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Essgeschichten

Hannelore Kraeber

Quittenfleisch - samt Früchten fast vergessen

Quitten
Die apfel- oder birnenförmigen Quitten sind den Jüngeren heute kaum noch bekannt. Im Herbst leuchten sie wie Zitronen von den Bäumen. Schon der fruchtige Quittenduft ist ein Genuss für Liebhaber. Die Früchte werden knochenhart geerntet und heute fast ausschließlich beim ‚Türken‘ angeboten und verkauft. Ihre Inhaltsstoffe: Vitamine, Mineralstoffe, Kieselsäure und außergewöhnlich viele Pektine  sind eine Wohltat für Leib und  Magen. Die Pektine absorbieren z.B. im Darm aufgenommene Giftstoffe, die dann für den Körper unschädlich ausgeschieden werden. Die Portugiesen nannten die Quitte ‚marmelo‘ – Honigapfel. ...und was die Großmutter Sannchen Hürter in Neuendorf wusste und auch anpries: „Quittengelee ist edler als Honig!“  Viele weitere Zubereitungen wie Quittenbrot, Quittensaft, Quittenkonfekt sind noch bekannt und in alten Kochbüchern  zu finden. So auch im handgeschriebenen Kochbuch der Frau Drouven, das  im Stadtarchiv Koblenz N28 – Zug 35/87 aufbewahrt wird.

Rezept Quitten
Für alle, die Deutsche Schrift nicht mehr lesen können: Quitten – Schöne große Quitten werden geschält, in große Schnitze geschnitten und sorgfältig in Wasser weich blanchiert. Dann wird auch auf 1 Pfund Schnitze ¾ Pfund Zucker geläutert und über die Schnitze gegossen. Den anderen Tag wird der Saft abgeschüttet, eingekocht und wieder darüber gegossen. Den 3.Tag werden die Schnitze eine Wall mitgekocht und dann in einen Hafen gefüllt.
 
Rezept - Geheimnis hinter Klostermauern der Koblenzer Barbara-Nonnen

Bekanntlich sind die Rezepturen der Klosterküche nie von schlechten Zutaten. So schwärmt auch Christian von Stramberg im Rheinischen Antiquarius I/2,112ff von dem ‚ausgezeichneten‘ Quittenfleisch, das es im ehemaligen Augustinerinnenkloster St.Barbara  in der Löhrstraße gab. Er bedauert sehr, ‚dass das Geheimnis dieser Bereitung mit der ungemein würdigen und verständigen  Priorin Anna Maria Goblet am 8.Mai 1820 abgestorben ist.‘ Das Kloster selbst war schon am 9.Aug.1802 aufgelöst worden.
St. Barbara, Löhrstrasse vor dem Abbruch - aus: Dr. Michel, Die kirchlichen Denkmäler der Stadt Koblenz
Auf dem Bild ist die St.Barbara-Kirche auf der Löhrstraße zu erkennen. Das Gesamtgelände reichte bis zu Pfuhlgasse. Vordem stand hier seit 1239 das städtische Hospital. Auch das erste Obdachlosenasyl der Stadt war dort untergebracht.. Die Kirche wurde 1910 und der Rest 1930 abgerissen. Der Hauptaltar ziert heute noch die Pfarrkirche St.Johannes in Metternich.

Wenn auch die Zubereitung des Gerichtes nach Art der Barbara-Nonnen ein Geheimnis bleibt, so kennt man aber noch aus der Bürgerschaft das Rezept. Vielleicht kann es zumindest in etwa noch den Geschmack vermitteln.

Quittenfleisch

ca. 3 Quitten - Pelz mit einem Tuch abreiben, schälen, achteln, Kerngehäuse ausschneiden.  Zusammen mit Zitronenscheiben ca.30 Min.dünsten.
Die Quitten müssen knapp mit Wasser bedeckt sein.
In der Zwischenzeit
Fett in einem Topf erhitzen,
500g  Schweine- Gulasch darin goldbraun anbraten,
2 Zwiebeln würfeln und kurz mitbraten,
mit Salz, Pfeffer würzen.
Mit 2 Gläsern Wein ablöschen.

Das Fleisch zugedeckt etwa 45 Min. schmoren.
40g Rosinen, die Quitten zufügen und das Ganze noch einmal durchschmoren lassen.

Mit Trester oder  Hefen abschmecken,
mit 0,5 l Becher Sahne verfeinern.

Beilage: Kartoffelbrei oder Reis


Anmerkung für alle, die Kowelenzer Steckelcher lieben:

In der St. Barbara-Kirche wurde von den Koblenzern besonders ein Zahn-Reliquiar der Apollonia verehrt. Sie ist  die  Patronin  der Zahnärzte und aller,  die  an  Zahnkrankheiten leiden. Josefine Moos erzählt davon in einem Gedicht:

Vur Johr on Daach stand off der Liehr e Kärjelche ‚St.Barbara‘ net weit von-em Bolizeirevier. Dat wor good besocht von nah on fern. Zemol am Abbelloniafest* hann sich die Beter dicht geschart, hat jeder fromm dä Zahn gekesst, dat ä vur Zännpäin bliew bewahrt. Vom Kister awer mosst mer soon, et wor en Mann met ruude Hoor, dat ä zwar treu säi Pflicht gedoon, awer sonst en Brummbär wor. „En häi der Kärich – es jetzt käi Kärisch, die Feier es fier häit vorbei!“, schnauzt ä die Läit an: „Fott eloo! Et wierd och häit net mieh gekesst, dä Herr Kaplan es net mieh do.

Hannelore Kraeber
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