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Hoevelstraße im Rauental
Hoevelstraße im Rauental (Foto: Ludwig M. Langner).
















Die Straßennamen der Stadt Koblenz


Straßennamen sind nicht nur für die Ermittlung aktueller und historischer Adressen eine unerlässliche Informationsquelle - gerade Familien- und Heimatforscher nutzen Straßenbezeichnungen für ihre Recherchen -, sondern auch Gegenstand der Orts-, Stadtgeschichts- und Namenforschung. Die vorliegende Dokumentation entstand daher nicht zufällig aus einer Ergebnissammlung für die Beantwortung häufiger Anfragen zu Koblenzer Personen und Bauten, bei denen Kenntnisse über die vormalige Benennung der Straßen eine wichtige Voraussetzung für weitere Auskünfte sind. Sie wird fortlaufend ergänzt und beruht vorwiegend auf Quellen, die im Stadtarchiv vorgehalten werden, also historischen Unterlagen und Veröffentlichungen, städtischem Verwaltungsschriftgut und einschlägiger Literatur.

Die Zuständigkeit für Straßen und Wege lag bis 1945 bei der staatlichen Polizeidirektion bzw. dem staatlichen Polizeipräsidenten. Ausdruck dieser Verwaltungstätigkeit waren die Straßenpolizeiverordnungen, in denen das Verhalten auf öffentlichen Wegen genau geregelt war, und die Benennung von Straßen. Heute schlägt der beim Amt für Stadtvermessung und Bodenmanagement angesiedelte Ausschuss für Straßenbenennungen neue Straßennamen vor, über deren endgültige Vergabe der Stadtrat entscheidet.

Bei Nachforschungen in Archiven werden in manchen Fällen gerade die zeitgenössischen Straßenbezeichnungen zu Stolperfallen. Straßennamen gab es zwar bereits in der Römerzeit, allgemein üblich wurden sie aber erst mit der sprunghaften Entwicklung der Städte im Spätmittelalter. Dabei richteten sie sich in der Regel nach den lokalen Gegebenheiten. Die meisten der überlieferten Straßennamen in den alten Stadtkernen sind daher sprechende Namen, die viel über die damaligen Verhältnisse aussagen: über die städtische Topographie, die Namen bekannter Häuser und Anwohner, deren Handwerk und Gewerbe oder ihren sozialen Status. Ebenso lässt sich an den Namen ablesen, welche Straßen eher gemieden wurden - besonders in städtischen Randgebieten existierten "No-go-Areas" schon in früheren Zeiten, z. B. der Seilerwall, die Wasserturmsmauer oder das Geimergäßchen.

Die überlieferten Koblenzer Straßennamen reichen zum Teil bis ins Mittelalter zurück. Gerade in der Altstadt beziehen sich nicht wenige der Bezeichnungen auf frühere Straßenzüge, Stadttore, Kirchen und Märkte, oder sie geben Auskunft über bekannte Häuser, Generationen von Bewohnern und deren Berufe. Darunter fallen etwa der Altengraben, die Kornpfortstraße, die Kastorpfaffenstraße, der Florinsmarkt, der Wöllershof, die Mehlgasse oder die Braugasse. In den damals vor den Stadtmauern gelegenen Wohn- und Siedlungsplätzen trifft man hingegen häufiger auf alte Flurnamen und erhält Hinweise zur ehemals landwirtschaftlichen Nutzung als Garten, Weide oder Wingert: das Bienenstück in Metternich, Am Witgarten im Rauental, Auf dem Sande in Pfaffendorf oder die Nahlkammer in Moselweiß legen hiervon Zeugnis ab.

Um 1800 bestand Koblenz noch aus der Altstadt innerhalb der Stadtmauern, dem Kurfürstlichen Schloss und den angrenzenden Straßen der Neustadt. Erst nach 1890 gab es merklichen Zuwachs durch die Bebauung außerhalb der aufgelassenen Festungswälle und um das Gelände des neuen Hauptbahnhofs. Die Stadterweiterung erforderte schließlich neue Verkehrsführungen, was die Verbreiterung einzelner Wege oder ihre Verlegung an andere Stelle erforderlich machte. In diesem Zusammenhang wurden einige bereits bestehende Straßen umbenannt - manchmal auch mehrfach -, so dass die Identifizierung älterer Adressen oder Gebäude gewisse Schwierigkeiten mit sich bringt. In französischer Zeit (1794-1813) erhielten die Straßen französische Namen, meistenteils durch einfache Übersetzung, z. B. "rue farine" für die Mehlgasse.

Mit der Entstehung der Mittel- und Großstädte im 19. Jahrhundert kam die planmäßige Vergabe von Straßennamen auf. Sie fällt in eine Zeit großer topographischer Veränderungen, in denen breite Verkehrsstraßen angelegt und Stadtmauern abgetragen wurden. Man benötigte Platz für öffentliche und gewerbliche Bauten, Wohnhäuser, Bahnhöfe, Industrie- und Gewerbeflächen. Diese allgemeine Entwicklung brachte auch in Koblenz bedeutende Umwälzungen mit sich. Straßenumlegungen und -verbreiterungen kamen zwar nur langsam voran, dafür vollzog sich die Bebauung außerhalb der alten Befestigungen, besonders in der heutigen Südstadt, umso rascher.

Seit der Französischen Revolution wurden auch Umbenennungen von Straßen üblich, die durch geänderte Herrschaftsverhältnisse oder den wechselnden politischen Zeitgeist bedingt waren. Straßen, Plätze und Brücken werden seither auch nach Ereignissen, abstrakten Werten oder Staatsformen benannt und dienen nicht zuletzt dazu, diverse Persönlichkeiten durch deren Namenspatenschaft zu ehren. In Koblenz ist dies etwa an Benennungen wie Bismarckstraße, Moltkestraße oder Lennéstraße erkennbar. Bezeichnungen wie Engelsweg und Hasenpfad knüpfen hingegen an frühere Anwohner oder alte Flurbezeichnungen an. Die Koblenzer Bürger nahmen dabei durchaus Einfluss auf die Namenswahl. So beantragten etwa mehrere Anwohner im Jahr 1859, die Judengasse in Münzstraße umzubenennen, ein Ansinnen, das indessen erst 1886 umgesetzt wurde. Die Schanzenpfortstraße erhielt einen neuen Namen, weil sich die Bezeichnung Poststraße wohl schon seit Längerem durchgesetzt hatte.

Politisch motivierte Umbenennungen herrschten gerade in der Zeit von 1933 bis 1948 vor. Beispiele wie das SA-Ufer (Kaiserin-Augusta-Anlagen) sprechen für sich. Aber auch die Eingemeindungen von 1937 machten Neubenennungen nötig, um Mehrfachbezeichnungen wie z. B. mehrere Bahnhofstraßen oder Kirchstraßen im nunmehr vergrößerten Stadtgebiet zu vermeiden. Auf diese Weise erfuhren einige Straßen wiederholte Umbenennungen: Die 1905 so benannte Kronprinzenstraße erhielt 1930 nach dem im Jahr zuvor verstorbenen deutschen Außenminister ihren neuen Namen Stresemannstraße. Nach der "Machtergreifung" der Nationalsozialisten plante man, den Gauleiter der NSDAP zu ehren, indem man den Straßennamen in Gustav-Simon-Straße ändern wollte, was jedoch nicht umgesetzt wurde. Stattdessen hieß die Straße seit 1933 nach einem getöteten Hitlerjungen Wilhelmistraße. 1948 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, die Straße wieder in Stresemannstraße umzubenennen. Solche Beispiele machen nicht zuletzt den Nutzen eines historischen Straßenamenverzeichnisses deutlich.

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