Planzeichnung

Umwelt und Planung

Interview mit Brückenbauamtsleiter Peter Schwarz

Herr Schwarz, die Pfaffendorfer Brücke muss von Freitag auf Samstag vollgesperrt werden, damit Arbeiten an der Brücke vorgenommen werden können. Warum müssen diese Arbeiten gerade jetzt durchgeführt werden?

Schwarz: Alle Brücken werden in Abständen von drei Jahren geprüft, wobei bundeseinheitlich vorgeschrieben ist, wie diese Prüfungen durchzuführen sind und welche Konsequenzen aus den Prüfergebnissen zu ziehen sind. Bei früheren Prüfungen sind bereits Schäden an der Brücke festgestellt worden und viele dieser Schäden wurden im Anschluss behoben. Da angesichts der starken Schäden an dieser alten Brücke eine vollständige Ertüchtigung gegenüber dem Bau einer neuen Brücke unwirtschaftlich wäre, haben wir uns damals dazu entschlossen, jene Schäden, die unmittelbar behoben werden müssen, zu beheben und die Brücke anschließend so lange in Betrieb zu halten, bis der Bau einer neuen Brücke abgeschlossen ist.

Um die Entwicklung der Bauschäden weiter zu beobachten, wurde die Pfaffendorfer Brücke in regelmäßigen Abständen geprüft. Die letzte Prüfung hat als Ergebnis gezeigt, dass es an einigen Stellen der Brücke enorme Schadensfortschritte gab, die sich in einem rasanten Tempo weiterentwickeln. Es gibt akute Tragfähigkeitsprobleme. Soll die Brücke bis zur Fertigstellung einer neuen Brücke weiterhin sicher befahren werden können, müssen deshalb unmittelbare Maßnahmen getroffen werden. Würden wir noch länger warten, müsste die Brücke vermutlich nach geraumer Zeit voll gesperrt werden. In diesem Fall wären die Verkehrsbeeinträchtigungen bis zur Fertigstellung der neuen Brücke wesentlich erheblicher.

Wir wissen, dass die Verkehrsbelastungen durch die verschiedenen Baustellen bereits sehr hoch sind. Die aktuelle Situation war jedoch für uns unvorhersehbar und die Maßnahmen, die wir jetzt kurzfristig treffen, sind alternativlos.

Welche Baumaßnahmen werden jetzt an der Brücke vorgenommen?

Schwarz: Es müssen jetzt „lebensverlängernde“ Maßnahmen an der Brücke getroffen werden, die gewisse Schäden beheben und den Zustand der Brücke so lange aufrechterhalten, bis die neue Brücke in Betrieb genommen werden kann.

Die Schäden, um die es jetzt geht sind zum Beispiel Schäden an den Zugbändern der Brücke, unter anderem durch Salzeinflüsse. An den Endquerträgern der Brücke haben sich Schweißnähte gelöst. Sämtlicher fauler Beton muss von der Brücke abgeschlagen werden, und dann versucht werden, die Balken zu reprofilieren.

Unsere ersten Schritte werden deshalb sein, die tragenden Stahlbauteile zu verstärken und aufgerissene Schweißnähte zu zuschweißen. Damit beginnen wir jetzt am Freitag, dem 5. April. Dann haben wir schon einmal zwei gravierende Schäden behoben. Als nächstes werden wir die Zugbalken an der Betonplatte von unten her aufschlagen, den faulen Beton abschlagen und diesen mit neuem Beton ersetzen.

Wann kann mit dem Neubau der Brücke begonnen werden?

Schwarz: Wir gehen demnächst in das Planfeststellungsverfahren für den Neubau der Brücke. Wie lange dieses Verfahren dauern wird, ist schwer abzuschätzen, da wir Rücksicht auf den Naturschutz und den Denkmalschutz nehmen müssen. Während dieses Verfahrens können auch noch Klagen gegen den Bau der Brücke eingehen, über die dann entschieden werden muss. Außerdem läuft ein EU-weites Ausschreibungsverfahren für die Arbeiten. Auch wenn diese Dinge alle unkompliziert laufen sollten, wird es grob geschätzt bis zum Frühjahr 2021 dauern, bis wir mit dem Bau der Brücke beginnen können und weitere zwei Jahre, bis der Bau abgeschlossen ist. Deshalb muss die alte Brücke auch noch mindestens vier Jahre verkehrstüchtig sein.

Was bedeutet die Situation ab dem 6. April für die Autofahrerinnen und Autofahrer in Koblenz? Und welche Auswirkungen haben die Maßnahmen auf Fußgänger und Radfahrer?

Schwarz: Eine temporäre Maßnahme liegt darin, dass die Brücke für einen gewissen Zeitraum nur zweispurig befahrbar sein wird. Ein Grund für diese Einschränkung liegt darin, dass an den Rändern der Brücke Arbeiten vorgenommen werden müssen. Diese Arbeiten können nicht vorgenommen werden, wenn die Fahrbahnspuren an den Rändern der Brücke in Gebrauch sind. Ein weiterer Grund für diese Halbierung der Verkehrsfläche liegt darin, dass wir somit die Brücke fundamental entlasten. Es gibt weniger Schwingungen und Gewicht, die die Brücke zusätzlich beschädigen könnten.

Es wird sich also nicht verhindern lassen, dass es in dieser Zeit zu Staus und Wartezeiten auf der Brücke kommt. Fahrzeuge, die schwerer als 30 Tonnen sind, können die Brücke vorerst nicht mehr befahren. Fußgänger und Radfahrer haben mit keinerlei Beeinträchtigungen zu rechnen.

Was tut die Stadt, um die Verkehrsbehinderungen zu reduzieren?

Schwarz: Unser sicheres Ziel ist, in den kommenden Monaten möglichst schnell eine dritte Fahrspur einzurichten und somit eine Mittelspur für den Wechselverkehr nutzen zu können. So kann insbesondere zu den Stoßzeiten morgens und nachmittags der Verkehr entlastet werden und Pendlerinnen und Pendler können leichter in die Stadt und wieder aus der Stadt herausfahren. Wenn es uns gelungen ist, eine dritte Fahrspur einzurichten, wird sich die Situation auf der Pfaffendorfer Brücke erheblich entspannen und wir werden vermutlich kaum noch verkehrliche Beeinträchtigungen aus der Pfaffendorfer Brücke haben. Wann genau diese dritte Fahrspur eingerichtet werden kann, hängt vom Erfolg der Baumaßnahmen ab und wird sich somit erst in den kommenden Monaten zeigen.

Gleichzeitig bemühen wir uns darum, die Rush Hour zu entzerren. Wir arbeiten daran, andere Lösungen für den Verkehr zu finden, beispielsweise prüfen wir, ob Park and Ride Parkplätze genutzt werden können und die Seilbahn in den ÖPNV integriert werden kann. Wir befinden wir uns ebenfalls im Gespräch mit den großen Koblenzer Arbeitgebern, die eine große Bereitschaft zeigen, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten zu ermöglichen. So können möglichst viele Autofahrerinnen und Autofahrer versuchen, nicht in den typischen Stoßzeiten zu fahren. Wir möchten auch an die Bürgerinnen und Bürger appellieren, wenn möglich Mitfahrgemeinschaften zu gründen und auf das Rad umzusteigen. Fahrradfahrer werden in der kommenden Zeit schneller in die Stadt und wieder herausfahren können, als Autofahrer.

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