienen bei künftigen Deportationen einen reibungslosen Ablauf sicherzustellen. Die an der Verschleppungsaktion beteiligten Behörden stellten sich die im Vorfeld die Frage, wie man möglichst viele Menschen festnehmen,
transportieren und überwachen kann, ohne dass die Betroffenen Widerstand leisten? Auch wollte man in Erfahrung bringen, wie die heimische Bevölkerung auf das öffentliche Fortschaffen ihrer Nachbarn reagierten?


Wenige Tage später mussten sie in die Züge der Reichsbahn steigen und wurden in die Ghettos und Konzentrationslager in das von den Nationalsozialisten besetzte Polen verbracht. Folter und Terror der SS, Appelle, schwerste Zwangsarbeit bei völlig unzureichender Ernährung und katastrophale hygienische Bedingungen bestimmten fortan den Alltag in den Ghettos und Konzentrationslagern. Zum Ende des Krieges 1945 fielen bis zu 500.000 Sinti und Roma in Europa dem Rassenwahn der Nationalsozialisten zum Opfer.


Dr. Margit Theis-Scholz erinnerte daran, dass am 17. Mai 1940 78 Sinti und Roma, darunter 63 Koblenzer, von Koblenz aus ins "Zigeunerlager Köln-Messegelände" transportiert und dann ins Generalgouvernement deportiert wurden. Von den zehn betroffenen Koblenzer Familien hatten zwei in der Wöllersgasse 17 und acht in der Fischelstraße 32b gewohnt.  Insgesamt wurden 160 Koblenzer Sinti und Roma von den Nationalsozialisten in KZs deportiert. Theis-Scholz betonte, dass es wichtig sei, aktiv dazu beizutragen, dass Menschen künftig nicht mehr unter Ausgrenzung und Diskriminierung zu leiden haben.


Der rheinland-pfälzische Landesverband der Sinti und Roma und die Stadt Koblenz legten in Erinnerung an die sog. Mai-Deportationen Kränze am Gedenkstein am Peter-Altmeier-Ufer nieder und schlossen die Zeremonie mit einer Schweigeminute.

Kulturdezernentin Dr. Margit Theis-Scholz und der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz Jacques Delfeld Sr. vor dem Gedenkstein am Peter-Altmeier-Ufer - am Gedenkstein lehnen Kränze, einer von der Stadt Koblenz
Kulturdezernentin Dr. Margit Theis-Scholz und der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz Jacques Delfeld Sr. vor dem Gedenkstein am Peter-Altmeier-Ufer
Gedenkstein am Peter-Altmeier-Ufer - am Gedenkstein lehnen Kränze, einer von der Stadt Koblenz
Gedenkstein am Peter-Altmeier-Ufer