Pressemeldungen der Stadt Koblenz
Feierliche Verleihung des Joseph-Breitbach-Preis 2026 an Jochen Schmidt im Theaterzelt auf der Festung Ehrenbreitstein
Der Schriftsteller Jochen Schmidt ist am Freitagabend, 18. September, in Koblenz mit dem Joseph-Breitbach-Preis 2026 ausgezeichnet worden. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung für sein literarisches Gesamtwerk wurde im Theaterzelt auf der Festung Ehrenbreitstein überreicht. Mit dem Preis würdigen die Stiftung Joseph Breitbach und die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz einen Autor, dessen Werk den Alltag, die Sprache und die Veränderungen der Gegenwart mit großer Genauigkeit, feinem Gespür für Sprache und viel Humor in den Blick nimmt.
Die Jury bezeichnet Schmidt als einen „der großen Alltagserkunder in der deutschsprachigen Literatur“. Besonders hervorgehoben wird sein Umgang mit gesprochener Sprache, die seit der Mitbegründung der Berliner Lesebühne „Chaussee der Enthusiasten“ ein prägendes Element seiner schriftstellerischen Arbeit ist. In Romanen, Erzählungen, Kolumnen und Blogtexten richtet Schmidt den Blick auf scheinbar nebensächliche Dinge, Redewendungen und Situationen des täglichen Lebens – und macht darin größere gesellschaftliche und zeitgeschichtliche Zusammenhänge sichtbar.
Die feierliche Preisverleihung begann mit einem musikalischen Auftakt des Blechbläserquartetts „Zweistromblech“. Nach der Begrüßung durch den Koblenzer Oberbürgermeister David Langner richtete der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder ein Grußwort an den Preisträger und die Gäste. Anschließend sprach Prof. Dr. Andrea Rapp, Präsidentin der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz. Die Laudatio auf Jochen Schmidt hielt der Schriftsteller, Historiker und Herausgeber Per Leo.
Oberbürgermeister David Langner betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung der Freiheit der Kunst und die besondere Rolle der Literatur in einer offenen Gesellschaft: „Literatur lebt von der Freiheit, Fragen zu stellen, neue Perspektiven zu eröffnen und auch Widersprüche auszuhalten. Gerade in einer offenen Gesellschaft ist diese Freiheit der Kunst von besonderer Bedeutung. Jochen Schmidt zeigt mit seinem Werk auf eindrucksvolle und oft humorvolle Weise, wie viel sich im scheinbar Alltäglichen über unsere Zeit und unser Zusammenleben entdecken lässt. Ich gratuliere ihm im Namen der Stadt Koblenz sehr herzlich zum Joseph-Breitbach-Preis 2026.“
Ministerpräsident Gordon Schnieder gratulierte dem Preisträger und betonte die Bedeutung von Literatur für die Auseinandersetzung mit der Gegenwart: „Herzlichen Glückwunsch zum Joseph-Breitbach-Preis 2026, lieber Jochen Schmidt! Mit Ihrem Werk begeistern Sie seit vielen Jahren Leserinnen und Leser. Heute dürfen wir gemeinsam mit Ihnen diesen besonderen Preis feiern. Gute Literatur bringt uns zum Nachdenken. Sie hilft uns, uns selbst und die Zeit, in der wir leben, besser zu verstehen. Genau das gelingt Ihnen auf ganz besondere Weise. Ich danke der Jury des Joseph-Breitbach-Preises dafür, dass sie einmal mehr eine überzeugende Entscheidung getroffen hat.“
Die Jury hob besonders Schmidts Blick für die kleinen Dinge des Alltags hervor. Er beobachte genau, was Menschen sagen, wie sie sich verhalten und wie sich ihre Lebenswelt verändert. Dabei gelinge es ihm, alltägliche Beobachtungen mit Humor zu erzählen und zugleich größere gesellschaftliche Entwicklungen sichtbar zu machen. Seine Texte führen von der ostdeutschen Kindheit und dem Leben in der Bundesrepublik über persönliche Erinnerungen und Alltagserfahrungen bis hin zu Digitalisierung und den Anforderungen einer zunehmend von Selbstoptimierung geprägten Gegenwart.
Jochen Schmidt wurde 1970 in Berlin geboren und studierte Romanistik. Aufenthalte in Brest, Valencia, Rom, New York und Moskau prägten seinen Weg ebenso wie seine frühe Arbeit auf der Lesebühne. Seit dem Jahr 2000 hat er zahlreiche Bücher veröffentlicht. Zu seinen Werken zählen unter anderem „Schmidt liest Proust“, „Dudenbrooks“, „Schneckenmühle“, „Zuckersand“, „Ein Auftrag für Otto Kwant“, „Phlox“ und „Zu Hause an den Bildschirmen“. 2025 erschien „Hoplopoiia“. Für seine Arbeit erhielt Schmidt bereits verschiedene Literaturpreise sowie Arbeits- und Werkstipendien, zuletzt den Stahl-Literaturpreis der Stahlstiftung Eisenhüttenstadt.
Der Joseph-Breitbach-Preis erinnert an seinen Namensgeber, der in Koblenz geboren wurde. Seit 2003 findet die Verleihung des gemeinsam von der Stiftung Joseph Breitbach und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz vergebenen Literaturpreises in Breitbachs Geburtsstadt statt.
Mit Jochen Schmidt reiht sich ein weiterer bedeutender deutschsprachiger Autor in die Liste der Joseph-Breitbach-Preisträger ein. Zu den bisherigen Ausgezeichneten gehören unter anderem Frank Witzel, Anne Weber, Nora Bossong, Arno Geiger, Navid Kermani, Jenny Erpenbeck und Ursula Krechel.
Nach der Übergabe der Urkunde und den Dankworten des Preisträgers klang der offizielle Teil des Abends mit einem musikalischen Beitrag aus. Beim anschließenden Empfang im Foyer des Theaterzelts kamen Jochen Schmidt, die Mitglieder der Jury sowie zahlreiche Gäste aus Politik, Kultur und Gesellschaft zum gemeinsamen Austausch zusammen.


