Logo Koblenz verbindet.

Rathaus


Verwaltung

Pressemeldungen der Stadt Koblenz

Historisches Bucherbe gesichert

Eine Bibliothek mit unschätzbaren geschichtlichen Quellen aus dem Koblenzer Jesuitenkolleg und den Sammlungen zahlreicher Klöster an Mittelrhein und Mosel: Mit der Übernahme der Bestände des Staatlichen Görres-Gymnasiums in Koblenz bewahrt das Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz (LBZ) als Vertreterin des Kulturministeriums das wichtigste historische Bucherbe der Stadt Koblenz und des Mittelrheins. Grundlage für die Übernahme ist ein jetzt geschlossener Kooperationsvertrag der Görres-Stiftung Koblenz mit dem LBZ, der Stadt Koblenz und dem rheinland-pfälzischen Bildungsministerium.

„Die historische Bibliothek der Stiftung Görres-Gymnasium mit ihren rund 300 Handschriften, 500 Inkunabeln und 23 500 Druckwerken ist eine beeindruckende Sammlung europäischen Geisteslebens. Daher freue ich mich sehr darüber, das es gelungen ist, diesen seit dem 16. Jahrhundert gewachsenen Buch- und Schriften-bestand zu erhalten und damit einen ganz besonderen Kulturschatz in der Region wieder für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen“, lobte Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig in Mainz.

Die beteiligten Vertragsnehmer Dr. Annette Gerlach (Leiterin LBZ), Dr. Margit Theis-Scholz (Dezernentin für Bildung und Kultur der Stadt Koblenz), Dr. Armin Schlechter (Leiter Sammlungen LBZ), Dr. Ute Mittelberg (Vorstand Görres-Stiftung, Direktorin Görres-Gymnasium) und Jürgen Karbach (Leiter Kultur und Schulverwaltungsamt Stadt Koblenz) bezeichneten bei der Vorstellung des Projekts in Koblenz die Vereinbarung als „wichtigen Schritt zur Sicherung des kulturellen Gedächtnisses der Region“.

 

Mehr als 20 000 Bände

Zur historischen Bibliothek der Stiftung Staatliches Görres-Gymnasium gehören Handschriften, die das Landeshauptarchiv Koblenz bewahrt, weiter Inkunabeln (sogenannte „Wiegendrucke“: Bezeichnung für in der Frühzeit des Buchdrucks gefertigte Werke zwischen 1450 und 1500) und Drucke des 16. und 17. Jahrhunderts, sowie Bücher aus späterer Zeit.

Die Bibliothek umfasst mehr als 20 000 Bände. Darunter finden sich neben den 500 Inkunabeln und Handschriften im Detail etwa 2000 Titel aus dem 16. Jahrhundert, dazu etwa 2300 Titel aus dem 17. Jahrhundert und etwa 5000 Titel des 18. Jahrhunderts.

Den Kern der Sammlung bildet die Bibliothek des in der Nähe der Schule gelegenen Jesuitenkollegs, das im 16. Jahrhundert gegründet worden war. Im Zuge der Klosteraufhebungen in Napoleonischer Zeit gelangten an das heutige Görres-Gymnasium dann auch Buchbestände der Dominikaner und Franziskaner in Koblenz, aber auch der Karmeliter in Beilstein (Mosel) oder Boppard und der Kapuziner in Cochem.

 

Zeit zu handeln

Der Zahn der Zeit nagte an den Beständen, die Unterbringung der wertvollen Bücher, Handschriften und Drucke in einem Bibliotheksbau aus den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entsprach in keiner Weise den heutigen konservatorischen Anforderungen – es war Zeit zu handeln für die Experten der Abteilung Bestanderhaltung des Landesbibliothekszentrums.

In Abstimmung mit der Stiftung, der Stadt und den beiden Ministerien in Mainz wurde mit dem Kooperationsvertrag die Grundlage für die Bewahrung der Bücher geschaffen. Er regelt die Modalitäten der Reinigung, Erschließung und Aufbewahrung der historischen Bibliothek. Bald sollen dann die hochinteressanten Schriften und Bücher auch dem allgemeinen Publikum zugänglich gemacht werden.

 

Sichern und konservieren

In einem ersten Schritt werden die Bestände aus dem 16. und 17. Jahrhundert von einem Dienstleister komplett Seite für Seite gereinigt. In einem nächsten Schritt werden die einzelnen Buchtitel nach den für wissenschaftliche Bibliotheken gültigen Regeln durch das LBZ katalogisiert. Diese Arbeit soll dann ab Juni in der Pfälzischen Landesbibliothek in Speyer, einem der anderen Standorte des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz, in Angriff genommen werden. Speyer ist innerhalb des LBZ das Zentrum für die Betreuung des Altbestandes. Anschließend kümmern sich die Experten dann um die Bestände der Bibliothek der Stiftung ab dem Erscheinungsjahr 1701. Nach Abschluss der Maßnahmen werden die Bestände dauerhaft im Koblenzer Standort des LBZ, der Rheinischen Landesbibliothek, aufbewahrt. Hier sollen sie dann auch für die wissenschaftliche Nutzung zur Verfügung stehen. Finanziert werden die Reinigung und Erschließung der Bestände durch die verschiedenen Projektpartner aus Stadt und Land.

Langfristiges Ziel ist auch die gesicherte Konservierung der Bestände der historischen Bibliothek: Dazu gehört die Anfertigung von Kassetten aus säurefreiem Archivkarton sowie weitere verschiedene restauratorische Maßnahmen.

 

Für die Öffentlichkeit zugänglich

Die Leiterin des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz, Dr. Annette Gerlach und der Leiter der Abteilung Sammlungen im LBZ, Dr. Armin Schlechter, sind glücklich über den jetzt abgeschlossenen Kooperationsvertrag zwischen Stiftung, Stadt, den Ministerien und dem LBZ: „Mit dem Vertrag haben wir jetzt eine hervorragende Grundlage für unsere Arbeit. Wir werden die Büchersammlung, in der sich das historische Bucherbe der Stadt Koblenz und der Umgebung konzentriert, konservieren und der Öffentlichkeit zeitgemäß zugänglich machen. Es handelt sich um die wichtigste Büchersammlung des Mittelrheingebiets. Sie gilt es nun ihrem Wert entsprechend zu bearbeiten und langfristig zu sichern“.

Die Dezernentin für Bildung und Kultur der Stadt Koblenz, PD Dr. Margit Theis-Scholz begrüßt ebenfalls die getroffene Vereinbarung: „Mit den historischen Beständen der Görres-Stiftung verfügen wir über einen echten Schatz in Koblenz. Ich freue mich, das wir gemeinsam eine Lösung gefunden haben, mit der dieser historisch wertvolle Buchbestand zukünftig einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann und der Möglichkeiten zur wissenschaftlichen Recherche bietet. Durch den Verbleib dieses antiquarischen Bucherbes im Landesbibliothekszentrum in Koblenz wird eine fachliche Aufarbeitung und sachgemäße Archivierung dieser wertvollen Bestände gesichert. Mein ausdrücklicher Dank gilt allen Beteiligen für die gute Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen“.