Stadtarchiv Koblenz - Operette auf dem Rhein: Eine Nacht in Venedig (1955)

Eine Nacht in Venedig
Eine Nacht in Venedig, 1955 (Foto: Herbert Gauls).
 
"Im Jahr 1930 entwickelte der damalige Intendant Jost den Plan, in Koblenz Sommerspiele zu veranstalten. Es ging ihm weniger darum, das Haushaltskonto des Stadttheaters aufzubessern, als vielmehr dem ansonsten arbeitslosen Ensemble eine Verdienstmöglichkeit zu verschaffen. Die mit großem Engagement vorbereiteten Freilichtaufführungen auf dem Ehrenbreitstein hatten jedoch nur geringen Erfolg beim Publikum. 'Sommerspielzeiten' der folgenden Jahre bestanden wie zuvor hauptsächlich in Gastspielen in nahegelegenen Kurorten.
Die Existenzkrise des Theaters 1949/50 brachte Intendant Prof. Krauss auf die Idee, eine Sommer-Operette auf der Rheinlache einzuführen. Im Sommer 1950 veranstaltete das Ensemble des Stadttheaters unter der Verantwortung des Koblenzer Fremdenverkehrsamtes die erste Aufführung der Operette 'Eine Nacht in Venedig' auf der Rheinbühne. Der finanzielle Erfolg, der im wesentlichen dem Verkehrsamt zugute kam, war derart groß, daß sich die Stadtverwaltung entschloß, von nun an regelmäßig Sommerspiele zu veranstalten. Die zunächst primitiven Bühnen- und Tribünenverhältnisse wurden von Jahr zu Jahr verbessert. Wechselnde Inszenierungen und publikumswirksame Gaststars brachten volle Kassen.
1958 konnte die Wolff-Inszenierung von 'Der Zigeunerbaron' mit Christo Bajew als Schweinezüchter Czupan 57mal aufgeführt werden. 1962 sorgten der Weltrekordläufer Carl Kaufmann in 'Blume von Hawaii' und 1964 Rudolf Schock und Margit Schramm in 'Lustige Witwe' für überfüllte Tribünen.
Zusätzlich zu den Operettenspielen konnte das Stadttheater bald mit weiteren Sommerattraktionen aufwarten.
Bereits 1952 führte der beliebte Schauspieler und Spielleiter Hans Bühl die 'Burgspiele Lahneck' ein und verschaffte damit einerseits den Schauspielern neue Verdienstmöglichkeiten. Ab 1954 fanden im Blumenhof Sommeraufführungen statt. Hier konnten Koblenzer und Fremde fast allabendlich Schauspiele, Opern und Konzerte genießen. Bei schlechtem Wetter wurde im Stadttheater gespielt.
Dieses umfangreiche kulturelle Angebot zur touristenreichen Sommerzeit hatte Koblenz weit über die bundesdeutschen Grenzen hinaus bekannt gemacht. Konnten auch die direkten Einnahmen die hohen Unkosten der Veranstaltungen schließlich nicht mehr decken, so dürften doch die indirekten Auswirkungen auf die Belebung des Koblenzer Fremdenverkehrs diese Verluste bei weitem ausgeglichen haben.
Umso bedauerlicher war und ist für Koblenzer und Touristen, daß die Rheinoperette infolge eins 'Lärmbelästigungsprozesses' der Anlieger 1970 eingestellt werden mußte. Von dem ehemals reichhaltigen Spektrum des 'Sommertheaters' sind in Koblenz nur die Spiele auf Burg Lahneck und gelegentliche Matineen im Blumenhof übriggeblieben."
 
Quelle: Petra Habrock-Henrich: 200 Jahre Theater Koblenz 1787-1987. Begleitheft zur Ausstellung im Stadttheater. Koblenz 1987, S. 53-54 (Hervorhebungen vom Bearb.).
 
Eine Nacht in Venedig, Werbezettel
Eine Nacht in Venedig. Werbezettel des städtischen Verkehrsamts, 1955 (StAK ZGD 931).