Mittelrhein-Museum

Leben in Koblenz

Kultur
Berühmte Koblenzer

Die Stadt Koblenz hat im Laufe ihrer über 2000-jährigen Geschichte viele herausragende Menschen gesehen und beherbergt.

Berühmt waren diese Persönlichkeiten, die Koblenz ihre Geburtsstadt nennen, nicht nur zu ihren Lebzeiten. Durch ihr besonderes Wirken sind viele noch heute über die Stadtgrenzen weltweit bekannt.

Im Koblenzer Stadtbild finden sich etliche ihrer Namen in Straßennamen, als Platzname, auf Gedenktafeln oder auf Denkmalaufschriften wieder.

  • Joseph Breitbach

    Journalist und Schriftsteller
    * 20.09.1903 (Koblenz)
    + 09.05.1980 (München)

    Joseph Breitbach, Sohn eines Ehrenbreitsteiner Volksschul-Direktors, besuchte ab 1913 das heutige Görres-Gymnasium, das er kurz vor dem Abitur verließ, um Buchhändler zu werden. Doch aus der Lehrstelle wurde nichts, stattdessen machte er von 1921 bis 1923 ein Volontariat bei der „Rheinischen Rundschau". Danach wurde er Leiter des Sportteils und Mitarbeiter des literarischen Teils dieser Tageszeitung. 1924 wechselte er in die Buch- und Musikalienabteilung des Kaufhauses Tietz. Gleichzeitig begann er seinen ersten Roman über die Besatzungszeit nach dem Ersten Weltkrieg.

    1925 kehrte Joseph Breitbach seiner Heimat endgültig den Rücken und arbeitete im Augsburger Kaufhaus Landauer, wurde aber nach Erscheinen der Warenhauserzählung „Rot gegen Rot" entlassen. Erst jetzt beschloss er, sich ganz der Schriftstellerei zu widmen. München, Prag und vor allem Paris wurden Stationen seines Wirkens. Er knüpfte Kontakte zu bekannten Schriftstellerkollegen wie Thomas Mann. Sein Werk „Die Wandlung der Susanne Dasseldorf" wurde vom NS-Regime verboten. Joseph Breitbach begann, Emigranten zu helfen. Er stellte ihnen seine Pariser Wohnung zur Verfügung und siedelte später ins unbesetzte Marseille über. Breitbach arbeitete mit der Widerstandsbewegung und dem französischen Geheimdienst zusammen. Nach Kriegsende veröffentlichte Joseph Breitbach Beiträge in der „Zeit" und im „Figaro". Als sein Hauptwerk gilt heute der Roman "Bericht über Bruno", der 1962 im Insel-Verlag erschien. Einige seiner Romane und Theaterstücke wurden verfilmt. Für seine Verdienste um die deutsch-französische Aussöhnung wurde er mit höchsten Auszeichnungen geehrt.

    Seit 1998 wird der vom Schriftsteller selbst gestiftete Joseph-Breitbach-Preis alljährlich an einen deutschsprachigen Autor verliehen. Der Joseph-Breitbach-Preis ist der höchstdotierte deutsche Literaturpreis.

  • Clemens Wenzeslaus Brentano

    Dichter und Schriftsteller
    *09.09.1778 (Ehrenbreitstein)
    + 28.07.1842 (Aschaffenburg)

    Brentano stammte aus einer Kaufmannsfamilie. Sein Taufpate war der Kurfürst Clemens Wenzeslaus. Großeltern waren Georg Michael Frank von Laroche, der Kanzler des Kurfürsten, und Sophie von Laroche, die als erste deutsche Frau einen Frauenroman „Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim“ schrieb und veröffentlichte. Nach Abschluss einer kaufmännischen Lehre besuchte er verschiedene Universitäten in Bonn, Halle, Jena und Göttingen und studierte dort Bergwissenschaft, Medizin und Philosophie.

    Brentanos literarisches Schaffen lässt sich in die Zeit der Romantik einordnen. In Deutschland ist dies der Zeitraum von 1798 bis 1835.
    Mit seinem Freund und Schwager Achim von Armin, der Ehemann seiner Schwester Bettina, gab er des „Knaben Wunderhorn“ heraus. Goethe sagte von dieser dreibändigen Sammlung von Volks- und Kinderliedern, dass es das schönste Buch der Romantik sei, und in jedem Haus zu finden sein müsse. Dort stehen bekannte Volkslieder wie „Guten Abend, gute Nacht“,
    „O Tannenbaum“, „Schlaf, Kindlein, schlaf“ und andere.

    Briefe und Gedichte zeugen von der leidenschaftlichen und frommen Liebe zwischen Brentano und der religiösen Schriftstellerin Louise Hensel, die Dichterin des Liedes „Müde bin ich, geh’ zur Ruh’“. Als sie in Koblenz lebte, half sie als „Schwester in Zivil“ im Bürgerhospital, kranken und betagten Menschen. In jener notleidenden Zeit war inzwischen aus beider Liebe eine tiefe Freundschaft gewachsen. Brentano beschrieb in seinem Buch „Die Barmherzigen Schwestern“ deren unermüdliche Nächstenhilfe.

    Bretanos Religionsauffassung wandelte sich rigoros, als er damals die Pfarrerstochter Hensel in Berlin kennenlernte. Schließlich konvertierte er zum Katholizismus. Zudem suchte er sich neue literarische Aufgaben. Sein erfolgreichstes Buch war wohl die Lebensgeschichte, der ehemaligen Augustiner-Nonne Katharina Emmerick. Hierin schrieb er die Visionen der Pflegebedürftigen auf.

  • Carl Clemens Bücker

    Flugzeugkonstrukteur / Flugzeugpionier
    * 11.02.1895 (Ehrenbreitstein)
    + 03.03.1976 (Mölln)

    Am 11. Februar 1895 wurde Carl Clemens Bücker in Ehrenbreitstein – heute ein Stadtteil von Koblenz – geboren. Er lebte mit Mutter und Vater, der Generalarzt in der Garnisonsstadt war, zunächst in Hofstraße Hausnummer 277. Seine Schulausbildung schloss Carl im Jahr 1912 am Kaiserin-Augusta-Gymnasium ab.

    Danach ging er als Seekadett zu der kaiserlichen Marine in Kiel und beendete dort seinen Militärdienst als Leutnant mit einem kurzen Dienst auf dem Schlachtschiff „Karl der Große“. 1914 begann er seine Ausbildung als Marineflieger. Im ersten Weltkrieg hatte C. C. Bücker etliche Einsätze auf Seefliegerstationen als Marineflieger an der Nordsee. 1918 endete für ihn der Krieg am Seeflugzeug-Versuchskommando Warnemünde. Er schied aus der Marine aus.

    1920 arbeitete Carl Bücker vorübergehend bei Heinkel, bevor er sich als Berater und Einflieger bei der schwedischen Marine betätigte. 1921: Bücker wurde schwedischer Staatsbürger; im September wurde die Firma Svenska Aero AB unter Bücker als Direktor gegründet. Zunächst wurden Heinkel-Flugzeuge in Lizenz gebaut. Es folgten eigene Konstruktionen: SA 10 „Piraten“, SA 12 „Skolfalken", SA 13 „Övningsfalken“ und SA 14 „Jaktfalken“.

    Ende 1932 verkaufte Bücker seinen Betrieb und verließ Schweden. In Deutschland gründete er sodann 1933 in Berlin-Johannistal die Bücker-Flugzeugbau GmbH, eine Produktionsstätte für Schul- und Sportflugzeuge. Bereits Anfang 1934 fand der Erstflug der Bü-131 „Jungmann“ statt und deren Serienbau begann. Ab 1935 wurde im neuen Werk in Rangsdorf bei Berlin die Bü-131 weiter in Serie hergestellt.

    Die zweisitzige Doppeldecker „Jungmann“ war ein internationaler Verkaushit. Bis Kriegsausbruch wurde sie in über zwanzig Länder exportiert. Wegen ihrer guten Flugeigenschaften und günstigen Betriebskosten war sie die erste Wahl als Basistrainer für die Luftwaffen in Deutschland, Schweden und Ägypten. Einige Länder – wie die Schweiz, Tschechoslowakei, Spanien und Japan - erwarben bei Bücker sogar die Lizenzrechte. Auch die einsitzige Bü-133 „Jungmeister“ wurde in Serie gebaut. Sie war das erfolgreichste Kunst- und Übungsflugzeug der folgenden Jahre.

    Außerdem wurden noch andere Typen konstruiert: die Bü-134 war ein doppelsitziger Hochdecker (1936) war nur ein Prototyp, der nicht in Serie ging; die Bü-180 „Student“ (1937) war ein Tiefdecker in Tandemanordnung, die zum Segelflugzeugschlepp geeignet war; und die Bü-182 „Kornett“ (1938) war ein einsitziger Kabinen-Tiefflieger. Diese waren jedoch alle bei weitem nicht so beliebt wie die „Jungmann“ und „Jungmeister“, die mit Begeisterung weltweit geflogen wurden. 1939 war die Bü-181 „Bestmann“, ein freitragender Kabinen-Tiefdecker, das letzte Bücker-Flugzeug. Bis April 1945 wurde sie gebaut und diente nach der Bü-131 als Schulungsflugzeug.

    In den Kriegsjahren (ab 1940) wurden im Bücker-Werk neben den Flugzeugen auch Rüstungsbauteile hergestellt. Von 1943 bis 1945 arbeiteten hier im Betrieb weit über 500 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion. Nach Kriegsende nahmen zuerst die sowjetischen Besatzer das Werk ein. 1946 stufte die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) es als Rüstungsbetrieb ein. Nach der Beschlagnahmung folgte die Enteignung.

    In der Bundesrepublik Deutschland hatte C.C. Bücker später die Auslandsvertretung der schwedischen Saab-Automobile. Nach seinem Tod (1976) wurde er auf seinen Wunsch hin in Koblenz beerdigt.

  • Valéry Giscard d'Estaing

    Französischer Staatspräsident
    von 1974 - 1981
    * 02.02.1926 (Koblenz)

    Valéry Giscard d'Estaing wurde am 2. Februar 1926 in Koblenz (Coblence) geboren. Sein Vater Edmond gehörte zur Europäischen Liga wirtschaftlicher Zusammenarbeit (LECE), die im Jahre 1946 gegründet wurde.
    Mit 18 Jahren verpflichtete Valéry Giscard sich in die erste Armee und nahm an Kampagnen von Frankreich und von Deutschland (1944-1945) teil. Er erhielt das Kriegskreuz (Croix der Guerre) und das Grand-Croix-Kreuz der Ehrenlegion. Den Besuch der polytechnischen Schule (Ecole Polytechnique) schloss d'Estaing mit dem Diplom ab. Nach weiteren Studien an der nationalen Verwaltungsschule (d' Administration Ecole Nationale) von 1949 bis 1951 verband er sein Wissen und Können in einer administrativen Laufbahn. Bis 1952 übte er zuerst einmal Dienste als Assistent und später als Inspektor (bis 1954) an der Inspektion der Finanzen aus.
    Im Dezember 1952 heiratete er Anne-Aymone Sauvage von Brantes. (4 Kinder: Valerie-Anne, Henri, Louis, Jactine) 1980 besuchte das Paar Giscard's Geburtsstadt und sein Geburtshaus, welches im Jahre 1985 abgerissen wurde.

    Valéry Giscard d'Estaing hat bis heute eine bewegte berufliche und politische Karriere.

    Giscard d'Estaing war gewähltes Parteimitglied von der Abteilung Puy-De-Dôme und wurde insgesamt viermal zur Nationalversammlung wiedergewählt (1956-1974). Von 1971 bis 1974 diente er als Bürgermeister von Chamalières (Puy-De-Dôme). Als General Council des Puy-Des-Dôme (Kanton von Rochefort-Berg) diente er 1958 bis 1974. Im März 1982 wurde er wiedergewählt.

    Von 1959 bis 1962 war Giscard Staatssekretär der Finanzen. Ab 1962 war er vier Jahre lang Minister für Finanzen und ökonomische Angelegenheiten in den Debre- und Pompidou-Regierungen unter dem Präsidenten Charles de Gaulle (1963 unterzeichneten der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer im Pariser Élysée-Palast den Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit.) Er diente als Minister der Wirtschaft und der Finanzierung in den Chaban-Delmas und Messmer-Regierungen unter dem Präsidenten Georges Pompidou, dem Nachfolger de Gaulles.
    Nach Pompidous Tod wurde d'Estaing mit knapper Mehrheit der Staatspräsident von Frankreich (1974-1981). Bei den Präsidentenwahlen im Jahr 1981 unterlag d'Estaing knapp seinem Gegenkandidaten Mitterrand.

    Giscard d'Estaing wurde 1966 Präsident seines neu gegründeten Verbandes der unabhängigen Republikaner (FNRI). Drei Jahre später gehörte der dem Aktionsausschuß für die Vereinigten Staaten von Europa an. Ausschlaggebend war der Aufruf Jean Monnet, in dem es um Unterstützung für die Kandidatur Großbritanniens für die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) ging.

    Im Jahre 1970 übte d'Estaing den Vorsitz des Rates der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) aus. Er schlug dem Ministerrat der EWG den Plan von einer Wirtschafts- und Währungsunion vor. Den Plan Werner, der zum Gegenstand hatte, eine Währungsunion bis zum Ende des 2. Jahrzehntes einzuführen, unterstützt er weiterhin im Jahre 1972.
    Seit Valéry Gisscard d'Estaing zum Präsidenten der französischen Republik gewählt war, verfolgte er mit der Unterstützung von Helmut Schmidt (Kanzler der Bundesrepublik ab 1974) die Belebung der europäischen Konstruktion. Beide verliehen der französisch-deutschen Partnerschaft einen gewissen neuen Elan. Gemeinsam stärkten sie die währungspolitische Zusammenarbeit, indem sie die Schaffung des Europäischen Währungssystem (EWS) vorantrieben.
    Während seiner Amtszeit als Staatspräsident spielte er auch in vielen anderen internationalen Initiativen eine Rolle. Wichtige waren beispielsweise der Europäische Rat, das Europäische Parlament, der Weltgipfel, der Nord-Süd-Dialog (Erste Nord-Süd-Konferenz fand 1975 in Paris statt.) und einige Institute der Abrüstung.

    Seit 1997 Präsident des Rates der Gemeinden und Regionen von Europa (RGRE), seit 2001 Präsident des europäischen Übereinkommens, seit 2002 Präsident des internationalen Beratenden Ausschusses der Notierungsagentur Fitch, und in anderen EU-fördernden Funktionen tätig.
    2002 legte Valery Giscard d'Estaing, als EU-Konventionspräsident - 2001 vom Europäischen Rat dazu ernannt -, den ersten Entwurf für eine EU-Verfassung vor. Der Text umreißt Aufgaben und Ziele der Europäischen Union nach der geplanten Osterweiterung. Anhand dieses "Gerüstes für einen Verfassungsvertrag" betonte Giscard d'Estaing, solle der Konvent bis Mitte 2003 einen definitiven Text erarbeiten, der vor einer EU-Regierungskonferenz verabschiedet werde. Zeitig vor Aufnahme der zehn neuen Länder in die EU solle dieser ratifiziert werden.
    Giscard d'Estaing hat viele Auszeichnungen und Preise erhalten. Am 29. Mai 2003 wurde ihm der Internationale Karlspreis zu Aachen verliehen. Giscard d'Estaing wurde so als großer Staatsmann und Europäer geehrt, der sich über viele Jahrzehnte um das Vereinte Europa verdient gemacht hat. Insbesondere galt dies auch, da er der EU durch die Ausarbeitung einer EU-Verfassung mehr Gestalt gegeben habe.

    Am 22. Oktober 2006 wurde Valéry Giscard d´Estaing die Ehrenbürgerschaft seiner Geburtsstadt Koblenz verliehen.

  • Friedrich von Gärtner

    Architekt / Baumeister
    * 10.12.1791 (Koblenz)
    + 21.04.1847 (München)

    Friedrich Gärtner wurde am 10. Dezember 1791 in der Rhein-Mosel-Stadt geboren und in der Liebfrauenkirche getauft. Seine Kindheit verbrachte er in der Burgstraße 4. Vater Johann Andreas Gärtner arbeitete zunächst erfolgreich als Architekt in Wien und Paris. Schließlich wurde er von Kurfürst Clemens Wenzeslaus nach Koblenz berufen und zum Hofmeister und Ingenieurs-Hauptmann ernannt. Gärtner wirkte unter anderem mit am Neubau des Koblenzer Schlosses und an der Erneuerung des mittelalterlichen Rheinkrans. 1797 als der Kurfürst vor den französischen Truppen fliehen musste, verlor er somit seinen Auftraggeber. 1804 zogen die Gärtners daher zunächst nach Würzburg, die Heimatstadt von Mutter Barbara. Dort besuchte Friedrich die Schule bis die Familie nach München umzog und Vater Gärtner für den Staat Bayern als Hofbau-Intendant arbeitete.

    Friedrich Gärtner schlug den beruflichen Weg des Architekten ein. Ab 1809 besuchte er die Akademie der Künste in München. Studienaufenthalte führten ihn einige Jahre nach Italien (Rom, Neapel, Sizilien), etwa zwei Jahre nach Frankreich (ab 1812 in Paris) und für circa 6 Monate nach England (London). In jener Zeit verstarb Carl von Fischer, der Professor für Baukunst an der Münchner Akademie.

    Kronprinz Ludwig von Bayern – er war etwa fünf Jahre älter als Friedrich – holte den begabten Gärtner nach München zurück. Von König Max Joseph wurde er sodann zum Professor für Baukunst ernannt. Zu seinen Studenten zählten auch hervorragende Architekten wie Gottfried Semper (1825). Ab 1922 leitete Gärtner außerdem im Auftrag des Königs die Nymphenburger Porzellanmanufaktur und die Anstalt für Glasmalerei. Jedoch der Architekt Gärtner wollte bauen.

    Als Ludwig bereits zwei Jahre König war, kam es zu einer entscheidenden Begegnung. Der König war von Friedrichs Persönlichkeit so beeindruckt, sodass er ihm seinen ersten Auftrag, den Bau der Münchner Staatsbibliothek erteilte. Allerdings wusste Klenze, der zuvor als einziger Architekt Ludwigs tätig war, geschickt den Baubeginn hinaus zuschieben. Fünf Jahre lang behinderte er Gärtner, dem dann endlich die Fertigstellung gelang.

    Zwischen zeitlich, im Jahr 1829, errichtete Gärtner die schöne Ludwigskirche und startete mit dem Bau des Blindeninstituts. Sein Ruhm war nicht mehr aufzuhalten. Er wurde zum Oberbaurat und Generalinspektor der architektonischen und plastischen Kunstdenkmäler Bayerns ernannt. Die herrlichen Dome von Bamberg, Regensburg und Speyer wurden von dem Architekten restauriert. Auch hatte Gärtner besondere Vorteile, da er König Ludwig auf Reisen nach Italien und Sizilien begleitete. In Athen erhielt er dadurch den Auftrag für den Bau einer Residenz für Ludwigs Sohn Otto, der seit 1832 König von Griechenland war. In den Jahren 1840 bis 1845 setzte er seine vorgelegten Pläne gekonnt um.

    Friedrich von Gärtner – inzwischen geadelt – prägte mit vielen seiner prächtigen Bauten das Stadtbild Münchens. 1841 bis 1844 errichtete er die Feldherrnhalle. Diese offene Halle entstand nach dem Vorbild der Loggia die Lanzi in Florenz. Ab 1842 war Gärtner an der Akademie der Künste Direktor. 1843 bis 1850 erbaute er das Siegestor. Vorbild war ihm der Konstantinsbogen in Rom. Zudem baute er unter anderem so großartige öffentliche Bauten wie das Gregoranium.

    Desweiteren erbaute er in den Städten Bad Kissingen die evangelische Kirche, in Brückenau das Kurhaus, in Zwickau das Rathaus und in Aschaffenburg das pompejanische Haus. Als Hofarchitekt begann er 1846 den Bau der Sommerresidenz, Schloss „Villa Ludwigs“ im rheinland-pfälzischen Edenkoben. Diese erstklassige Arbeit konnte er nicht vollenden. Das spätklassizistische Werk brachte Leo von Kienze 1847 zu Ende. Am 21. April 1847 erlag Friedrich von Gärtner einem Schlaganfall, der ihn einige Tage zuvor getroffen hatte.

  • Joseph Görres

    Politischer Journalist / Publizist
    * 25.01.1776 (Koblenz)
    + 29.01.1848 (München)

    Joseph Görres lebte im Haus der Schlossstrasse 7, worin auch der regionalbekannte Johann Claudius von Lassaulx wohnte. Mit dessen Onkel Adam Eugen Lassaulx, der von der französischen Verwaltung die Genehmigung seiner Druckerei besaß, verband ihn nicht nur seine liberale politische und journalistische Arbeit, sondern auch verwandtschaftliche Bande. Mit 22 Jahren brachte Görres schon seine erste Ausgabe der Zeitschrift „Das Rothe Blatt“ heraus. Ende des Jahres 1801 heiratete er die Lassaulx-Tochter Katharina.

    Joseph Görres und seine politischen Freunde waren anfangs von der Französischen Revolution so sehr begeistert, dass sie sich für den Aufbau einer linksrheinischen Republik nach deren Grundsätzen - „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ - einsetzten. Neben diesen Zielen mischte der Journalist Görres seine Skepsis gegenüber dem „arroganten“ Verhalten der Franzosen am Rhein mit kämpferischen und teils ironisch satirischen Worten in seinen lokalpolitischen Glossen im „Rothen Blatt“. Wegen seiner offenen Kritik gegenüber der französischen Verwaltung in Koblenz und im Rheinland, musste er aufgrund des Gerichtsbeschlusses des Pariser Justizministeriums das Erscheinen seines Blattes einstellen. Nach seinem enttäuschenden Paris-Aufenthalt war ihm klar, dass sein Ziel unerreichbar war, und er kehrte der gesamten Französischen Revolution den Rücken.

    Von dieser Zeit an widmete Görres sich seiner Lehrtätigkeit und der deutschen Literatur. Im Jahre 1814 gründete er den „Rheinischen Merkur“ (Rheinquecksilber). Hierin veröffentlichte er wieder politische Kritiken. Er schrieb die Zeitung fast völlig selbst. Schon bald wurde der „Rheinische Merkur“ zu einem enorm wichtigen Blatt.

    Joseph Görres setzte sich auch für einen deutschen, freiheitlich verfassten Nationalstaat unter österreichischer Führung ein. Wegen dieser Angriffe auf die preußische Regierung wurde sein Blatt unterdruckt. Gleichzeitig wurde er seiner Stelle als Studiendirektor für den Bezirk Koblenz enthoben. Görres war davon allerdings nicht einzuschüchtern. Er brachte eine Schrift „Deutschland und die Revolution“ heraus. Wegen dieser Unterstützung der revolutionären Bewegungen, ordnete König Friedrich seine Verhaftung an. Görres floh aus Koblenz.

    Zuletzt lebte Joseph Görres in München. Dort war er an der Universität als Professor der allgemeinen und literarischen Geschichte tätig.

  • Max Jacoby

    Fotograf
    * 08.06.1919 (Koblenz)
    + 15.03.2009 (Berlin)

    Max Jacoby wurde am 8. Juni 1919 in Koblenz geboren. Seine Eltern Johannes und Mela Jacoby stammten aus jüdischen Familien. Der Vater war Kaufmann in der Rhein-Mosel-Stadt. Seine Schulzeit verbrachte Max in Koblenz und später in Berlin. 1937 ging der damals 18jährige mit seiner Familie nach Südamerika ins Exil. Bereits als Siebenjähriger entdeckte und erforschte Max die Welt mit seinem ersten eigenen Fotoapparat. In Buenos Aires machte er dann seine fotografische hochwertige Ausbildung unter anderem bei Georg Friedman.

    Max Jacoby arbeitete ab 1941 als selbständiger Fotograf für Zeitschriften und Werbeagenturen in Südamerika und New York. 1951 gründete er mit anderen Fotografen die Vereinigung "Group of Ten". Mit ihrem gestalterischen Anspruch erhöhten sie das künstlerische Niveau der südamerikanischen Fotografie. Als 38jähriger Emigrant kehrte er schließlich an den Ort, wo sein Flucht begann, zurück. Seitdem lebt Jacoby wieder in Berlin. Weiterhin bewegt er sich beständig in den großstädtischen Welten der Metropolen Jerusalem und New York. Bis in die 68er war er für amerikanische und deutsche Buchverlage, die ihren Sitz in Berlin hatten, tätig. Es entstanden Fotobände wie "Berlin Impressionen". Über Jahrzehnte hielt Jacoby mit seiner ständigen treuen Begleiterin - seiner Kamera - die gespannte Situation der geteilten Stadt fest. Gleichzeitig schwang wohl stets sein gebrochenes Verhältnis zu Deutschland mit. Ausdrucksstarke situative Mauerbilder, experimentelle lichte Nachtaufnahmen und bestechend anmutende Porträts von Musikern auf Jazzkonzerten finden sich im "West-Berlin-Zyklus". Darunter sind insbesondere Legenden wie Dave Brubeck, Miles Davis und Ella Fitzgerald. Zudem lichtete Jacoby die ersten Gestalten der deutschsprachigen schriftstellerischen Intellektuellen ab: Ingeborg Bachmann, Heinrich Böll, Günter Grass und andere. Der Bildjournalist visualisierte gekonnt mit seinen fotografischen Zeugnissen ein Stück Leben jener Jahre. In seinen Momentaufnahmen drückt er deutlich das vorherrschende Lebensgefühl aus. Eine vom Aufbruch und Individualismus geprägte Ära spiegelt sich dokumentarisch auf den Lichtbildern ab. Dazu gehören gerade die Aufnahmen zeitgeschichtlicher politischer Erreignisse wie der Besuch Kennedys in Berlin oder ein Empfang der englischen Königin. Jacoby schaffte in wunderbarer Weise strukturale Konstellationen von zeitlos anmutenden Städteansichten. Beständig zieht sich die Porträtfotografie wie ein roter Faden durch seine künstlerische Arbeit. So fotografierte er auch in den 70ern viele bekannte Gesichter aus verschiedensten künstlerischen Bereichen. Einfühlsam hat er die berührenden Szenen der Künstler auf Film gebannt. Beim Blick auf den amerikanischen Komponisten Elliot Carter scheint der Betrachter geradezu dessen Musik zu vernehmen. Auch ohne Worte wird der französische Pantomime Marcel Marceau direkt verstanden. Stets ist er in seinen Einzelbildern und Serien der Natur des Menschen auf der Spur.

    Ab 1976 arbeitete Max gemeinsam mit seiner Frau Hilla, eine Autorin. Es entstanden schöne Buchpublikationen: "Shalom - Impressionen aus dem Heiligen Land" und "Schweden".

    Der Fotograf Max Jacoby veranstaltete viele Einzelausstellungen in Buenes Aires und den europäischen Städten London, Mailand und Wien. Auf etlichen internationalen Weltausstellungen unter anderen 1968 "Unterwegs zum Paradies" und "Die Kinder der Welt" war er mit seinen Bildern vertreten. Mit Goldmedaillen des Art Directors Club in Buenos Aires (1955) und des Grand Prix Asahi world contest erhielt er anerkennende Auszeichnungen. 1976 zeichneten die Juroren der Weltmesse der Photographie in Köln einen Teil seines künstlerischen Schaffens - seine Berlin-Portraits - mit dem Obelisk der "Photokina" aus.

  • Max von Laue

    Physiker und Nobelpreisträger
    * 09.10.1879 (Pfaffendorf)
    + 24.04.1960 (Berlin)

    Max von Laue kam in der Emser Straße in Pfaffendorf zur Welt.
    Sein Vater war ein hoher Zivilbeamter der kaiserlichen Militärverwaltung, der häufig versetzt wurde. Als Laue zwei Jahre alt war, zog die Familie aus Koblenz fort. So besuchte Laue Gymnasien in Posen, Berlin und zuletzt in Straßburg, wo er sein Abitur machte. Wie wichtig diese gesamte Straßburger Zeit für seinen physikalischen Werdegang war, beschrieb er in einer späteren Selbstdarstellung. Daneben prägten Laue besonders die Familientraditionen, die ihn sein ganzes Leben begleiteten – insbesondere in schwierigen und politischen Situationen.
    Das waren so preußisch protestantische Tugenden wie Strenge gegen sich selbst, aufrichtiges und lauteres Denken, sowie Bescheidenheit. Seit sein Vater für seine Verdienste in den erblichen Adelsstand erhoben wurde, trug auch Laue diesen Titel.

    Max von Laues beruflicher Werdegang verlief geradlinig zu seinem Erfolg. Zunächst studierte er in Straßburg, Göttingen und München die Fächer Physik, Mathematik und Chemie. An der Universität Göttingen, erkannte er seine Bestimmung: Theoretische Physik. In Berlin promovierte er mit 24 Jahren "magna cum laude" mit einer Arbeit über die Theorie der Interferenzerscheinungen an planparallelen Platten bei Max Planck.

    Nach viersemestrigen Studien in Göttingen, nahm Laue Plancks angebotene Stelle als Assistent am Institut für theoretische Physik an. Es folgten drei für seinen weiteren Lebensweg entscheidende Jahre. Laue gelang der erfolgreiche Nachweis für die Wellenstruktur der Röntgenstrahlen – die von Conrad Wilhelm Röntgen entdeckten Strahlen – und für die Raumgitterstruktur der Kristalle. Und schon im Jahre 1912 wurde er zum Professor für Physik an die Universität von Zürich berufen.Nach zwei Jahren wechselte Laue an die neugegründete Goethe-Universität in Frankfurt / am Main.

    1914 wurde Max von Laue wegen der von ihm begründeteten Röntgen-Strukturanalyse in Kristallen und anderer Arbeiten über den Aufbau der Atome der Nobelpreis für Physik verliehen. Ab 1919 war er stellvertretender Direktor des heutigen Max-Planck-Instituts in Berlin-Dahlem. Der damalige Direktor war Albert Einstein. Dessen „jüdische Physik“ verteidigte Laue gegenüber dem NS-Regime, und nahm somit Konflikte in Kauf.

    Laue geriet nach Kriegsende in britische Gefangenschaft. In Cambridge interniert, schrieb er eine Geschichte der Physik.
    1945 kehrte er wieder nach Deutschland zurück. Fortan wirkte er an Universitäten in Göttingen und in Braunschweig. Bis zu seinem Tode leitete er das heutige Fritz-Haber Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin. 1952 verlieh Theodor Heuss ihm die Friedensklasse des Ordens Pour le Mérite. In West-Berlin verstarb Laue an den Folgen eines Autounfalls.

  • Peter Ludwig

    Kunsthistoriker / Kunstsammler / Kunstmäzen / Stifter des Ludwig-Museums
    * 09.07.1925 (Koblenz)
    + 22.07.1996 (Aachen)

    Peter Ludwig wurde am 9. Juli 1925 als zweiter Sohn des Dr. jur. Fritz Ludwig und seiner Frau Helene (geb. Klöckner) in Koblenz geboren. Auf tragische Weise kam seine Mutter in den letzten Kriegsjahren bei einem Bombenangriff auf die Stadt Koblenz um. Zu Kriegsbeginn war Ludwig erst vierzehn Jahre alt. Am 19. Juli 1944 erfuhr er also – als Soldat der Nachrichtengruppe in der Bölcke-Kaserne (Koblenz-Moselweiß) – dass eine Bombe sein Elternhaus getroffen hatte. Allein sein Vater hatte diesen Angriff überlebt. In den schweren Nachkriegsjahren (1945-1949) machte sich Fritz Ludwig durch Wiederaufbauarbeit bei der Industrie- und Handelskammer Koblenz verdient.

    Peter Ludwig besuchte das humanistische Kaiserin-Augusta-Gymnasium, wo er 1943 sein Kriegsabitur absolvierte. Seine Jugend war geprägt von den K's: K wie Krieg, aber auch wie Kirche und Kunst. Viele Kirchengänge führten ihn zur Castorkirche (Nähe Deutschherrenhaus), welche schon für den Glauben des Mittelalters im Abendland stand. Seine Eltern waren ihm mit ihren historischen und kunstgeschichtlichen Interessen und Wissen Leitbilder. Das Elternhaus war mit Kunstgegenständen und einer guten Bibliothek eingerichtet. Zudem besuchte er bereits damals mit seiner Mutter die Kunstmetropole Köln. 1946 war der 21-jährige Besucher einer Haubrich-Ausstellung (Köln) so sehr von Kunst und dem Sammler beeindruckt, dass ihn dies in seinem Entschluss selbst Sammler zu werden, bestärkte.

    Nachdem Ludwig einige Semester Jura in Bonn studiert hatte, wechselte er zum Studium der Kunstgeschichte, Archäologie, Vor- und Frühgeschichte und Philosophie in Mainz. Dort promovierte er 1950 mit „Das Menschenbild Picassos als Ausdruck eines generationsmäßig bedingten Lebensgefühls.“ 1951 heiratete er Irene Monheim, die er während seines Studiums kennen gelernt hatte.

    Beide teilten ihre Leidenschaft zur Kunst und begannen bereits in ihrer Studienzeit das Sammeln von Kunstgütern wie Porzellan, Fließen und frühere Ausgaben deutscher Literatur. Mit den Jahren wuchs ihre Sammlung und sogleich die vielseitigen Bereiche. Anfangs begannen sie mit der antiken Kunst aus dem Mittelmeergebiet, christlicher Kunst des europäischen Mittelalters und bewußt außereuropäische Kunstwerke aus präkolumbischen Kulturen Amerikas.

    Ab 1957 stieg Ludwig in die Zusammenarbeit mit Museen in Köln (Schnütgen) und Aachen (Suermondt) ein. Gleichzeitig war er von 1957 an bis 1994 Vorsitzender des Museumsvereins Aachen und Herausgeber der Aachener Kunstblätter. 1969 war er im Kuratorium des Wallraf-Richartz-Museums in Köln. Dessen Freundesvereins trat er 1976 als Vorstandsmitglied bei. In diesem Jahr schenkten Peter und Irene Ludwig der Stadt Köln etwa 300 Werke moderner Kunst (russische Avantgarde von 1905 - 1935 und PopArt) und das erste Ludwig-Museum wurde gegründet. 1977 folgte die Gründung des Suermondt-Ludwig Museums in Aachen. In weiteren Städten Deutschlands entstanden weitere Institutionen: Ludwig-Institut für Kunst in Oberhausen (1983), Haus Ludwig für Kunst in Saarlouis (1989) und das Ludwigforum für internationale Kunst in Aachen (1991). Auch mit der Eröffnung des Ludwig Museum im Deutschherrenhaus in Koblenz (1992) haben die Ludwigs ganz gezielt die Kulturpolitik der Stadt gefördert. Lange davor hatte Ludwig seine Vision des Koblenzer Ludwig-Museums in seiner Rede als Träger des Kulturpreises der Stadt Koblenz (1983) bekannt gemacht.

    Insgesamt sind in fünf Ländern die unvorstellbar wertvollen Sammlungen auf 19 Museen verteilt. Somit gab Ludwig die Kunst dorthin, wo sie fehlte, um "Lücken zu füllen". Eine wichtige Aufgabe der Museen in unserer Zeit sah Peter Ludwig auch darin, dass sie einzigartige kulturelle Bildungsstätten nicht nur für die KünstlerINNEN selbst, sondern auch Erlebnisstätten für breiteste Kreise sein sollten.

    Am 22. Juli 1996 verstarb Peter Ludwig plötzlich und unerwartet. Seine Frau errichtete die "Peter und Irene Ludwig Stiftung"(Sitz in Aachen), die aus der ehemals "Ludwig Stiftung für Kunst und internationale Verständigung GmbH" hervor gegangen war.

  • Clemens Lothar Wenzeslaus von Metternich

    Staatskanzler in Wien
    * 15.05.1773 (Koblenz)
    + 11.06.1859 (Wien)

    1768 in Wien: Seit dem Tode ihres Mannes regierte Kaiserin Maria Theresia (48) zusammen mit ihrem Sohn Joseph II. das Habsburgische Gebiet. Franz Georg, der Vater von Clemens Lothar, war dort als Diplomat – gesandt von dem in Koblenz residierenden Kurfürsten und Erzbischof Clemens Wenzeslaus. Im Jahre 1771 heiratete Franz Georg die 15-jährige Beatrix von Kagenegg aus dem Breisgau. Das Ehepaar zog nach Koblenz, wo Metternich als Staatsrat und Konferenz-Minister für Auswärtige Angelegenheiten tätig wurde (1746 – 1818).

    Im Mai 1773 im Metternicher Hof am Münzplatz kam Clemens als zweites Kind zur Welt. Kurfürst Clemens Wenzeslaus von Sachsen war sein Pate. Neben Religion und Aufklärung wurde er von Privatlehrern auch in der französischen Sprache unterrichtet. Metternich studierte an Universitäten von Straßburg (1788-90) und von Mainz Philosophie, Recht und Politik (Diplomatie).

    1794 flohen die Metternichs vor den französischen Truppen aus dem Rheinland (Französische Revolution). Im Jahre 1795 heiratete Clemens Lothar seine erste Frau, Eleonore Gräfin Kaunitz, die Enkelin des österreichischen Staatskanzlers Wenzel Anton Fürst von Kaunnitz-Rietberg. Somit verschaffte er sich Eintritt in die hochadeligen Kreise.

    Wie sein Vater vertrat er die Interessen des Kaiserreichs Österreich im diplomatischen Dienst. Er war in Dresden (1801), in Berlin (1803-1805) und in Paris (1806-1809) als österreichischer Gesandter. Ab 1809 war Metternich Minister für Außenpolitik und wurde schon ein Jahr später zum Staatskanzler ernannt. Metternich plante die eheliche Verbindung zwischen Kaiser Napoleon I. von Frankreich und Erzherzogin Marie Louise, der ältesten Tochter des Kaisers Franz I. von Österreich.

    In den Anfängen der Napoleonischen Kriege ( 1812-1815) zogen auf der Seite Napoleons fast die gesamten deutschen Staaten (Der Rheinbund); bisher war nur Preußen abgefallen. Nun hatte also Österreich den Schlüssel zur Lage Europas in den Händen. Preußen und Russland konnten Napoleon kaum nieder zwingen. Der Staatskanzler schloss einen Geheimvertrag mit den Verbündeten, worin das Habsburgerreich sich zu einem Kriegsantritt gegen Frankreich verpflichtete, falls Napoleon nicht auf Metternichs gestellte Forderungen eingehen sollte.

    Auch bei dem Treffen (1813) in Dresden führte Metternich Napoleon weiterhin in die Irre, als er behauptete, Österreich sei frei von Verpflichtungen und stelle ihm keine Männer zur Unterstützung. Zudem sei Kaiser Franz, der österreichische Schwiegervater Napoleons, in erster Linie Souverän und nicht Vater. Diese und weitere geplante Verhandlungen in Prag scheiterten. Österreich zog auf der Seite der Alliierten in den Krieg.

    Metternich erreichte die Höhe seines Wirkens auf dem Wiener Kongress (1814-1815). Hier nutzte er gekonnt seine diplomatischen und repräsentativen Talente für die Neuordnung Europas. So dass zum Schluss das Gleichgewicht der fünf Großmächte wieder hergestellt war. (Heilige Allianz) Erfolgreich leitete er eine dauerhafte Friedensordnung ein. In den folgenden Kongressen setzte er sich für die Erhaltung dieses Zustandes ein: Aachen (1818), Karlsbad (1819), Troppau (1820), Laibach (1821) und Verona (1822).

    1821 wurde Metternich zum „Haus-, Hof- und Staatskanzler“. Diesen Titel trug zuletzt Kaunitz im Jahre 1792. Drei Jahrzehnte lang prägte er die Politik in Österreich und in Europa. 1833 vereinigten sich Österreich, Preußen und Russland (Bündnis der drei schwarzen Adler). In der Wirtschaft verlor Österreich schließlich seine Führung, da es keinem Zollverein angehörte. Innenpolitisch verlor der konservative Metternich gegenüber seinem liberalen Gegner Kolowrat völlig an Macht. Ab 1836 blieb er in der Staatskonferenz auf die Außenpolitik beschränkt (Vormärz). Durch die Wiener Märzrevolution (1848) wurde der Staatskanzler gestürzt und floh nach England. Von 1849 an lebte er als Privatmann in Brüssel. Seine letzten Lebensjahre (1851-1859) verbrachte er in seinem Palais in Wien.

  • Carl Friedrich Mohr

    Naturwissenschaftler / Apotheker
    * 04.11.1806 (Koblenz)
    + 27.09.1879 (Bonn)

    Carl Friedrich Mohr wurde am 4. November 1806 als eines von sechs Geschwistern geboren. Er stammte aus einer Koblenzer Apothekerfamilie. Sein Vater, Carl Mohr, war der Besitzer der "Mohrenapotheke" am Jesuitenplatz in der Altstadt.

    Als 17-Jähriger erlangte der Begabte bereits das Zeugnis der Abiturientenreife. Sodann entschloss Friedrich sich wegen seiner Vorliebe für die Naturwissenschaften zum Beruf des Apothekers. Von dieser Zeit an prägte ihn der Grundsatz: "Das Erkennen der Natur ist die erhabenste Aufgabe des menschlichen Geistes".

    Carl Friedrich studierte zunächst in Bonn drei Semester Pharmazie. Insbesondere hörte er die Vorlesungen der Botanik (Nees von Esenbeck), Chemie (Bischof) und Mineralogie (Nöggenrath). Danach erlernte er unter der Anleitung seines Vaters die praktische Pharmazie (damals musste ein Apotheker noch weit mehr praktischer Chemiker sein als heutzutage). Nach dieser Lehrzeit arbeitete Friedrich Mohr in einigen Apotheken in Kreuznach und Heidelberg, wo er sich gleichzeitig als Student an der Universität immatrikulierte, und vor allem bei Professor Gmelin Vorlesungen der Chemie hörte.

    Ab 1831 wechselte Friedrich Mohr zur Universität nach Berlin, um an Vorlesungen von Professor Rose (Chemie) teilzunehmen. Sein Studium schloss er in Bonn ab, und legte die pharmazeutische Prüfung in Koblenz ab. Bei seinem Doktorvater Gmelin in Heidelberg promovierte er schließlich mit der Note summa cum laude.

    Mohr kehrte nach Koblenz zurück und hielt an der Universität geistreiche, weitbeachtete Vorlesungen in Chemie. Zudem hielt er vielbesuchte Vorträge, in welchen er chemische und physikalische Experimente vorführte. Ab 1835 kam er durch den "Coblenzer Gewerbe-Verein" mit der gewerblichen Praxis in Berührung. Als deren Vorsitzender betonte er die Wichtigkeit des Gewerbes und förderte diesen zum gemeinnützigen Wohle der Stadt Koblenz.

    Weithin reichte der Bekanntheitsgrad über seine vielseitigen Tätigkeiten. So trat Liebig, Professor der Chemie an der Gießener Universität, nach dem Tode Professor Geigers in Heidelberg, an ihn heran. Mohr sollte die vakante Stelle des Mitredakteurs der Annalen neu besetzen. In der Ausgabe im Jahr 1837 veröffentlichte also Friedrich Mohr im Anschluss an den Jahresbericht eine Abhandlung über die Natur der Wärme. Entstandene Vorwürfe, die besagten, er habe hierin nicht eigene Ideen verwendet, versuchte Mohr durch die Veröffentlichung seiner frühen Werke, aus dem Weg zu räumen. Seine Erstlinge hatten unstreitig die mechanische Wärmelehre ausgesprochen.

    Nach Geigers Tod übernahm Mohr zusätzlich die umfassende und mühsame Bearbeitung der "Pharmacopoea universalis". 1840 erbte er die väterliche "Mohren-Apotheke" und begann wiederum mit der praktischen Pharmazie. Bereits nach vier Jahren sehnte er sich nach der rein wissenschaftlichen Forschung zurück. Der Versuch an der Universität Bonn zu habilitieren misslang. Erst im Jahr 1847, inzwischen war Mohr Medizinalassessor beim Rheinischen Medizinalkollegium, wurde ihm die Professur an dem neu errichteten physiologischen Institut in Bonn angeboten. Aber Mohr lehnte ab und blieb in seiner Apotheke am Jesuitenplatz. Nach sechszehn Jahren praktischer Tätigkeit entwickelte er sich zu einem der gelehrtesten Apotheker Deutschlands. Seine "Pharmacopoea universalis" schloss er 1845 ab. Mit diesem klassischen Werk stand er als einer der größten Schriftsteller einzigartig in der Literatur der Pharmazie da.

    Mohr brachte sein von vielen Apotheken lange als Standardwerk genutztes "Lehrbuch der pharmazeutischen Technik" heraus. 1847 veröffentlichte er seinen berühmten Kommentar zur preussischen Pharmakopöe" und eine Übersetzung für Apotheker, Ärzte und Medizinalbeamte. Dieses - wohl mit zu einem unvergänglichem Wert zählende - Werk, widmete er der damaligen Kaiserin und Königin Augusta. Innerhalb von zwanzig Jahren wurde es fünfmal neu aufgelegt und gehörte schon bald in jedes Apothekers Hand.

    Mohr war zudem der eigentliche Begründer der sogenannten Tritiermethode. "Das Lehrbuch der chemisch-analytischen Tritiermethode" wurde 1896 in der 10. Auflage herausgegeben. Damit vermachte es Friedrich Mohr einen Ehrenplatz in der Geschichte großer Verdienste um die Chemie und Pharmazie.

    Politisch war Mohr von 1842 bis zu seinem Wegzug nach Bonn ehrenamtlich im Stadtrat der Gemeindevertretung in Koblenz tätig. 1849 wurde er von seinen MitbürgerInnen als Abgeordneter nach Berlin gesandt.

    In verschiedenen pharmazeutischen Gesellschaften wurde Mohr Ehrenmitglied. Neben vielen deutschen Städten zählten auch folgende weltweite dazu: Antwerpen, Brüssel, London, St. Petersburg, Wien, Philadelphia, Boston und Chicago.

    1853 wurde Mohr vom damaligen Oberbürgermeister Bachem als Stadtverordneter für das fünfköpfige Kuratorium zur Gründung und Verwaltung der Königlichen Provinzial-Gewerbeschule - später Städtisches Realgymnasium, heutiges Eichendorff-Gymnasium - vorgeschlagen und von der "Königlichen Regierung zu Coblenz" in dieser Funktion bestätigt wurde. Mohr ist damit einer der Gründerväter des Eichendorff-Gymnasiums, was ein Denkmal vor dem Haupteingang der Schule wiederspiegelt.

    1857 zog Friedrich Mohr auf seinen gewünschten Altersruhesitz, ein großes Landgut an der linken Moselseite bei Metternich gelegen. Dort beschäftigte er sich hauptsächlich mit den Problemen der Landwirtschaft und des Weinbaus. Eigene Erfahrungen schrieb er in zwei praktisch-wissenschaftlichen Abhandlungen über die Zucht des Weinstockes und die Bereitung des Weines nieder. Beide Schriften widmete er der Königin Augusta von Preussen.

    Nachdem die chemisch-pharmazeutische Fabrik seines Schwiegersohnes und Apothekers Friedrich Nienhaus in Konkurs geriet, verlor Mohr einen größten Teil seines Vermögens. Alsdann zog der 59-Jährige nach Berlin und habilitierte dort. Sehr schnell wechselte er nach Bonn. Bereits seine Antrittsrede wurde mit Begeisterung von einer riesigen Zuhörerschaft angenommen. Neben seiner akademischen Lehrtätigkeit suchte er bis zuletzt sein Denken und Schaffen auf die Zusammenhänge der Natur auszurichten. Friedrich Mohr starb am 18. September 1879 in Bonn.

  • Johannes Müller

    Physiologe und Forscher
    * 14.07.1801 (Koblenz)
    + 28.04.1858 (Berlin)

    Johannes Müller wurde in der heutigen Koblenzer Altstadt, unweit des Jesuitenplatzes geboren. Er besuchte das königlich preussische Gymnasium zur Zeit als unter anderen Joseph Görres dort lehrte. Bereits als Schüler fiel Müller wegen seiner grenzenlosen Wißbegier auf. Er zeichnete sich durch ausdauernde und zielstrebige Arbeitsweise aus.

    Als 18-Jähriger begann Johannes Müller sein Medizinstudium an der Universität in Bonn. Nach drei Semestern führte er verschiedene Tierversuche – unter anderem an Schafen – durch. Diese preisgekrönte Arbeit über die Atmung des Fötus wurde 1823 veröffentlicht. Im Jahr 1822, nach seinem siebten Semester, erhielt er die medizinische Doktorwürde. In Berlin studierte er dann weiter. Insbesondere besuchte er Veranstaltungen des bekannten Anatomen Rudolphie.

    In Bonn habilitierte er sich für Physiologie und vergleichende Anatomie. Der 23-Jährige setzte in seiner Antrittsvorlesung die Physiologie, die in chemischen und physikalischen Kenntnissen gründet, eng in Verbindung zur Philosophie. Seiner Meinung nach sollten die Fakten, die empirisch durch die Physiologie gewonnen wurden, erst durch philosophisches Denken verarbeitet und begriffen werden.

    Johannes Müller wurde außerordentlicher Professor und einige Jahre daraufhin Ordinarius. Er veröffentlichte ein umfangreiches Werk, in dem er seine vielfältigen Erkenntnisse in der Physiologie des Gesichtssinns analysierte. Sein Handbuch der Physiologie wurde ein Welterfolg. 1826 erschien zugleich seine Schrift über die phantastischen Gesichtserscheinungen. Die hierin beschriebenen Beweise über die inneren Reize des Sinnessystem des Auges gelten noch heute. 1833 wurde Müller Lehrstuhlnachfolger von Rudolphi für Anatomie und Physiologie in Berlin. Später war er der Rektor der Universität in Berlin.

    Für seine Arbeiten, die jahrelangen mikroskopischen Untersuchungen von Kleinstlebewesen in der Nord- und Ostsee und dem Ligurischen Meer erhielt er die Coley-Medaille und den Prix Cuvier der Pariser Akademie. Im Alter von 58 Jahren verstarb Müller. Die Ursache seines Todes blieb ungeklärt.

  • Henriette Sontag

    Sopranistin / Sängerin von Weltruf
    * 03.01.1806 (Koblenz)
    + 17.06.1854 (Mexiko)

    Henriette Sontag war die Tochter eines Schauspielerehepaares. Erstmals trat sie schon im Alter von sechs Jahren in Kinderrollen auf. In Prag studierte sie sodann mit 13 Jahren am Konservatorium Gesang für die Oper.

    Henriette Sontag trat in fast allen europäischen Großstädten auf. In Wien hob allein sie in der Titelrolle die Leistung von Carl Maria von Webers romantischer Oper „Euryanthe“. Triumphierende solistische Erfolge feierte sie in den Premieren von Beethovens 9. Symphonie und von Missa Solemnis.

    In Nordamerika wurde die Sopranistin mit ihrer Gesangsstimme als „europäische Nachtigall“ berühmt. Für ihr musikalisches Können wurde sie in Deutschland honoriert und zur Königlichen Hof- und Kammersängerin ernannt.

    Nach der Heirat mit dem sardinischen Gesandten, dem Grafen Carlo Rossi, unterbrach sie ihre künstlerische Laufbahn auf dem Höhepunkt ihres Erfolges. Sie begleitete ihren Mann auf seinen Auslandsaufenthalten in verschiedenen Großstädten Europas.

    Ab dem Jahre 1848 nahm sie ihre Karriere wieder auf. Henriette Sontag tourte zunächst wieder durch Europa. Mit großem Beifall wurde sie von dem Publikum in England, Frankreich und Deutschland aufgenommen. Noch im Jahre 1854 sang sie auch schon auf internationalen Bühnen. Ihre letzte Tour führte sie in die Vereinigten Staaten und nach Mexiko. Dort starb sie an der Cholera.