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"Ausbildung hinter den Kulissen"
Fünfter Teil:
Ein Bücherwurm von Berufs wegen
Rebekka Trapp bereitet sich in der Stadtbücherei auf ihren Traumjob vor.
Sie hat ihren Arbeitsplatz irgendwo zwischen den wilden Fußballkerlen, Rolli, dem Seehund, Hexe Lilli und Willi Wirsing: Rebekka Trapp ist Auszubildende in der Stadtbücherei, momentan in der Kinder- und Jugendbibliothek im Einsatz. Der jungen Frau auf dem Weg zum professionellen Bücherwurm durften wir über die Schulter gucken - Teil fünf unserer Serie "Ausbildung hinter den Kulissen". KOBLENZ. Seite für Seite nähert sich Rebekka Trapp ihrem Traumberuf - als Auszubildende zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste/Fachrichtung Bibliothek. So jedenfalls klingt das in Beamtendeutsch. Anders gesagt: Die Koblenzerin, 20 Jahre jung, lässt sich gerade zum professionellen Bücherwurm ausbilden, der sich mit Wonne, Ordnungssinn und Kontaktfreudigkeit durch die Lektüreberge der Stadtbibliothek Koblenz "frisst". Dort lernt sie alles, was dazugehört, um Menschen in magische Welten zwischen zwei Buchdeckeln zu entführen. Wie baut man eine Bibliothek auf? Wie werden die Bücher ausgewählt, wie erworben? Welche Methoden des Katalogisierens gibt es? Das sind Fragen, denen sich Rebekka Trapp momentan stellt. Seit 2002 ist sie im großen "Bücherverleihbetrieb" tätig, drei Jahre dauert die Ausbildung. Und schon jetzt kann sie auf viele Kapitel zurückschauen, könnte Romane schreiben über das, was sie bereits erlebt hat: Im Infobestand, wo die Nachschlagewerke stehen, und in den Abteilungen Katalogisierung, Vorzimmer, Erwerbung, Verbuchung, Verwaltung, Lektorat und Musikbibliothek war sie aktiv. "Die Verbuchung ist toll. Da hat man den direkten Kontakt zu den Menschen", erzählt Rebekka. "Und die Musikbibliothek hat mir unheimlich gut gefallen", setzt sie schmunzelnd hinzu. Da kommt es schon Mal vor, dass ein Besucher, der sich partout nicht mehr an den Titel des begehrten Songs erinnern kann, pfeifend oder singend in Aktion tritt. Zudem ist hier das Wissen der jungen Azubis gefragt, kennen die sich doch meist besser aus bei allem, was momentan in den Charts rauf und runter gehört wird, als die älteren Kollegen. Und auch die Abteilung Erwerbung hat es dem Nachwuchs-Bücherprofi angetan. Dort werden die Bestellungen losgeschickt. Zuvor haben sich elf Lektoren durch die Buchbesprechungen der Einkaufszentrale für Bibliotheken in Reutlingen gearbeitet, aus zahllosen neuen Titeln die Rosinen herausgepickt. "Gekauft werden die Bücher meist in den Buchhandlungen vor Ort", erklärt Azubi Rebekka. Landen die brandaktuellen Schmöker im neuen "Zuhause", geht's weiter: Sie erhalten eine Zugangsnummer, werden mit Eingangs- und Abteilungsstempel versehen, dann den Lektoren ins Fach gelegt, die sie systematisieren und katalogisieren. Anschließend gibt's die Signatur von der Buchbinderei, eine Folie als Schutz - und der Neuzugang kann ausleihbereit ins Regal wandern. Wobei nicht "nur" Bücher den Berufsalltag von Rebekka prägen. Bekanntlich bietet die Stadtbücherei auch viele andere Medien wie Videos, DVDs, Hörspielkassetten, Literatur- und Musik-CDs, Zeitschriften und PC-Spiele. In der Kinder- und Jugendbibliothek erfreuen sich Manga-Comics besonderer Beliebtheit. "Die sind zwar alles andere als anspruchsvoll, aber wir möchten halt ein breites Spektrum anbieten und nicht nur Goethe", erklären die Diplom-Bibliothekarinnen Petra Kohlschmidt und Melanie Spieker, die Rebekka "unter die Arme greifen". "Außerdem ist bei uns noch nie ein Kind mit Manga rausgegangen, das sich nicht auch noch ein anderes Buch mitgenommen hätte." Und wer kann dazu schon Nein sagen: Da grinsen "Die wilden Fußballkerle", die Leseknüller in Serie von Joachim Masannek, vom Regal. Cornelia Funkes "Tintenherz" entführt in die Welt des geheimnisvollen Mo, der mit seiner Zauberstimme Geschichten zum Leben erwecken und Figuren in die reale Welt "herauslesen" kann. Und Knisterers "Hexe Lilli" macht Zauberquatsch oder spielt mit dem Vampir mit dem Wackelzahn oder erlebt wilde Indianerabenteuer oder noch Fragen? Dann wenden Sie sich doch an Rebekka Trapp!
Dinah Schmidt 13. August 2004 22:30 © RZ-Online GmbH
Meine Ausbildung bei der Stadtverwaltung - Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste
In der Stadtbibliothek werden drei Auszubildende zum Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste– kurz FAMI - Fachrichtung Bibliothek ausgebildet. Wir konnten Uljana Daitche und Benedikt Rascop, die sich im ersten bzw. zweiten Lehrjahr befinden, zu ihrer Ausbildung befragen. David Waldecker, Auszubildender im 3. Lehrjahr, war leider verhindert, an diesem Interview teilzunehmen. "Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste erteilen Auskünfte, beraten und betreuen Benutzer und Kunden und setzen elektronische und konventionelle Informations- und Kommunikationssysteme sowie nationale und internationale Datennetze ein, um Medien und Informationen zu beschaffen, zu erschließen und zu vermitteln", definiert die Kurzbeschreibung die Tätigkeiten eines FAMI. All diese Tätigkeiten können in den Fachrichtungen Bibliothek, Medizinische Dokumentation, Bildagentur, Information/Dokumentation oder Archiv anfallen, in denen FAMI´s ausgebildet werden. . Für die Auszubildenden der Stadtbibliothek bedeutet dies bei der Auswahl der Medien (Bücher, CD´s, DVD´s), deren Bestellung, der Inventarisierung, der sachlichen Erschließung (Zuordnung zu einem Fachgebiet), der sogenannten formalen Erfassung (Katalogisierung), der buchtechnischen Bearbeitung (z. B: Foliierung von Büchern) und schließlich dem Einsortieren in den Bestand zunächst zu helfen und diese Tätigkeiten später auch selbst durchzuführen. Hinzu kommt der Kontakt mit den Nutzern der Bibliothek. Neben einer dreijährigen Ausbildung im Betrieb wird die Ausbildung durch den wöchentlichen Besuch der Berufsschule ergänzt. Berufsschultage sind lange Tage, wie sich im Gespräch mit den Auszubildenden und ihrer Ausbilderin Frau Kohlschmidt zeigt. Schließlich befindet sich die Berufsschule in Köln und bedingt so lange Anfahrtzeiten. In den ersten beiden Berufsschuljahren werden die Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste aller Fachrichtungen gemeinsam beschult. Neben Deutsch, Englisch, Politik werden die Fächer Allgemeine Wirtschaftslehre und Organisationslehre unterrichtet. Fachspezifische Theorie wird im Fach Spezielle Betriebswirtschaftslehre (SBL) vermittelt. Im letzten Lehrjahr wird das Fach SBL dann für jede Fachrichtung getrennt unterrichtet, um stärker auf die gewählte Fachrichtung eingehen zu können. Ein einmonatiges Praktikum in einem Betrieb, der in einer der anderen Fachrichtungen als der gewählten ausbildet, ist Pflicht. "Ein weiteres, mehrtägiges Praktikum leisten unsere Auszubildenden bei der Rheinischen Landesbibliothek ab, um die Bearbeitung von Fernleihen zu erlernen", berichtet Frau Kohlschmidt. Die Tätigkeiten werden in Wochenberichten dokumentiert. In Monatsberichten wird jeweils ein Thema vertieft betrachtet. Zusätzlich werden in der Stadtbibliothek noch Abteilungsberichte gefertigt. Nachdem eine Abteilung absolviert wurde, wird das dort Erlernte im Bericht dokumentiert. Die Zwischenprüfung wird nach 1 ½ Jahren durchgeführt. Das Pflichtpraktikum sollte möglichst zuvor absolviert sein, da es Prüfungsinhalt sein kann. Die Hoffnung das Hobby "Lesen" zum Beruf machen zu können hat keinen der drei Auszubildenden zur Entscheidung für diesen Beruf bewogen. Benedikt Rascop, bereits im zweiten Lehrjahr, hatte als Bibliotheksmitglied bereits Einblick in die Tätigkeit und beschäftigt sich gern mit Medien, so war der Weg schon vorbestimmt. Uljana Daitche hatte vor dem Beginn der Lehre noch keine Erfahrungen gesammelt, freut sich aber über die abwechslungsreiche Tätigkeit, die den Kontakt mit Menschen beinhaltet. Innerhalb der Stadtbibliothek durchlaufen die Auszubildenden verschiedene Abteilungen und werden auch an den unterschiedlichen Standorten (Bücherbusse, Kinder- und Jugendbibliothek, Musikbibliothek/Mediothek und den Außenstellen in Pfaffendorfer Höhe, Horchheim und Karthause) eingesetzt. Besonders beliebt ist natürlich die Musikbibliothek. Hier kann dann auch bei der Beschaffung neuer Medien Einfluss genommen werden. Mit ihrem Ausbildungsplatz sind die Interviewten (Uljana Daitche, Benedikt Rascop) sehr zufrieden, bedauern aber, dass eine Übernahme nach der Ausbildung nicht sicher gestellt ist. Die berufliche Zukunft ist hier, wie in vielen anderen Bereichen, gegenwärtig ungünstig. Eine höhere Qualifikation insbesondere durch ein Studium verspricht zur Zeit keine besseren Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Wir wünschen unseren Interviewpartnern deshalb viel Erfolg für die kommenden Prüfungen und die spätere Stellensuche und danken ihnen und ihrer Ausbilderin Frau Kohlschmidt für das Interview.
(aus: MAZ der Stadtverwaltung Koblenz Sommer 2006)
