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Ihr Standort: Stadtleben & Kultur > Stadtporträt > Koblenzer Leibgerichte und Essgeschichten
Essgeschichten
Hannelore Kraeber
Heringe am Markustag
Spezialität bei den Benediktinerinnen auf dem Oberwerth
Nonnenkloster auf dem Oberwerth nach einer Radierung von 1791,aus Dr.Michel, Die kirchlichen Denkmäler der Stadt Koblenz
Auf der Rheinhalbinsel Oberwerth, die durch die ‚Lache‘ vom Koblenzer Rheinufer getrennt ist, war seit 1143 ein Benediktinerinnenkloster. Die Nonnen waren von mittelrheinischem Adel, Schutzherren die Herren von Helfenstein. Am Markustag wurde der Hauptalter der Klosterkirche durch Erzbischof Arnold zu Ehren der Mutter Gottes und des hl. Matthias geweiht.
Wahrscheinlich als Erinnerung an dieses Ereignis zog die Geistlichkeit von St. Florin mit Chorknaben jährlich am Markustag – 25.April – zu den Benediktinerinnen. Ihr Weg führte sie auf dem ‚Nonnenpfad‘ – benannt nach den Ordensfrauen – durch die Görgenpforte, die Rheinau zur Übersetzstelle auf das Oberwerth. Schon in aller Frühe morgens hielten die Geistlichen ein feierliches Hochamt. Dafür wurden sie nach dem Gottesdienst von der hochwürdigen Frau Äbtissin mit einem ‚trefflichen‘ Frühstück bewirtet. Auch die Chorknaben erwartete stets ein eigentümliches Gericht. Es gab gedämpfte Botteln (Hagebutten) mit gebratenen Heringen. Es war nach heutigen Verständnis inzwischen bestimmt ja auch schon an der Zeit für einen kräftigen Brunch.
Botteln (Hagebutten) mit gebratenen Heringen ein gesundes Essen
Botteln (Hagebutten) mit gebratenen Heringen ein gesundes Essen
‘Täglich einen Esslöffel Hagebuttenmus und mit der Erkältung gibt es keinen Verdruss,‘ hieß es zur Gesundheitsvorsorge bei unseren Altvordern. In der Zeit der kaum erhältlichen oder zu teueren Zitrusfrüchte waren die Hagebutten preiswerte Vitaminträger. Außer viel Vitamin C enthalten sie noch die Vitamine A,B,E,K. Sie sind ein wertvoller Rohstoff für Saft, Marmelade, Püree. Als Tee aufgegossen sind sie ein gutes Mittel bei Nierenleiden und eine Hagebuttensuppe kann eine Kräftigung für Kranke sein.
Ganz nebenbei: Die Geschichte von der Edelfrau, die einen dekorativen, herbstlichen Kartoffelrosenstrauß voller Blüten und Früchten von einem Verehrer nicht in einer Vase im Salon platzierte, sondern vielmehr in die Küche bringen ließ, weil sie eine erfahrene Köchin hatte, mag nur eine Legende sein.
Ganz nebenbei: Die Geschichte von der Edelfrau, die einen dekorativen, herbstlichen Kartoffelrosenstrauß voller Blüten und Früchten von einem Verehrer nicht in einer Vase im Salon platzierte, sondern vielmehr in die Küche bringen ließ, weil sie eine erfahrene Köchin hatte, mag nur eine Legende sein.
‚Zweimal in der Woche Fisch‘ wird in der modernen Ernährungsberatung empfohlen. Heringe enthalten Omega-3-Fettsäuren gegen Arterienverkalkung, Jod für die Schilddrüse, Vitamine regen den Energiestoffwechsel an, z.,B. B1 gegen Gifte, B2 fördert den Sauerstofftransport im Blut, Selen stärkt das Immunsystem. Eine nicht kleine Rolle, zumal in den Klöstern spielte seit dem 15. Jahrhundert ‚eingebürgerte‘ Salzhering und der Stockfisch. Auf den aus Köln kommenden Schiffen fehlten niemals zahlreiche Fässer des beliebten Herings und ansehnliche Mengen Stockfisches. Beide waren große Handelsartikel des Hansabundes. ... und heute: ‚Angst vor ‚leeren Meeren?‘ Die Greenpace-Gruppe Rhein-Neckar meldet: Heringe und Makrelen dürfen auf Grund der akzeptablen Bestandsitutation noch gegessen werden.
So bereiten Sie Botteln mit gebratenen Heringen zu:
Gebratene Heringe
2 frische Heringe waschen, trockentupfen sowie leicht mit
Zitrone beträufeln, innen und außen salzen und pfeffern. 10 Minuten ziehen lassen.
Währenddessen 50 g Speckwürfel in einer großen Pfanne auslassen. Den Speck herausnehmen,
50g Butter zufügen, die Heringe in
Mehl wenden und von beiden Seiten jeweils 5 Min. goldbraun braten. Die Fische auf vorgewärmte Teller legen, den Speck noch einmal kurz in der Pfanne erhitzen und noch darüber verteilen. Sofort servieren.
Dazu schmecken Salzkartoffel od. Kartoffelsalat.
Sollen mehr Heringe zubereitet werden, empfiehlt sich die Zubereitung auf einem Rost im Backofen.
Zitrone beträufeln, innen und außen salzen und pfeffern. 10 Minuten ziehen lassen.
Währenddessen 50 g Speckwürfel in einer großen Pfanne auslassen. Den Speck herausnehmen,
50g Butter zufügen, die Heringe in
Mehl wenden und von beiden Seiten jeweils 5 Min. goldbraun braten. Die Fische auf vorgewärmte Teller legen, den Speck noch einmal kurz in der Pfanne erhitzen und noch darüber verteilen. Sofort servieren.
Dazu schmecken Salzkartoffel od. Kartoffelsalat.
Sollen mehr Heringe zubereitet werden, empfiehlt sich die Zubereitung auf einem Rost im Backofen.
Hagebuttensauce
Hagebuttenmark* erhältlich in Reformhäusern, z.T. auch in Supermärkten mit Apfelsaft nach Wunsch verdünnen. Hagebuttensauce lässt sich kalt oder warm verwenden. Für eine warme Sauce empfiehlt sich eine kurze Erwärmung mit der Mikrowelle. Verfeinerung nach Geschmack mit
Wein, Knoblauch,
Oregano oder Basilikum
Wein, Knoblauch,
Oregano oder Basilikum
Die eigene Zubereitung von Hagebuttenmark ist sehr zeitaufwändig. Dazu sammelt man im Herbst vor dem ersten Frost die Hagebutten. Von den Früchten müssen Blüte, Stiel und Kerne entfernt werden. Die Kerne haben kleine Härchen, die einen Juckreiz verursachen können. Die Fruchthälften werden kurz abgespült, mit Wasser bedeckt, dann in 20 – 30 Minuten weich gekocht und durch ein Sieb gedrückt.
Anhang für alle, die ‚Kowelenzer Steckelcher‘ lieben:
Vom Kluster zom Liebesnest
Weje der Feindesgefahr 1794 hann die Nonne dat Kluster off-em Owerwerth verlooss. Später es die Insel von de Franzuse besetzt wur. Do moss sich dann manche Puusaasch abgespillt hann, denn der Rheinische Antiquarius II,2,250, schreiwt: ‚Sie (Insel) wurde ein sehr besuchter Lustort.
Weje der Feindesgefahr 1794 hann die Nonne dat Kluster off-em Owerwerth verlooss. Später es die Insel von de Franzuse besetzt wur. Do moss sich dann manche Puusaasch abgespillt hann, denn der Rheinische Antiquarius II,2,250, schreiwt: ‚Sie (Insel) wurde ein sehr besuchter Lustort.
Preußen beliebt?
Christian von Stramberg erzählt em Rh.Ant. II,2,244 bis 245 von-em Fährmann, fier dänn dat Iwwersetze vom linke Rheinufer off-et Owerwerth en Plackerei wor. Außerdemm soll ä och oft ze faul dofier gewes säin. Als Uhrezäije bericht ä selwer en Erzählung von-er Frau: En Gesellschaft hätt oft demm Fährmann zogeroof: ‚Was gibst du, was hast du, hol über.‘ Noch langer Zäit hätt dä sich dann bequemt on de Nache losgebonne. Als ä awer off der annere Seit preußische Offiziere gesehn hätt, hätt ä dänn Nache widder festgebonne on geroof: „...Preuße, die hann nix zo versäime, die könne waarde.“ Ä wär dann sugar off die annere Seit vom Owerwerth gange. (aus: Hannelore Kraeber, Neues Wörterbuch oder Koblenzer Mundart)
Hannelore Kraeber
-Alle Rechte bei der Autorin-
Christian von Stramberg erzählt em Rh.Ant. II,2,244 bis 245 von-em Fährmann, fier dänn dat Iwwersetze vom linke Rheinufer off-et Owerwerth en Plackerei wor. Außerdemm soll ä och oft ze faul dofier gewes säin. Als Uhrezäije bericht ä selwer en Erzählung von-er Frau: En Gesellschaft hätt oft demm Fährmann zogeroof: ‚Was gibst du, was hast du, hol über.‘ Noch langer Zäit hätt dä sich dann bequemt on de Nache losgebonne. Als ä awer off der annere Seit preußische Offiziere gesehn hätt, hätt ä dänn Nache widder festgebonne on geroof: „...Preuße, die hann nix zo versäime, die könne waarde.“ Ä wär dann sugar off die annere Seit vom Owerwerth gange. (aus: Hannelore Kraeber, Neues Wörterbuch oder Koblenzer Mundart)
Hannelore Kraeber
-Alle Rechte bei der Autorin-
