Sie sind hier: Stadtleben & Kultur > Stadtporträt > Berühmte Koblenzer

Carl Friedrich Mohr

Bild

Naturwissenschaftler / Apotheker
* 04.11.1806 (Koblenz)
+ 27.09.1879 (Bonn)

Zur Person:
Carl Friedrich Mohr wurde am 4. November 1806 als eines von sechs Geschwistern geboren. Er stammte aus einer Koblenzer Apothekerfamilie. Sein Vater, Carl Mohr, war der Besitzer der "Mohrenapotheke" am Jesuitenplatz in der Altstadt.

Als 17-Jähriger erlangte der Begabte bereits das Zeugnis der Abiturientenreife. Sodann entschloss Friedrich sich wegen seiner Vorliebe für die Naturwissenschaften zum Beruf des Apothekers. Von dieser Zeit an prägte ihn der Grundsatz: "Das Erkennen der Natur ist die erhabenste Aufgabe des menschlichen Geistes".

Carl Friedrich studierte zunächst in Bonn drei Semester Pharmazie. Insbesondere hörte er die Vorlesungen der Botanik (Nees von Esenbeck), Chemie (Bischof) und Mineralogie (Nöggenrath). Danach erlernte er unter der Anleitung seines Vaters die praktische Pharmazie (damals musste ein Apotheker noch weit mehr praktischer Chemiker sein als heutzutage). Nach dieser Lehrzeit arbeitete Friedrich Mohr in einigen Apotheken in Kreuznach und Heidelberg, wo er sich gleichzeitig als Student an der Universität immatrikulierte, und vor allem bei Professor Gmelin Vorlesungen der Chemie hörte.

Werken und Wirken:
Ab 1831 wechselte Friedrich Mohr zur Universität nach Berlin, um an Vorlesungen von Professor Rose (Chemie) teilzunehmen. Sein Studium schloss er in Bonn ab, und legte die pharmazeutische Prüfung in Koblenz ab. Bei seinem Doktorvater Gmelin in Heidelberg promovierte er schließlich mit der Note summa cum laude.

Mohr kehrte nach Koblenz zurück und hielt an der Universität geistreiche, weitbeachtete Vorlesungen in Chemie. Zudem hielt er vielbesuchte Vorträge, in welchen er chemische und physikalische Experimente vorführte. Ab 1835 kam er durch den "Coblenzer Gewerbe-Verein" mit der gewerblichen Praxis in Berührung. Als deren Vorsitzender betonte er die Wichtigkeit des Gewerbes und förderte diesen zum gemeinnützigen Wohle der Stadt Koblenz.

Weithin reichte der Bekanntheitsgrad über seine vielseitigen Tätigkeiten. So trat Liebig, Professor der Chemie an der Gießener Universität, nach dem Tode Professor Geigers in Heidelberg, an ihn heran. Mohr sollte die vakante Stelle des Mitredakteurs der Annalen neu besetzen. In der Ausgabe im Jahr 1837 veröffentlichte also Friedrich Mohr im Anschluss an den Jahresbericht eine Abhandlung über die Natur der Wärme. Entstandene Vorwürfe, die besagten, er habe hierin nicht eigene Ideen verwendet, versuchte Mohr durch die Veröffentlichung seiner frühen Werke, aus dem Weg zu räumen. Seine Erstlinge hatten unstreitig die mechanische Wärmelehre ausgesprochen.

Nach Geigers Tod übernahm Mohr zusätzlich die umfassende und mühsame Bearbeitung der "Pharmacopoea universalis". 1840 erbte er die väterliche "Mohren-Apotheke" und begann wiederum mit der praktischen Pharmazie. Bereits nach vier Jahren sehnte er sich nach der rein wissenschaftlichen Forschung zurück. Der Versuch an der Universität Bonn zu habilitieren misslang. Erst im Jahr 1847, inzwischen war Mohr Medizinalassessor beim Rheinischen Medizinalkollegium, wurde ihm die Professur an dem neu errichteten physiologischen Institut in Bonn angeboten. Aber Mohr lehnte ab und blieb in seiner Apotheke am Jesuitenplatz. Nach sechszehn Jahren praktischer Tätigkeit entwickelte er sich zu einem der gelehrtesten Apotheker Deutschlands. Seine "Pharmacopoea universalis" schloss er 1845 ab. Mit diesem klassischen Werk stand er als einer der größten Schriftsteller einzigartig in der Literatur der Pharmazie da.

Mohr brachte sein von vielen Apotheken lange als Standardwerk genutztes "Lehrbuch der pharmazeutischen Technik" heraus. 1847 veröffentlichte er seinen berühmten Kommentar zur preussischen Pharmakopöe" und eine Übersetzung für Apotheker, Ärzte und Medizinalbeamte. Dieses - wohl mit zu einem unvergänglichem Wert zählende - Werk, widmete er der damaligen Kaiserin und Königin Augusta. Innerhalb von zwanzig Jahren wurde es fünfmal neu aufgelegt und gehörte schon bald in jedes Apothekers Hand.

Mohr war zudem der eigentliche Begründer der sogenannten Tritiermethode. "Das Lehrbuch der chemisch-analytischen Tritiermethode" wurde 1896 in der 10. Auflage herausgegeben. Damit vermachte es Friedrich Mohr einen Ehrenplatz in der Geschichte großer Verdienste um die Chemie und Pharmazie.

Politisch war Mohr von 1842 bis zu seinem Wegzug nach Bonn ehrenamtlich im Stadtrat der Gemeindevertretung in Koblenz tätig. 1849 wurde er von seinen MitbürgerInnen als Abgeordneter nach Berlin gesandt.

In verschiedenen pharmazeutischen Gesellschaften wurde Mohr Ehrenmitglied. Neben vielen deutschen Städten zählten auch folgende weltweite dazu: Antwerpen, Brüssel, London, St. Petersburg, Wien, Philadelphia, Boston und Chicago.

1853 wurde Mohr vom damaligen Oberbürgermeister Bachem als Stadtverordneter für das fünfköpfige Kuratorium zur Gründung und Verwaltung der Königlichen Provinzial-Gewerbeschule - später Städtisches Realgymnasium, heutiges Eichendorff-Gymnasium - vorgeschlagen und von der "Königlichen Regierung zu Coblenz" in dieser Funktion bestätigt wurde. Mohr ist damit einer der Gründerväter des Eichendorff-Gymnasiums, was ein Denkmal vor dem Haupteingang der Schule wiederspiegelt.

1857 zog Friedrich Mohr auf seinen gewünschten Altersruhesitz, ein großes Landgut an der linken Moselseite bei Metternich gelegen. Dort beschäftigte er sich hauptsächlich mit den Problemen der Landwirtschaft und des Weinbaus. Eigene Erfahrungen schrieb er in zwei praktisch-wissenschaftlichen Abhandlungen über die Zucht des Weinstockes und die Bereitung des Weines nieder. Beide Schriften widmete er der Königin Augusta von Preussen.

Nachdem die chemisch-pharmazeutische Fabrik seines Schwiegersohnes und Apothekers Friedrich Nienhaus in Konkurs geriet, verlor Mohr einen größten Teil seines Vermögens. Alsdann zog der 59-Jährige nach Berlin und habilitierte dort. Sehr schnell wechselte er nach Bonn. Bereits seine Antrittsrede wurde mit Begeisterung von einer riesigen Zuhörerschaft angenommen. Neben seiner akademischen Lehrtätigkeit suchte er bis zuletzt sein Denken und Schaffen auf die Zusammenhänge der Natur auszurichten. Friedrich Mohr starb am 18. September 1879 in Bonn. (I.Alt)

In Koblenz:
Friedrich-Mohr-Straße (Lützel)

Koblenz interaktiv entdecken

Smartphone in Hand
Die Koblenz-App
Dein Begleiter in der Stadt
weiter

Forum Confluentes

Forum Confluentes
Kunst.Kultur.Bildung.
weiter

Veranstaltungskalender

MO DI MI D0 FR SA SO
      13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30
31 01 02 03 04 05 06
07 08 09 10 11 12 13

Romanticum

Steuerrad eines Schiffes
Romantisches Mittelrheintal in interaktiver Erlebnisausstellung
weiter

Zum Hören

SWR2 Stolpersteine - Link

Koblenzer Gartenkultur

Logo Koblenzer Gartenkultur
Zur Webseite
weiter

Häufig gesucht

Weiterführende Links