Mittelrhein-Museum

Leben in Koblenz

Kultur
Koblenzer Essgeschichten

Die Koblenzer Autorin und Altstadtpreisträgerin Hannelore Kraeber stellte für koblenz.de wunderbare Geschichten rund um Koblenzer kulinarische Genüsse zusammen. Rund um die Essgeschichten hat sie zudem passende Rezepte angefügt.

  • Des Deutschen Kaisers Rippchen

    Hannelore Kraeber

    Wird vom ‚Deutschen Kaiser’ gesprochen, denken die Koblenzer zuerst nicht an einen Monarchen aus vorherigen Jahrhunderten, sondern an ein Haus mit langer Geschichte und gut bürgerlicher Gastronomie am Peter Altmeier Ufer, Ecke Kornpfortstraße. Ehemals war das Haus mit der Hausnummer 3 das westliche Ende der im Zweiten Weltkrieg des 20. Jahrhunderts zerstörten Kastorstraße. Im Sprachgebrauch kurz ‚Kastergass’ genannt. Erbaut wurde es  Anfang des 16. Jahrhunderts an Stelle eines schon Anfang des 14. Jahrhunderts (1338)  dem Dechanten Johann von Florin und dem Schöffen Heinrich Minnink gehörenden Hauses. Bauherr war der  Koblenzer Schöffe und kurfürstliche Münzmeister Konrad von Lengenfeld. Anschließend übernahm Johann von Anethan, der Kanzler des Kurfürsten Philipp v. Sötern, später Reichshofsrat, dann sein Sohn Otto den Besitz. Nachfolgerin wurde die Witwe des Handels- und Ratsherrn Lucas. Jacob, Josef, Anton Lucas war im Haus geboren und hat über die Zeit von 1768 – 1848 ein Zeitbuch hinterlassen Sein Freund war der Chronist Christian von Stramberg. So wird aus dieser Zeit von einem ‚Steckelche’ berichtet.

    Die Familie Lucas soll in diesem Haus einen Glücksfall von Bedeutung erlebt haben. Die Magd, so wird erzählt, stand in der Nacht auf, um zu waschen. In der Küche fand sie auf dem Herd einen Berg glühender Kohlen. Sie stocherte darin, bis sie  plötzlich von einem großen Schrecken  überfallen wurde. Hastig lief sie durch die Diele übers Treppenhaus ins Schlafzimmer von Frau Lucas, um sie zu fragen, ob sie diese Kohlen angeschürt habe. Das bejahte Frau Lucas, um die Verwirrung nicht noch größer zu machen und bestand darauf, dass die Magd sich wieder schlafen lege. Dann soll sie selbst zur Küche hinab gegangen sein. Unter ihren  Händen hat sich die Glut in reines schweres Gold verwandelt. Die Magd aber erkrankte In ihren Fieberträumen sprach sie von einem schwarzen Hund, der, neben den Kohlen ausgestreckt, sie zu bewachen schien. (vgl. Rheinischer Antiquarius I,3 S.89-90) Mitte des 19. Jahrhundert entdeckte man zwar zwischen Fenster und Herd einen ‚Verborg’, aber leider war dieser leer.

    Und da wird auch von einer Gebetserhörung erzählt. Ein späterer Eigentümer des Hauses mit Gastwirtschaft war Georg Friedhofen. Er war der Neffe des Seligen Bruder Peter Friedhofen. Dieser hatte im Jahre 1850 die Kongregation der Barmherzigen Brüder von Maria – Hilf gegründet. Das erste Mutterhaus (1852 -1888)  kann noch immer in der Florinspfaffengasse Nr. 6 besucht werden. Die Brüder erwarben sich große Anerkennung durch die Armen- und Krankenpflege in Koblenz. Nach mündlicher Überlieferung wurde in der Familie von Georg Friedhofen gebetet, dass einer aus ihren Reihen ein Geistlicher werden würde. Das hat sich dann  später in der zweiten Generation mit Prälat Dr. Ernst-Günter Rokahr erfüllt. Die Koblenzer sagen: ‚E good Gebet hileft.’

    Mit der Zeit wechselten die Besitzer und die Wirtsleute. Die Gaststätte war aber immer ‚knebbelvoll’. Die Gäste waren bunt gemischt. Schängel, Kapitäne, Matrosen,  Schärjer (Hafenarbeiter) erzählten unwahrscheinliche Geschichten. Man hörte fast ausschließlich Kowelenzer Mundart. Alles Neue in der Stadt wurde diskutiert und es wurde auch Politik gemacht. Namhafte Politiker wie der frühere Oberbürgermeister Dr. Schulte-Wissermann waren Stammgäste (Amtszeit 1994 - 2010). Zeitweilig wurde der ‚Deutsche Kaiser’ auch das ‚Rote Rathaus’ genannt. ‚30 Minuten im Deutschen Kaiser und man weiß mehr  als in der Zeitung steht’, war die Meinung der Stammgäste. Der Bierhahn stand nie still und das so immer frische Bier schmeckte. An der Theke standen die Gäste oft in drei Reihen hintereinander. Ein bekannter Stammtisch waren die ‚Goode Junge’. Sie stifteten die Plastik ‚Junge im Regen’. Sprichwörtlich wollten sie dokumentieren, dass sie niemand ‚em Rään stinn losse’. Heute steht die Kinderskulptur vor der Christuskirche.

    Durst macht hungrig. Beliebt waren die guten Bockwürste aber berühmt waren die Rippchen. Das Rezept ist einfach für diese Spezialität:

    Rippchen nach Art des Deutschen Kaisers

    Gekochte Rippchen  werden mit Öl und Butter in einer Pfanne kurz angebraten und mit warmen Speckkartoffelsalat serviert.

    ‚Nichts bleibt wie et es on alles kimmt widder,’ heißt es im Voksmund, hoffentlich auch der traditionelle ‚Deutsche Kaiser’!

    Hannelore Kraeber
    -Alle Rechte bei der Autorin-

  • Drouvens begehrte Spirituosen

    Hannelore Kraeber

    Vom Jahr 1846 bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts war Am Plan 13 die Branntweinhandlung und Likörfabrik Drouven. Offizieller Titel war ‚Königlicher Hoflieferant‘. Wie damals üblich wurden die Destillate Käufern in mitgebrachten Flaschen auch abgefüllt und außer Haus verkauft.

    Besonders bekannt, mehrfach prämiert im In- und Ausland war der ‚Wahre Jacob‘, ein Magenbitter. Die Koblenzer haben oft darüber spekuliert, ob der Name von seinem Erfinder Jacob Drouven oder von der bekannten Suche nach dem wahren Grab des Apostels Jakobus abgeleitet wird. Sie sind sich aber schließlich einig, dass ihre Redensart ‚nicht der wahre Jakob‘ in der Bedeutung ‚nicht so ganz das Richtige‘ Pate für den Magenbitter war.

    Begehrt von den Koblenzern war aber der Trester. Er ist vor allem der Schnaps der Winzer. Er wird aus gepresster Maische, das sind die Traubenrückstände, hergestellt. ‚Morgens ein Gläschen‘, das war das Lebenselixier der Winzer und auch der Handwerker. „Nur zum Aufwärmen, zur Verdauung, zur Kräftigung, für den Kreislauf“ waren die Begründungen hierfür. Im 21. Jahrhundert wird der Trester von der jüngeren Generation oft auch als Moselgrappa bezeichnet.

    Wie mit Wein werden auch mit Trester Speisen gekocht oder abgeschmeckt. Viele freuen sich auf

    Tresterfleisch

    ein fast vergessenes Rezept

    1 kg Rindfleisch oder 1 kg gepökelter Schweinenacken
    wird in Gulaschstücke geschnitten, das Rindfleisch muß gesalzen werden.

    3 Zwiebeln
    1 Stange Lauch
    1 Möhre
    1 Stück Sellerie
    2 Knoblauchzehen
    werden gewaschen und  klein geschnitten,

    3-4 Lorbeerblättern
    ca. 20 Wacholderbeeren
    1 Teelöffel Pfefferkörner
    1 Prise Muskat
    1/4l Trester
    1 Flasche trockener Riesling
    werden zu einer Beize vermischt.

    Das Fleisch und das Gemüse für ca. einen Tag in die Trester-Riesling Beize legen. Das Fleisch muß mit Flüssigkeit bedeckt sein. Alles in einem Bräter im Backofen bei ca. 180°C 2 Stunden garen.
    Mit Salz, Pfeffer, Trester abschmecken und in Suppentellern oder Suppentassen servieren. Dazu schmecken sowohl herzhaftes Brot wie Brötchen.

    ‚E Steckelche‘: Trester get-et och fier ‚lau’

    Die ganze Stadt hat darüber gelacht:

    Peter und Schängel stehen in der Sylvesternacht auf dem Plan und hätten gerne gefeiert. Aber sie hatten ‚nix droff‘. Dann hat Peter die erleuchtete Idee und sagt: „Ich hann wat ausgetiffelt!“ Gesagt – getan. Er geht um die Ecke in seine Wohnung in der ‚Gerjegass‘. Er kommt gleich wieder und sagt: „Schängel, ich wette met dir, ich holle en Drouvens en Flasch Trester, bezahle se net, dä Drouven merkt dat net on ä hat och keine Schade.“ Schängel: „Dat es jo garnet miehlich.“ Pitter: „Komm gieh met, trenk an der Thek e Schnäpsje on paß off.“ Beim Drouven holt dä Pitter eine weiße Flasche aus seiner Manteltache und sagt zur Bedienung: „Machen se mer die voll Trester.“ Diese gibt ihm die gefüllte Flasche und sagt den Preis. Der Pitter steckt die Flasche in seine Tasche, sucht pro Forma in allen Taschen nach Geld und sagt: „Frailein, ich hann mäi Geld vergeß, häi stelle se die Flasch sulang fort“, damit gab er die gefüllte Flasche zurück, „ich ginn ierschd heim Geld holle.“ Draußen sagt der Schängel: „Dat woßt ich doch, dat dat net ze mache wor, hät ich nur met dir gewett.“ Wie sie ein Stück weit fort waren, sagt der Pitter: „Dann häts de die Wett verlor.“ Er holt aus seiner Manteltasche eine gefüllte Flasche mit Trester, macht die Flasche auf und sagt: „Probeer emol.“ „Et Donnerknespel!“ ruft der Schängel, „dat es werklich Trester, nau stieht mer awer de Verstand stell; wie hat dann dat zugange?“ Pitter: „Ich hat en der linke Manteltasch en zweite Flasch met Wasser drenn on die hann ich dem Lademädche zereck gewe.“ Schängel: „Dat has de awer fein gedräscht.“ Nun kommt aber das Schönste. Acht Tage darauf sagt der Schängel: „Dau has gesood, dä Drouven däd dat net merke on ä hät och keine Schade.“ Pitter: „Ei, gieh emol hin, trenk e Schnäpsje on froch su newe bei, ob dä Mann domols die Flasch Trester wär holle komme.“ Der Schängel geht hin und auf seine Frage sagt die Verkäuferin: „Wie die Flasch drei Dach do gestanne hat sagt der Herr Drouven: „Dä Mann kimmt doch net mieh widder, schitt die Flasch widder enet Fäseje.“

    Es geht noch weiter:
    Der Pitter war eine ‚ehrliche Haut‘. Wie er im Frühjahr wieder Arbeit hatte und Geld verdiente, ging er zum Herrn Drouven und erzählte ihm den Fall und wollte seine Schuld begleichen. Herr Drouven musste aber herzlich lachen und sagte zu dem Pitter: „Mäi lewer Mann, weil se en armer, awer ehrlicher Kerl säin, well ich nix fier dänn Trester hann, on weil se datt esu fein ausgeteftelt on mer en gruße Freud gemacht hann, schenke ich ihne noch en Flasch extra. Hier sieht man wieder:
    Ehrlich währt am längste!

    Hannelore Kraeber
    -Alle Rechte bei der Autorin-

  • Russen in Koblenz - Kulinarisches Überbleibsel: Russische Torte

    Hannelore Kraeber

    Koblenz als Kastell  von römischen Legionären an einer umkämpften Grenze angelegt, wurde im Lauf der Zeit immer wieder von vielen fremden Besatzungssoldaten belagert. Während den Wirren der Kriege gab es auch in Koblenz  Gefangene unterschiedlicher Nationalitäten und Zwangsarbeiter. Sie alle haben ihre Spuren in Koblenz hinterlassen – auch die Russen.

    Während der französischen Zeit
    Russische Gefangene

    Hier in Koblenz war ein Bataillon russischer Soldaten als Kriegsgefangene vom 10.Okt. bis 18.Dez.1807 größtenteils im Schloss kaserniert. Sie mussten sich bei der Schlacht von Austerlitz den Franzosen ergeben. Der Chronist  Christian von Stramberg berichtet: „Die Offiziere dieses Bataillons sind den französischen ähnlich in Haltung, Körpergewandheit, Geistesbildung und Uniform. Der gemeine Soldat ist derben, robusten Schlages, dabei fromm und gutmütig. Ein russischer Sängerchor ergötzte abends im Schlosshofe oft die Koblenzer mit seinem 'taktmäßigen, harmonischen Gesange‘.

    Russen erobern Koblenz

    Napoleons Russlandfeldzug bringt zweimal russische Truppen nach Koblenz. Einmal um  die Grande Armee  zu besiegen  und erneut bei ihrem Rückzug.

    „Die Russe komme!“

    „Die Kosaken sind vor den Toren“, rufen sich die Koblenzer am 31.12.1813 gegen 15 Uhr lautstark und alarmierend zu. Die Fenster und Läden fliegen zu, die Landstege an der Mosel werden abgesenkt. Im dichten Nebel ist eine Vorhut der Kosaken bei Kesselheim gelandet und drängt längs des Rheinufers bis zur Neuendorfer Schartwiese (heute Campingplatz) vor und treibt französisches Militär niedersäbelnd vor sich her. Die Kosaken dringen sogar in Neuendorf ein und greifen dort einen französischen Offizier der Kürassiere samt einigen Reitern auf und bringen diese als Gefangene zum anderen Ufer zurück. Die Franzosen erkunden darauf hin  das Gebiet um Neuendorf bis Mariahilf. Da belebt sich urplötzlich die Straße. Unzählige Jungen mit Krügen kommen herangezogen. Sie werden angerufen: „Woher des Landes, wohin?“ – „In die Stadt.“ – „Weswegen?“ „Branntwein kaufen, keinen Tropfen haben sie uns gelassen.“ – Wer hat ihn getrunken?“ – „Äi, die Russe.“ - „So, sind ihrer viel?“ – „Wie Haar auf dem Hund.“ – „Haben sie Kanonen?“ –„Das wollt ich meinen.“ Alle Fragen sind hiermit gelöst und es bleibt nur noch die Flucht.


    Ende der französischen Ära

    Die französische Ära endet in Koblenz in der Neujahrsnacht  1813/14 mit dem Einmarsch der Russen. Zwischen 2 und 3 Uhr sprengen diese hier in die Stadt ein. Christoph Laeis (Eisengroßhändler, Am Plan 28) berichtet in der Familienchronik, dass die Kosacken auf struppigen Pferdchen mit langen Lanzen das Schulgässchen herunter geritten kamen.

    Sie versuchten unter Gewehrfeuer den Hl. Kreuzweg (von der Löhrstraße bis zur Karthause) und die Hunsrückstraße zu erobern. Chr. von Stramberg berichtet, dass die Russen mit Hurra-Geschrei und einer barbarischen Musik mit türkischen Trommeln durch die Löhrstrasse zogen und später die Hauptwache an den ‚Vier-Türmen‘ bezogen.  Gegen Mittag sind 6000 Mann dieser Division in einer Linie aufgestellt. Der kommandierende General kommt mittags über den Rhein. Seine ersten Worte sind ungnädig. Die Koblenzer haben versäumt ihn mit einem Gabelfrühstück zu empfangen. Ungnädig dagegen empfindet Christian von Stramberg im Rheinischen Antiquarius die an wehrlosen, sterbenden Menschen im Lazarett im Schlossgebäude verübten Frevel durch die Russen. Andere Frevel, wenn sie dann das Ohr des russischen Kommandierenden erreichten, wurden geahndet. Dazu

    ‚e Steckelche von-em verliebte Russ‘:

    Ein Pope war in einem achtbaren Hause einquartiert. Er verfolgte die junge, schöne Hausherrin mit dreister Zudringlichkeit. Das wurde dem Militär gemeldet. An einem Sonntag rügte dieser Pope die Soldaten eines Bataillons ob ihres unmoralischen Verhaltens. Unmittelbar darauf wurde er vom  Platzmajor selbst ermahnt. Auf dessen Wink traten zwei stämmige Korporale vor den Popen, sie küssten ihm die Hand, kleideten ihn aus und betteten  ihn auf einen Strohhaufen. Fünfzig Hiebe wurden von zwei ‚Repräsentanten der ausübenden Gewalt‘ dem liebenden Büßer verabreicht. Daraufhin erhoben dieselben Männer den Patienten von seinem Schmerzenslager, sie reichten ihm die Kleider, sie neigten sich tief vor ihm, küssten ihm die Hand, erbaten sich seinen Segen. Der auch gewährt wurde.

    ‚E satirisch Steckelche vom Kastorbrunne‘

    Der Präfekt Doazan wollte ein französisches Nationaldenkmal auf dem Deutschen Eck errichten. Aus Kostengründen musste er sich aber mit der Umgestaltung des 1805 in Betrieb genommenen Brunnens auf dem Kastorplatz begnügen. Von der voreiligen französichen Inschrift und von der ironisch, spöttischen russischen Ergänzung auf dem Kastorbrunnen berichtet Rudi Schmitt zusammenfassend in Versen:

    Dä Bronnewitz
    Et wor emol vur langer Zäit,
    als su en Kleine von Frankreich
    met aller Welt em Streit
    on als grußer Kaiser Napoleon
    Europa hann wollt für die Grande Nation.
    Dromm es dä och met Mann, Ross on Wache
    siejessicher gäje Russland gefahre.

    Mer häi en Kowelenz am Rhein
    wore schunn en ganze Zäit lang säin.
    Dromm hat mer dat Gebiet häi genennt
    ‚RHIN ETT MOSELLE DEPARTEMENT‘.
    On dovon dä fränzösiche Präfekt,
    hat sich gehalle fier schlau on geweckt.
    Bevur noch die Grande Armee en Russland gewonne,
    hat dä erbaue losse zor Erinnerung
    dänn Kastorbrunne
    on droff schreiwe losse, en säinem euphorische Siejeswahn:
    ZUM GEDENKEN AN DEN FELDZUG
    GEGEN DIE RUSSEN
    UNTER DER PRÄFEKTUR
    VON JULES DOAZAN
    Wie dann zo Enn wor dat Völkerraufe,
    do säin die Franzuse wie die Hase gelaufe;
    wat dank Blücher on Verbündete bestens gegleckt.
    Do säin die Russe als Befreier bei ons engereckt.
    Am Kastor-Bronne hann die verschmitzt dann gelacht
    on aus demm Dinge en Bronnewitz gemacht.
    Ergänzt wurd´ die Enschreft von russischer Hand:
    GESEHEN UND GENEHMIGT DURCH
    UNS DEN RUSSISCHEN
    KOMMANDANTEN DER STADT
    KOBLENZ AM 1.JANUAR 1814

    Auch wenn die Russen mit General von Jusefowitsch sogar einen Stadtkommandanten für Koblenz einsetzten, war ihr Gastspiel hier nur kurz. Schon im Januar 1814 ziehen die Russen  in Richtung Frankreich, um die Verfolgung der napoleonischen Truppen aufzunehmen. Nach Christoph Laeis sollen die flüchtenden Franzosen zum größten Teil nur noch ‚zerlumpte, kranke und elende Überbleibsel der Grossen Armee‘ gewesen sein.

    Nach dem Einmarsch der  siegreichen Koalition gegen Frankreich in Paris und der Abdankung des Kaisers begann der Rückzug russischer Truppen erneut durch Koblenz.
    Am 3.Juni 1814 meldete das ‚Coblenzer Nachrichts- und Anzeigeblatt‘, dass seit dem 30 Mai aus Frankreich zurückkehrende russische Einheiten durch Koblenz zögen und dass ‚die echt militärische Haltung dieser Truppen allgemeine Bewunderung erregte.

    Wieder Russen in Koblenz

    Durch den Ersten Weltkrieg des 20. Jahrhunderts kommen wieder russische Kriegsgefangene nach Koblenz und werden u.a. als Zwangsarbeiter eingesetzt. Sie wohnen z.T. in Privathäusern. So wohnt z.B. Nathan Nathanson  aus Melitopol (Ukraine) vom 24.09.1917 bis 18.11.1918 beim Schneidermeister Mathias Hürter in Neuendorf, Herberichstr. 23. Für seine Rückreise nach Russland lässt er sich ins Futter seines Mantels Goldstücke einnähen. Aber keinen Groschen hat er  in Neuendorf für sein Kind der Liebe  übrig.


    Ein Russe wird Koblenzer Original
    Rommenjack kai Feenig

    ‚Rommenjack hat sein Los selbst verschuldet. Seine Eltern waren russischer Herkunft und betrieben eine Bierbrauerei in der Kastorstraße, Haus Nr.59. Sein eigentlicher Name war Romonwjak. Die Familie scheint  mit den Russen nach Koblenz gekommen zu sein, wo sie dann die alte Brauerei übernommen haben. Er war der einzige Sohn, eine Hünengestalt, der vollständig verkommen war und sich zum Spott der Menschen herumtrieb. Er sprach gebrochenes Deutsch, und wenn er bettelte, forderte er ‚einen Feenig‘, weil er das Wort Pfennig nicht aussprechen konnte. Wenn er durch die Straßen schwankte, liefen die Kinder ihm nach und riefen: „Rommenjack kai Feenig“, was er wenig beachtete. Unzählige Male ist er von der Polizei in das ‚Adamche‘ (Gefängnis) gebracht worden. Noch nicht alt, ist er im Rhein ertrunken. (aus: Josef Eisenach, Kowelenzer Steckelcher)

    Auch im Zweiten Weltkrieg  arbeiten  wieder russische Zwangsarbeiter überwiegend  in der Landwirtschaft und leben z.T. bei Bauersfamilien. Die Russin Dusa Schewikena aus der Ukraine wohnt und arbeitet in dieser Zeit im landwirtschaftlichen Betrieb Miltz in Neuendorf, Plankenweg.

    Kulinarisches Überbleibsel
    Russische Torte
    Russisch: Seljodka pod schuboji

    Während allgemein Borschtsch als russische Spezialität bekannt ist,  wurde hier in Koblenz durch die Begegnung und das Zusammenleben mit den Russen die Russische Torte – später auch bekannt als Herrentorte -  beliebt. Sie war noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts bei Herrenabenden und Skatrunden als kräftig, pikanter Imbiss beliebt. Durch die vielen Aussiedler aus Russland wird sie heute wieder entdeckt. Selbst das Pelzhaus Martina Stertz bewirtet bei der Pelzmodenschau ‚Russischer Winter‘ noch Anfang des 21. Jahrhunderts die Gäste mit dieser pikanten Spezialität.

    Zubereitung der russischen Torte
    500 g gekochte Pellkartoffeln,
    300 g gekochte rote Rüben,
    300 g gekochte Möhren,
    500 g Matjesfilets,
    1 kleine Zwiebel,
    6 hart gekochte Eier - würfeln, abwechselnd wahlweise mit
    Mayonnaise oder Miracel Wip - in einem Ring (ggf.Springformring) schichten.
    Die oberste Schicht sollte möglichst der Optik wegen  aus roten Rüben sein. Diese wird dann wie eine  Torte mit  Mayonnaise  oder Miracel Wip garniert.

    Varianten:
    Statt Mayonnaise oder Miracel Wip  pur können auch 500g Vollmilchjoghurt mit 5 EL Mayonnaise verrührt werden. Kommt auf die  gesamte letzte Schicht z.B. Mayonnaise  kann mit Dreiecken aus   Pumpernickelscheiben  und roten Rüben fächerartig verziert werden. Garniert man die Torte zuletzt mit viel gehackter Petersilie wird daraus der ‚Russische Pelz‘. Den Salat sollte man  mindestens 1 Stunde vor dem Verzehr im Kühlschrank durchziehen lassen.

    Was alles in der Torte steckt

    Matjes sind besonders zart und liefern 22 Gramm gutes Omega-3-Fett. Das ist fast dreimal so viel wie ein normaler Hering hat. Gerade deshalb schmeckt er auch so herrlich. Matjes liefern besonders viel Eiweiß, aber auch Kalium, Natrium und Phosphor und andere Spurenelemente. Außerdem sind sie voller wichtiger Vitamine, zum Beispiel B3, B6,B 12, Vitamin D, Vitamin A und essentielle Mineralstoffe wie Eisen, Selen und Fluor. Matjes sollten nie gewässert werden. Das würde  den feinen Geschmack aus dem Fisch spülen.

    Rote Bete, landschaftlich auch Rote Beete oder Rote Rübe besitzen ein hohes Angebot an Vitaminen, Mineralstoffen, insbesondere Kalium und Spurenelementen. Nach alten Überlieferungen wurde Rote Bete  schon in der antiken Medizin angewendet und bei Haut- und Infektionskrankheiten Heilwirkungen nachgesagt. Auch heute noch hat sie eine große, gesundheitliche Bedeutung. Sie wirkt appetitanregend und verdauungsfördernd. Der hohe Gehalt an Folsäure wirkt Blut bildend. Zusätzlich enthält sie noch sekundäre Pflanzenstoffe wie Saponine und Flavonoide, die krebsvorbeugende und immunstimulierende Wirkungen haben sollen. Rote Bete enthält aber auch viel Oxalsäure. Menschen, die zu Nierensteinen neigen, sollten die Rübe nur selten essen.

    Möhren (landschaftlich auch Karotten) enthalten Kohlenhydrate, Eiweiß, Lecithin, Glutamin, sowie nennenswerte Mengen Kalium, Calcium und Eisen. Neben dem Provitamin A sind außerdem die Vitamine B1, B2, C und E Garant für den hohen physiologischen Wert der Möhren. Verschiedene Inhaltsstoffe werden nach wissenschaftlichen Erkenntnissen auch auf Grund antioxidativen Wirkung im Stoffwechsel zum Schutz vor Arteriosklerose und Krebserkrankungen hoch gelobt.

    Die Russen wissen, was gesund ist.

    Hannelore Kraeber
    -Alle Rechte bei der Autorin-

  • Lebkuchen - für Feinschmecker ein Genuss, für Spieler eine Attraktion

    Hannelore Kraeber

    Christian von Stramberg erzählt im Rheinischen Antiquarius I, 2 vom vollen pulsierenden Leben auf dem Paradeplatz. und weiter:  „Die gesamte Straßenjugend versammelte sich hier auf großen Spielflächen für Spiele aller Art. Als 1792 die Preußen und die Hessen kommen wird das Gewühl immer größer. Diese fragen nur nach  Kaffee und immer wieder nach Kaffee. Alles andere verschmähen sie. Die Verkäuferinnen des großen Kaffeehauses sind alle mit dem Kochen und dem Ausschenken der ‚braunen Brühe‘ unter freiem Himmel beschäftigt. Ein Berliner Straßenmusikant unterhält die Passanten mit Geige, Gesang und Tanz. Am Rand des Platzes entlang, der an die Firmungstraße angrenzt, sind Verkäuferinnen mit Angeboten für ‚naschhafte Gelüste’ wie Lebkuchen. Selbst die Königin der Obsthändlerinnen, Frau Brunik, eröffnete hier ein Geschäft.“

    Beim ersten ‚Chresdachsmarkt‘ 1842 auf dem Paradeplatz (Görresplatz) darf Lebkuchen nicht fehlen

    Christian von Stramberg berichtet: „Auf einem blank gescheuerten, eichenen Tisch verkaufte z.B. eine stattliche Verkäuferin Lebkuchen. Im Angebot hatte sie  alles, was es im damaligen Koblenz  an Lebkuchensorten und -formen gab.  Erwähnt werden besonders die lebkuchenen Rüstwagen, Pferde, Kutschen mit zierlicher Vergoldung.“

    Lebkuchen-Hauen ein großes Vergnügen für alle

    Im Rheinischen Antiquarius heißt es: 'Diese Winter-Ergötzlichkeit‘ ließ man sich nicht nehmen. Den ganzen Tag hindurch bis in die ersten Nachtstunden bei Licht wurde nach uralter Sitte gehauen.“ Nuppen war ein Spiel mit Lebkuchen. Die Kunst bestand darin, einen zähen Lebkuchen mit der Hand oder auch mit Messern durchzuschlagen. Die Messer wurden auf eigentümliche Art zwischen den Fingern gehalten. Dazu wurden zwischen gekrümmten Zeige- und Mittelfinger (wie zu einer Faust)  und zwischen gekrümmten Ring- und dem kleinen Finger  Messer gehalten.

    "Steckelche" vom Lebkuchen-Hauen

    Christian von Stramberg berichtet: An einem Sonntag, 2. oder 9.Dezember 1702 nahm das Spiel größere Ausmaße an. Die Lebkuchenverkäuferin hatte einen besonders hohen Turm von Lebkuchen aufgehäuft. Unter den Augen vieler Zuschauer wetteiferten die Spieler. Selbst die ‚gewichtigsten Fechtmeister‘ hatten kein Glück. Die  haarscharf geschliffenen Messer prallten immer wieder ab. Im Moment höchster Anspannung drängt sich ein preußischer Tambour in den dichten Kreis. „Ein hau mir“ ruft er und spaltet mit einem Säbelhieb den Lebkuchenturm. Starr vor Schrecken schauen die Spieler zu wie der Tambour in seinen Hut den Gewinn füllt und mit den Worten: „Da habe ich euch preußische Pfiffe gezeigt“ und fortläuft. Heulend und schreiend laufen die Genarrten ihm nach, aber sie können ihn nicht mehr erwischen.“

    Bereits erhältlich: Lebkuchenteig als Fertigprodukt

    Wie nachzulesen ist, waren einige erhältliche Lebkuchensorten auf dem Paradeplatz nicht bekannt wegen des Wohlgeschmackes, sondern wegen des schlechten Teiges. Das lässt sich sicher auch von der früheren Herstellung ableiten. Erfahrene Lebküchner ließen die Fässer mit Mehl, Honig und Triebmittel über Jahre reifen bis der Teig endlich geknetet und verarbeitet werden konnte.

    Solche Lebkuchenteige stellte man  nicht  im privaten Haushalt her, sondern kaufte sie fertig beim Lebzelter auf dem Weihnachtsmarkt. Erst im 19.Jahrhundert mit Beginn der Industrialisierung verschwand das alte Handwerk der Lebzelterei. Eine Vielzahl von Lebkuchensorten, z.T. auf Oblaten, gebacken werden heute preiswert und gut angeboten.

    Lebkuchen ist noch immer sehr beliebt

    In den Familien werden zur Freude der Kinder z.T. noch Lebkuchenhäuser mit viel Zuckerguss, Mandeln, farbigem Lakritzkonfekt usw. in der Weihnachtszeit gebaut und dekoriert.         Nach alter Koblenzer Sitte lieben viele Schängel Lebkuchen auch noch als ‚Fastenbrot‘: Eine gebutterte Brotscheibe wird an Stelle von Wurst oder Käse mit einer Lebkuchenscheibe belegt.

    Ein alter Kochtipp: Lebkuchen fein reiben oder Krümeln und die Sauerbratensoße damit binden.

    Hannelore Kraeber
    -Alle Rechte bei der Autorin-

  • Beliebte und gesunde Kierschesopp - Kirschsuppe ...war ihr einst ein Zauber inne?

    Hannelore Kraeber

    Im Coblenzer Ratsprotokoll des Jahres 1615 wurde in der Sitzung vom 17. August fest gehalten, dass die Kirschsuppe in Lützel und Neuendorf abgestellt wurde. Der Anlass wird nicht angegeben. Da die „Absetzung“ der beliebten Kirschsuppe in die Zeit des Teufelsglaubens und des Hexenzaubers fällt ist sicher die Ursache u.a. auch hier zu suchen:

    Unter Kurfürst Johann VII von Schönborn nahm der Glaube an Hexen und Zauberer im 16. Jahrhundert nicht nur im Kurfürstentum sondern auch in ganz Deutschland zu. Aus Sorge, dass die Seelen des Volkes vergiftet werden, erließ der Kurfürst seine „Erzstiftliche Ordnung in Zaubersachen“ gegen das „höchststräflicher Laster der Zauberei, so ein seithero eingerissen“. – Die in dieser Zeit nicht ungewöhnlichen Ketzer- und Hexenprozesse wurden hier in Koblenz nicht vom Schöffengericht, sondern vom Geistlichen Gericht* im alten Bischofshof an der Ecke Florinspfaffengasse-Florinsmarkt entschieden. Nach Dr. Bellinghausen lautete die Anklage in der Regel auf sträflichen Verkehr mit dem Teufel, oder man warf den Angeklagten vor, dass sie Menschen und Haustiere krank gemacht oder auch durch Zaubersprüche die Früchte des Feldes und der Weingärten verdorben hätten. Oder war es evtl. auch ein bekannt gewordener Fluch der wegen hussitischer Irrlehren 1494 angeklagten alten Frau aus Nassau? Sie wurde auf der Schartwiese in Koblenz-Lützel am Neuendorfer Eck, heutiger Campingplatz, verbrannt. Waren das die Gründe, die den Rat der Stadt Koblenz in seiner Fürsorgepflicht für die Bevölkerung 1615 veranlasst haben, die Kirschsuppe in Lützel und Neuendorf abzustellen?

    *Anmerkung: „Met demm Gericht wor net good Kiersche esse“. Die Prozesse waren grausam. Die kleinste Verdächtigung genügte um jemand in den Ruf eines Hexenmeisters oder einer Hexe zu bringen. Geständnisse wurden oft herausgefoltert. In den Todesurteilen konnte auf den Tod durch Enthaupten, Erdrosseln oder Verbrennen verurteilt werden. Eine erschwerende Strafe war noch das Abschneiden der Ohren, Nase oder der Hände. Die Koblenzer Richtstätte war an der Laubach. Allein im Jahre 1629 sollen in Koblenz nicht weniger als 24 Personen als Hexen und Hexenmeister hingerichtet worden sein. Beruhigend ist zu wissen: Koblenzer Anwälte sollen versucht haben gegen den Hexenwahn ihrer Zeit zu kämpfen, Unschuldigen zu helfen und Elend von betroffenen Familien abzuwenden.

    Rote Kirschen ess’ ich gern, Schwarze noch viel lieber...

    Gut Kirschen essen kann man in Koblenz aber ohne Bedenken. Waren früher Lützel und Neuendorf auch der Obst- und Gemüsegarten der Stadt, konnte Güls kein Ort konkurrieren. Mit Stolz können die Gülser sich rühmen, dass 1936 der größte Kirschenmarkt Deutschlands bei ihnen war. In ihrem Wahrzeichen führen sie noch heute die Werkzeuge zum Kirschenpflücken: Eimerchen, Leiterchen, Seilchen. Der römische Statthalter und Feinschmecker soll die Kirschen einst aus der türkischen Stadt Küresin mitgebracht haben. Ob auch bei uns der Kirschenanbau bis in die Römerzeit zurückreicht?

    „Esst mieh Kiersche, die zehje näi Bloot“, rieten unsere Altvorderen. Im 21. Jahrhundert werden die Kirschen in Frauen-Zeitschriften als „Energie-Booster“ empfohlen. Nach Farbpsychologen sollen die knallroten Früchte anregend wirken. Die Kirsche gilt wie viele andere Obstarten auch als Fruchtbarkeitssymbol. So soll z.B. eine Kuh, wenn sie nicht mehr fruchtbar bleibt oder nur schwer trächtig wird, um einen schwarzen kirschbaum geführt werden. Heute sind Kirschen bei Ärzten der Ganzheitsmedizin geschätzt. Sie werden nicht nur als Heilmittel gegen Gicht, Rheuma und Verstopfung verordnet.

    Aus Kirschen lässt sich viel Kulinarisches „zaubern“

    Kirschkonfitüre und –marmelade, Kirschsaft, -likör, Kirschkuchen und letzten Endes auch die Kirschsuppe. In der von Mangel geprägten Nachkriegsküche 1945 verfeinerten tüchtige Hausfrauen sättigende, dicke Mehl- oder Grießsuppen mit Kirschen. Gott sei Dank, heute können wir wieder zwischen leckeren Variationen z.T. nach alten Rezepten wählen:

    Kirschsuppe

    600 g schwarze Kirschen
    waschen, entsteinen und mit

    etwas Zimt,

    etwas Zucker,

    1 l Wasser
    auf Stufe 3 des Elektroherdes ankochen

    30 g Stärkemehl
    anrühren, die Suppe damit andicken, Kochplatte ausschalten und ca. 10 Minuten ziehen lassen, durchrühren und abschmecken. Die Suppe kann warm oder kalt gereicht werden,

    Biskuits
    evtl. zum Verfeinern zufügen

    Kirschsuppe mit Wein

    600 g schwarze Kirschen
    waschen, entsteinen und mit

    etwas Zimt,

    etwas Zucker,

    wenig Nelken,

    0,5 l Wasser,

    0,5 l Rotwein,

    etwas Zitronenschale
    auf Stufe 3 des Elektroherdes ankochen,

    30 g Stärkemehl
    anrühren, die Suppe damit andicken, Kochplatte ausschalten und ca. 10 Minuten ziehen lassen, durchrühren und abschmecken. Die Suppe kann warm oder kalt gereicht werden.

    Mandelstifte oder Mandelplätzchen
    ggf. zum Verfeinern zufügen.

    Kirschsuppe modern

    1 Päckchen Vanille- oder Mandelpudding
    nach Anweisung zubereiten, mit

    Flüssigkeit: Milch oder Wasser
    zur Suppe verlängern.

    Gedünstete oder konservierte Kirschen
    zufügen.

    Warnung! Nicht Ohne Vorsicht genießen: Die Kirschen in Nachbars Garten, die schmecken ach so süß...

    Hannelore Kraeber
    -Alle Rechte bei der Autorin-

  • Mollberekooche - Genuss ohne Reue?

    Hannelore Kraeber

    Zoierscht-emol: Mollbere ist die fast vergessene Bezeichnung für Heidelbeeren aus der alten Koblenzer Mundart. Inzwischen ist das Wort zu einer "Schängel-Prüfungsfrage" geworden. So kann man oft hören: "Kannst-e dann iwwerhaupt noch richdisch Platt? Wat säin dann Mollbere?"

    ...und viele Schängel wissen dann oft noch mehr. Mollbere säin Nahrungs- on Heilmittel.

    "Mollbere messe alsu gesond säin."

    Frische Mollbere wirken oft leicht abführend. Gegen Durchfallerkrankungen, vor allem bei Sommerdurchfällen wirkt ein Tee aus getrockneten Mollbere. Als Heilmittel war auch ein Tee aus "Mollbereblätter" gegen Zucker bekannt. Dieser darf aber heute in keinem Fall mehr als Ersatz für Diabetes-Medikamente oder ärztliche Therapie angesehen werden. Bei Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum soll aber der Tee helfen.

    Wenn Ebbe em Geldbäitel wor oder om Maart käi do wore, dann hieß-et:

    "Mer ginn Mollbere kämme."

    Bei der "Tour off-de Kehkopp" wurden dann Mollbere gesucht. Sie wachsen in halbschattigen Waldgebieten. Das kleinstrauchige Heidkrautgewächs mit seinen kleinen Mollbere macht die Ernte aber anstrengend. Für die praktischen Schängel war das kein Problem. Mit einem Kamm streiften sie die Früchte in ein flaches Schüsselchen oder einen Teller einfach ab. Aus Naturschutzgründen ist das heute verboten. Die Pflanzen sollen nicht geschädigt werden. Seit einiger Zeit werden Heidelbeeren schwerpunktmässig in der Lüneburger Heide auf Feldern angebaut. Diese Kulturheidelbeeren werden z.T. zwar so groß wie kleine Kirschen, sind aber weniger aromatisch als die wild wachsenden Mollbere.

    In der Küche sind sie vielfach verwendbar. Mollbere schmecken mit Milch, Quark, Joghurt oder Eis. Aus den Früchten werden auch Konfitüre, Marmelade und Wein zubereitet. Besonders beliebt sind aber Mollbere-Kuchen in verschiedenen Variationen:

    Mollberekooche

    E scheen "Steckelche" von Josefine Moos:

    Vom Honsreck koom letzt en die Stadt
    en Bauerschfrau, dat Schulze Katt.
    Et wollt beim Pollak* Enkaif mache:
    Bettzäisch, Kattun on annere Sache.

    Offem Heimwesch koom am Plon vorbei
    dat Katt häi an-er Bäckerei,
    em Schaufinster dä Mollberekooche,
    dä dääd et gar ze gär versooche.

    Omsonst dräscht-et dä Bäitel om,
    spingt nix eraus. - Et denkt: "Wie domm!
    Dä Grosche on dat Kastemännche**,
    die reiche kaum fier-e Kaffikännche!"

    Der Bäckermeister awer lacht,
    hat met demm Katt en Wett gemacht:
    "Die Tort kennt ihr omsonst prowiere,
    wenn äier Zänn net schwarz doon wiere!"

    Do hat awer dat Katt sich hingesetzt
    on an dä Mollbere sich ergetzt.
    Et ließ dä Kooche, schwarz wie Tinte
    su no on no zor Hälft verschwinde.

    On dat wor werklich schlau vom Katt,
    weil et kain Zänn mieh hat gehatt,
    on die net konnte schwaz mieh wiere,
    konnt-et die Wett getrost riskiere.

    Do hat dä Bäcker Spaß gehatt,
    wie sich imm vurgestellt dat Katt,
    on ä käi Zänncher mieh gefonne.-
    Glatt hat dat Katt die Wett gewonne!

    *Beliebtes Geschäft auf der Löhrstrasse bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts
    **Koblenzer Notmünze, sie zeigt auf der Vorderseite die umlaufende Aufschrift: "Ai Kastemännchen" mit einem Abbild auf der Rückseite den grossen Sohn der Stadt "Josef Görres".


    Das Rezept "Mollbere-Kooche" vom "Plan-Bäcker" ist leider nicht überliefert, wohl aber das tradierte von Jac Werrmann in der Marktstrasse (Altstadt). Eine Köstlichkeit in seinem Café:

    Mollbere-Tort

    Mürbeteig-Tortenboden mit Buttercrème bestreichen, einen Biskuitboden darauf legen,
    200g Wein mit
    50g Zucker aufkochen.
    50g Wein,
    3 Eigelb verquirlen, anrühren mit
    20g Stärkemehl. Den Wein damit binden.
    4 Blatt Gelantine einweichen, ausdrücken und einrühren.
    500g Mollbere zugeben, abkühlen lassen und den Tortenboden damit belegen. Mit einem Spiegel aus
    Tortenguss abglänzen.

    Mollbere-Kooche no Art der "kleine Uma"

    Hefeteig auf einem gefetteten Blech ausrollen, ein paar Mal einstechen, eine Schicht von ca. 2 cm frischen
    Mollbere darauf verteilen, bei 220° C 25-30 Minuten backen. Der Saft der Beeren dringt schmackhaft in den Teig ein. Tipp von der "kleine Uma": Kuchen höchstens mit Zucker bestreuen, Zimt-Zucker verfälscht den Geschmack.

    Hannelore Kraeber
    -Alle Rechte bei der Autorin-

  • Blätzer-Köstlichkeiten - Bräuche bei historischen Ereignissen

    Hannelore Kraeber

    „Was heißt fester Brauch?“ , fragte der kleine Prinz. „Auch etwas in Vergessenheit Geratenes“, sagte der Fuchs. Es ist das, was einen Tag vom anderen unterscheidet, eine Stunde von den anderen Stunden“.....
    Aus: A.de Saint-Exupery, Der kleine Prinz

    Brauchtum fördert die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl und schafft Vertrautheit, Kultur. Es hat besondere Bedeutung in der Unterstützung des Erwerbs von Zeitwissen und Zeiterfahrung. Vielleicht gelingt es damit auch an alte stadtgeschichtliche Traditionen zu erinnern und sie evtl. gar aufleben zu lassen.

    Aschermittwoch - Blätzer für Metzger bei den Dominikanern

    Christian v.Stramberg vermutet im Rheinischen Antiquarius I, 2, Seiten 149 – 151, dass die Metzger 1648 und 1683 die Stadt aus außerordentlicher Gefahr errettet haben. Es war die Zeit der kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Truppen Ludwigs XIV.  ... und so wurden die Metzger privilegiert. Am Aschermittwoch zog die Fleischhauerzunft im Triumphzug  fortan durch die Stadt. Kein Fremder durfte sich anschließen. Der Fahnenträger grüßte mit seiner Zunftfahne. Zwei Männer trugen an Riemen eine kupferne, ungefähr eine Viertel Ohm  (130 – 160 Liter) fassende Flasche. Der jüngste Meister durfte den großen silbernen Zunftbecher tragen. Der Weg führte zuerst zur Komturei der Deutschordensritter. In den Farben des Ordens gekleidete Pagen und durch ein Ordenskreuz zu erkennen, bewirteten die jährlich wiederkehrenden Gäste. Wein, Hering und Pfannkuchen  gab es  im Übermaß.  Einstecken und mitnehmen durften die Besucher aber  nichts. Dann ging es weiter durch den Kastorhof, die Kastorstraße - vorbei an zwei Häusern, die den feindlichen Angriffen am meisten ausgesetzt waren. Stolze Meisterinnen der am Weg liegenden Metzgereien warteten auf eine Begrüßung. Überall wurden die Metzger mit Zeremonien begrüßt, geehrt und bewirtet. Oft wurde dabei auch ihre Kupferflasche wieder aufgefüllt. Von der Hauptwache aus ging es dann schließlich den Alten Graben hinunter zum Predigerkloster in der Weißergasse, zum  Höhepunkt! Wörtlich heißt es: ‚Große Porzellankrüge warteten gefüllt mit dem Rebensaft von der Königsbach, unter den dampfenden Schüsseln beugte sich schier der mächtige Eichentisch . Satt mochte ein jeder sich essen an den  köstlich und appetitlich zubereiteten  Blätzern, Wein trinken nach Vermögen und Belieben.‘.  Bis zur französischen Okkupation hatte das Dominikanerkloster diese ‚eigentümliche Verpflichtung‘ zu erfüllen.
    Bis in die 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts erinnerten  Mitglieder der Metzgerzunft im Kirmes-Festzug der Weissergässer  an ihre früheren Rechte.


    Blätzer auch beim Schutzengelfest

    Ein ehemaliger Kroles (Chorknabe) von St. Florin hat  Christian v. Stramberg  (Rhein. Antiquarius I,3,498) noch  von einer anderen  Tradition  erzählt. An zwei Tagen im September zogen  Prozessionen von St. Florin zum Ordenshaus der Deutschherrn.

    Noch im 18. Jahrhundert - immer am ersten Samstag im September zog eine Prozession vom Collegiatstift von St. Florin zur Komturei des deutschen Ordens. Den feierlichen Umzug führten die Schulknaben  der Stiftsschule  mit Kreuz und Fahnen an, ihnen folgten die  Geistlichen in ihrem kirchlichen Ornat. Nach der Teilnahme an einer Vesper in  der Kapelle  des Ordenshauses  der  Deuschherrn wurden sie in den Rittersaal eingeladen. Der Dechant von St.Florin stimmte das jube domine benedicere in feierlichem Ton an und die Chorknaben fielen mit kräftigen Stimmen ein. Zur Belohnung erhielten die Schulknaben  im silbernen  Pokal einen Schoppen Wein kredenzt und dazu Weißbrötchen. Die Geistlichkeit durfte sich an den Tisch setzen und wurde von der Dienerschaft des Komturs mit Wein und Käse bewirtet. Acht Tage später am Schutzengelfest um 9 Uhr morgens zog die gleiche Prozession  wie am ersten Samstag im September  zur Kapelle des Deutschhauses. Die Chorknaben hatten aber einen Zinnlöffel im  Knopfloch ihrer Jacke.  Von den Stiftsgeistlichen wurde unter Mitwirkung der Chorknaben das Hochamt zelebriert. Nach dem Evangelium schon durften die Schulknaben sich an im Innenhof der Komturei aufgestellte Tische setzen. Als Belohnung erhielten sie vom  Deutschorden eine  Blätzersuppe und dazu Wein und Weißbrötchen. Während die Geistlichkeit mittags im Rittersaal tafelte, wurde den Chorknaben das Essen in einem gesonderten Zimmer serviert. Zuvor mussten sie aber  den Koch der Deutschherrn mit einem Maß Haselnüsse bezahlen.

    Was sind aber nun Blätzer ?

    ‚Keiner weiß was, aber alle wissen Bescheid,‘ heißt es in einem Koblenzer geflügelten Wort bei unsicheren Situationen. Alte Koblenzer Mundartaufzeichnungen bis ins 18. Jahrhundert zurück geben keinen Aufschluss. Aber das Rheinische Wörterbuch von  Josef  Müller, 1928 erschienen im Fritz Klopp Verlag, Bonn erklärt den Begriff in einer anderen Schreibweise wie in der Koblenzer Literatur sinngemäss in einem Wortartikel: ‚Blätzer sind in Streifen geschnittene und eingemachte Eingeweide, gekochter Viehmagen. Der Begriff ist nur in Koblenz anzutreffen.‘

    Da weiß Frau Else Müller-Breuer aus dem Alten Hof Bescheid. Sie muss es wissen, ihr Vater führte dort früher die bekannt gute Metzgerei Breuer, sie selbst die dazu gehörende Gastwirtschaft ‚Armer Josef‘. Sie weiß es genau: „Blätzer ist Pansen oder Rindermagen, in Schwaben auch Kutteln“ genannt. Gleich zählt sie auch Blätzer- Köstlichkeiten auf:  Blätzersuppe, Blätzer-Stipp, Blätzer-Salat . ...und die Erinnerungen werden wach! Viele Schängel kennen noch  Zubereitungsarten, die je nach Familie und Familiengeschmack variieren können.

    Blätzer werden auch unter der Bezeichnung ‚Kutteln‘ als Spezialität angeboten.

    Nachstehende Rezepte lohnen einen Versuch:

    Blätzersuppe

    Speck würfeln erhitzen,
    1 gewürfelte Zwiebel
    und Suppengrün zugeben und  anschwitzen,
    1250g gewürfelte Kartoffeln zufügen,
    mit Salz würzen,
    mit 1,5l Brühe auffüllen,
    ca. 25 Min. garen.

    Die Kartoffeln nach Belieben stampfen, durchrühren oder passieren.                                                
    Als Einlage 200g Blätzer mit der Küchenschere in feine Streifen schneiden und zufügen.
    Suppe mit frischen Kräutern servieren.

    Blätzersuppe – modern

    1 Päckchen Kartoffelcrèmesuppe (Fertigprodukt) nach Anweisung zubereiten,
    Blätzer mit der Küchenschere in feine Streifen schneiden, zufügen und in Tassen servieren.
    1 Löffel geschlagene Sahne darauf geben und mit
    gerösteten Zwiebeln (Fertigprodukt) verfeinern und garnieren.

    Blätzer – Stipp

    50 g Speck  auslassen,
    1 gehackte Zwiebel andünsten,
    50 g Mehl überstäuben und leicht bräunen lassen,
    mit 0,5 l Brühe ablöschen, aufkochen,
    Lorbeerblättchen, Wacholderbeeren zufügen,
    mit Essig und etwas Zucker abschmecken.
    Blätzer in feine Streifen schneiden, zufügen, ohne Strom ziehen lassen.

    Dazu schmecken ‚Quellmänner‘ (Pellkartoffel)           

    Blätzer – Salat

    150 g Blätzer in feine, kleine Streifen schneiden,
    1 Zwiebel                               
    und 5 Essiggurken würfeln.
    Alles lagenweise in eine Schüssel geben und
    150g Remoulade oder* Miracel Wipp unterheben und gut durchziehen lassen.
    Vor dem Servieren evtl. mit Salz, Pfeffer, Balsamikoessig abschmecken und
    mit feingehackten Kräutern je nach Belieben: Dill, Petersilie, oder Schnittlauch garnieren.

    *In der Metzgerei Breuer gab es noch bis Mitte der 20er-Jahre Blätzer-Salat nur mit Essig und Öl zubereitet.

    Dazu schmeckt kräftiges Vollkornbrot genauso gut wie ein Toast.

    ... und heute ?

    Seit der Ausdehnung des Römerreiches vor über 2000 Jahren wird auch unsere Stadt, unsere Sprache und unser Essen durch Fremde mitgeprägt. Wen wundert es, dass die Vorliebe auch hier für  das italienische Essen um sich greift.

    Ein Geheimtip: In der Pizzeria Trattoria da Raffaele in der Koblenzer Altstadt, Gemüsegasse 9, gibt es für gute Freunde, Personal ab und zu – oder auf Bestellung

    Trippa -  (Blätzer, Rindermagen,Kutteln)

    Raffaele verrät nachstehend ein Grundrezept. Sein Hausrezept bleibt natürlich sein Küchengeheimnis:

    Trippa (Rindermagen)    vom Metzger säubern lassen und in
    Essigwasser 3 Std. kochen oder fertig kaufen.
    Olivenöl in einem Topf erhitzen,
    Trippa in Streifen darin anbraten,
    4 Tomaten  würfeln, zugeben,
    1 gewürfelte Zwiebel   und
    ½ gewürfelte Sellerie ebenfalls zugeben,mit
    ½ l Wein auffüllen und mit
    Salz und Pfeffer abschmecken. 1 Std. köcheln lassen.
    500 g Kartoffeln  würfeln, zugeben und mit
    ½ l Wasser auffüllen und noch einmal 45 Min. kochen lassen.
    Vor dem Servieren 2 frische Peperoni würfeln und ohne Kerne unter Trippa mischen.

    Hannelore Kraeber
    - Alle Rechte bei der Autorin -

  • Heringe am Markustag - Spezialität bei den Benediktinerinnen auf dem Oberwerth

    Hannelore Kraeber

    Auf der Rheinhalbinsel Oberwerth, die durch die ‚Lache‘ vom Koblenzer Rheinufer getrennt ist, war seit 1143 ein Benediktinerinnenkloster. Die Nonnen waren von mittelrheinischem Adel, Schutzherren die Herren von Helfenstein. Am  Markustag  wurde der Hauptalter der Klosterkirche durch Erzbischof Arnold zu Ehren der Mutter Gottes und des hl. Matthias geweiht.
    Wahrscheinlich als Erinnerung an dieses Ereignis zog die Geistlichkeit von St. Florin mit  Chorknaben jährlich am  Markustag  – 25.April – zu den Benediktinerinnen. Ihr Weg führte sie auf dem ‚Nonnenpfad‘ – benannt nach den Ordensfrauen –  durch die  Görgenpforte,  die Rheinau zur Übersetzstelle  auf das Oberwerth. Schon in aller Frühe morgens hielten  die Geistlichen ein feierliches Hochamt. Dafür wurden sie nach dem Gottesdienst von der hochwürdigen Frau Äbtissin mit einem ‚trefflichen‘ Frühstück bewirtet. Auch die Chorknaben erwartete stets ein eigentümliches Gericht. Es gab gedämpfte Botteln (Hagebutten) mit gebratenen Heringen. Es war nach heutigen Verständnis inzwischen bestimmt ja auch schon an der Zeit für einen kräftigen Brunch.

    Botteln (Hagebutten) mit gebratenen Heringen ein gesundes Essen

    ‘Täglich einen Esslöffel Hagebuttenmus und mit der  Erkältung gibt es keinen Verdruss,‘ hieß es zur Gesundheitsvorsorge bei unseren Altvordern. In der Zeit  der kaum erhältlichen oder zu teueren Zitrusfrüchte waren die Hagebutten preiswerte Vitaminträger. Außer viel Vitamin C enthalten sie noch die Vitamine A,B,E,K. Sie sind ein wertvoller Rohstoff für Saft, Marmelade, Püree. Als Tee aufgegossen sind sie ein gutes Mittel bei Nierenleiden und eine Hagebuttensuppe kann eine Kräftigung für Kranke sein.
    Ganz nebenbei: Die Geschichte von der Edelfrau, die einen dekorativen, herbstlichen Kartoffelrosenstrauß voller Blüten und Früchten von einem Verehrer nicht in einer Vase im Salon platzierte, sondern vielmehr in die Küche bringen ließ, weil sie eine erfahrene Köchin hatte, mag nur eine Legende sein.

    ‚Zweimal in der Woche Fisch‘ wird in der modernen Ernährungsberatung empfohlen. Heringe enthalten Omega-3-Fettsäuren gegen Arterienverkalkung, Jod für die Schilddrüse, Vitamine regen den Energiestoffwechsel an, z.,B. B1 gegen Gifte, B2 fördert den Sauerstofftransport im Blut, Selen stärkt das Immunsystem. Eine nicht kleine Rolle, zumal in den Klöstern spielte seit dem 15. Jahrhundert ‚eingebürgerte‘ Salzhering und der Stockfisch. Auf den aus Köln kommenden Schiffen fehlten niemals zahlreiche Fässer des beliebten Herings und ansehnliche Mengen Stockfisches. Beide waren große Handelsartikel des Hansabundes. ... und heute: ‚Angst vor ‚leeren Meeren?‘ Die Greenpace-Gruppe Rhein-Neckar meldet: Heringe und Makrelen dürfen auf Grund der akzeptablen Bestandsitutation noch gegessen werden.

    So bereiten Sie Botteln mit gebratenen Heringen zu:

    Gebratene Heringe

    2 frische Heringe waschen, trockentupfen sowie leicht mit
    Zitrone beträufeln, innen und außen salzen und pfeffern. 10 Minuten ziehen lassen.
    Währenddessen 50 g Speckwürfel in einer großen Pfanne auslassen. Den Speck herausnehmen,
    50g Butter zufügen, die Heringe in
    Mehl  wenden und von beiden Seiten jeweils 5 Min. goldbraun braten. Die Fische auf vorgewärmte Teller legen, den Speck noch einmal kurz in der Pfanne erhitzen und noch darüber verteilen. Sofort servieren.
    Dazu schmecken Salzkartoffel od. Kartoffelsalat.
    Sollen mehr Heringe zubereitet werden, empfiehlt sich die Zubereitung auf einem Rost im Backofen.

    Hagebuttensauce

    Hagebuttenmark* erhältlich in Reformhäusern, z.T. auch in Supermärkten mit Apfelsaft nach Wunsch verdünnen. Hagebuttensauce lässt sich kalt oder warm verwenden. Für eine warme Sauce empfiehlt sich eine kurze Erwärmung mit der Mikrowelle. Verfeinerung nach Geschmack mit
    Wein, Knoblauch,
    Oregano oder Basilikum

    Die eigene Zubereitung von Hagebuttenmark ist sehr zeitaufwändig. Dazu sammelt man im Herbst vor dem ersten Frost die Hagebutten. Von den Früchten müssen Blüte, Stiel und Kerne entfernt werden. Die Kerne haben kleine Härchen, die einen Juckreiz verursachen können. Die Fruchthälften werden kurz abgespült,  mit Wasser bedeckt, dann in 20 – 30 Minuten weich gekocht und  durch ein Sieb gedrückt.

    Anhang  für alle, die ‚Kowelenzer Steckelcher‘ lieben:

    Vom Kluster zom Liebesnest

    Weje der Feindesgefahr 1794 hann die Nonne dat Kluster off-em Owerwerth verlooss. Später es die Insel von de Franzuse besetzt wur. Do moss sich dann manche Puusaasch abgespillt hann, denn der Rheinische Antiquarius II,2,250, schreiwt: ‚Sie (Insel) wurde ein sehr besuchter Lustort.
    Preußen beliebt?

    Christian von Stramberg erzählt em Rh.Ant. II,2,244 bis 245 von-em Fährmann, fier dänn dat Iwwersetze vom linke Rheinufer off-et Owerwerth en Plackerei wor. Außerdemm soll ä och oft ze faul dofier gewes säin. Als Uhrezäije bericht ä selwer en Erzählung von-er Frau: En Gesellschaft hätt oft demm Fährmann zogeroof: ‚Was gibst du, was hast du, hol über.‘ Noch langer Zäit hätt dä sich dann bequemt on de Nache losgebonne. Als ä awer off der annere Seit preußische Offiziere gesehn hätt, hätt ä dänn Nache widder festgebonne on geroof: „...Preuße, die hann nix zo versäime, die könne waarde.“ Ä wär dann sugar off die annere Seit vom Owerwerth gange. (aus: Hannelore Kraeber, Neues Wörterbuch oder Koblenzer Mundart)

    Hannelore Kraeber
    -Alle Rechte bei der Autorin-

  • Unser täglich Brot - on von Weck, Schässjer, Päffe-Ninncher on ....

    Hannelore Kraeber

    Brot spielt im Glauben  und im Leben eine grosse  Rolle. Wie bei unseren Vorfahren ist es in vielen Koblenzer Familien auch im 21.Jahrhundert noch guter Brauch auf der Rückseite eines Brotlaibes vor dem Anschneiden mit dem Brotmesser ein Kreuzzeichen zu machen. Wie G. Fiebig von der rheinischen Lebensart im 16.Jahrhundert zu berichten weiß, wurde in den gemeinen Backhäusern, Baubackes genannt, meist nur Schwarzbrot , also reines Roggenbrot, gebacken. Gegen Ende dieses Jahrhunderts gab es auch mehr und mehr Weißbrot und Wecke. Brot spielte  in der Ernährung hier schon immer eine wichtige Rolle. So wurden die Brotpreise am Beispiel eines vierpfündigen Oberländerbrotes auf der Basis einer Polizeitaxe 15 Jahre lang von 1851 – 1856 beobachtet und notiert. Die Schängel hatten damit ‚die Nase vorn‘  lange schon bevor Verbraucherverbände  Marktforschung und –Informationen übernehmen.
     
    Backwerk war also schon immer beliebt. So verwundert es nicht, dass es bis ins 21.Jahrhundert zu einer rasanten Entwicklung und Angebot kommt. ‚Von kleinen Brötchen backen‘ kann keine Rede mehr sein. Die Backstube Hommen GmbH. bietet in ihren Filialen täglich 25 Brotsorten, 20 verschiedene Brötchen und 280 andere Backartikel an. Die  Altstadtbäckerei Klein, Nähe der Liebfrauenkirche konkurriert in der Woche mit über ca. 30 verschiedene Brot-, 24 verschiedene Brötchensorten und 70 weiteren Backartikeln.

    Was aber genau lieben die Schängel? 

    Butterbrote, wurden für Feld- und Fabrikarbeiter neben dem Essen im ‚Kachelche‘ praktische Tagesverpflegung. Heute würde man von einem Lunchpaket sprechen.  Nicht aufgezehrte, hundsgewöhnliche Butterbrote wurden  Kindern als  etwas Besonderes, als
    ‚Hasebrud‘
    mitgebracht und schmackhaft gemacht. „Mer kann doch nix omkomme losse“, hieß es zur Rechtfertigung. Eine  Delikatesse waren die oft trockenen Butterbrote nicht. Mit dem langen Kauen war die Begeisterung und Motivation dann auch bald zu Ende. Heute lebt  das Hasenbrot fast nur noch in Erinnerung. Lange nicht out, aber beliebt bis heute bleibt
    dat  Bottersteck  (Butterbrot), verkürzt auch nur S t e c k.  Das beweist die Redensart: „Bei-nem good beläschte Boddersteck, do weiß mer, wat mer hat.“ Deshalb ist auch heute nicht nur  bei Jugendlichen
    Doppeldecker  beliebt (zwei mit Butter bestrichene, aufeinandergelegte Brotscheiben mit einer wohlschmeckenden Einlage von Wurst, Käse, Ei usw.)  Eine  fast  vergessene Bezeichnung ist
    dä  Botterramme.  Christian von Stramberg notiert ihn schon 1869 in seinen Mundartaufzeichnungen auch als Bodderhamm. Freher koome die Pänz als nomendaachs bei ihr Modder geloff on hann gesood: „Mach mer mol bitte en Bodderramm. Ich hann Kohldamp.“ Fast in Vergessenheit geraten ist die Bezeichnung
    Pill für ein dickes Butterbrot, Viel Brot, wenig Belag. In gut bürgerlichen Familien war diese derbe Bezeichnung nicht geschätzt. Die Aufforderung: „Gem-mer mol ein Pill her“, zeigte von mangelnder Erziehung. Jeder hat einen anderen Geschmack und so findet
    dat  Kierschtje, oder auch Knierzje genannt, Liebhaber und Verächter. Lieben die einen es  heiß und innig, ist es für andere zu hart. Peter Preußer erzählt z.B. in seinem Gedicht ‚Dat Pitterche‘ u.a.:
    ...denn von dä siwwe Kenner wollt kains dat Kierschtje esse. Hat do die Tant sich renngemängt: „Ihr Kenner sollt mol sehn: Wer brav vom Brud dat Kierschtje isst, dä wierd och später scheen!“ Dat Pitterche betracht die Tant, droff sood dä kleine Hess: „Dann has-de awer ganz bestemmt noch nie e Kierschtje gess.“ Bei Schmalhans Küchenmeister gab es
    Gelleschnitte  - eine in Eierkuchenteig getauchte, in der Pfanne gebratene Brotscheibe. ‚Wenn die Fraue en arme Zäite nix hatte fier off-et Steck, dann hann-se sich geholf on hann Gelleschnitte gemacht.‘
     
    Schnittcher sind dagegen Luxusbrote. Sie werden reichlich gut belegt und garniert. Fritz Zimmer schwärmt 1935 bei einem Volksfest in der Stadthalle: ‚Wein, Bier on Schnaps konnt mer alles hann, och Kaffie dood mer serwere, och Schnittcher, allerhand wor droff, die dood mer presendere!‘  Als  kleine ‚Edelvariante‘ werden sie heute bei Empfängen  gereicht.

    Backwerk und Essgewohnheiten sind aber auch Indikator für Koblenzer Besonderheiten.

    Weck  sind  Brietcher (Brötchen). Schon Josefine Moos stellt im gleichnamigen Gedicht fest: ‚Et gieht nix iwwern fresche Weck, dä knusprich es geback, erfillt zom Kaffie seine Zweck, es kernig von Geschmack. Wenn su e Brietche good geschmiert mit Bodder on Gelee, wie-et zom Freesteck sich gehiert, winkt morjens en der Freeh, greift mer met beide Hänn dernoo on lässt et schmecke sich -  on es och noch e zwettes do, dann werd och dat bestrich.‘ Kritisches Urteil der Schängel, wenn die geliebten Weck zu klein und zu hell geraten sind: „ Die Brietcher säin jo vom Duud erschrock.“
    Gegen Ende des 16. Jahrhunderts waren schon die knusprigen ‚Wasserweck und
    die  Schässjer , eine Koblenzer Spezialität. Die ‚Paarweck‘ haben damals 4 Pfennig gekostet. Je nach Straße oder Stadtteil werden sie auch ‚Schössje‘ genannt. Sie sind so beliebt, dass Josefine Moos eine Hymne verfasst:
     
    Lob demm ‚Schössje“
    E einfach Schössje, braun geback,
    es en Delikatess,
    weil et su herzhaft von Geschmack
    on knusprich, kernig es.
    Wenn et met Bodder good geschmiert
    on Schweizer Käs beläscht,
    die Omenstafel lockend ziert
    feehlt mer sich fruh bewäscht!
     
    Jo! su e Schössje! wie dat schmeckt,
    Ihr Läit, ich soon et äich,
    noch besser wie e Gläsje Sekt
    on seess Konditerzäisch.
    Mer greift dernoo, wenn mer grad su
    em Brudkorw ains entdeckt
    on lässt verschwinde et em Nu
    werd mer och dromm geneckt.
     
    Mer kann et esse met Genuss
    egal ob freeh ob spät,
    e Schössje noch zom goode Schluss
    es en Spezialität!
    Mir hat emol mäi Modderche
    ains en die Fremd gescheckt,
    met Schweizer Käs on Bodderche
    wie wor ich do begleckt!
     
    Wie hat dat ‚Schössje‘ mir geschmeckt
    als ich gepackt et aus,
    ich hann en Trän em Au zerdreckt
    feehlt mich schuns halw zehaus.-
    Hann häit dehaim em Kecheschrank
    e Schössje grad entdeckt,
    dofier soon ich em Stille Dank
    demm ‚Schössjens-Architekt*
     
    *Josefine Moos schenkte dieses Gedicht dem Bäckermeister Karl Hahn, der seine gut gehende Bäckerei an der Liebfrauenkirche, Ecke Marktstrasse hatte.

    Woher kommt der Begriff Schössje oder Schässje?

    Schängel erklären gerne: Ein Synonym dafür ist wegen der Ähnlichkeit das Hinterteil und sie singen am Martinstag seit altersher: ‚Stiwwele, stiwwele Stang, vor de .... hammer käi Bang, dann gimmer en dat Gässje on haue dänne ...et Schässje.‘ Ein anderes Beispiel aus dem Sprachgebrauch: ‚En staaze Jungfer, se hat käi Himd, em Tricko off-et Seilche klimmt. .. On dat Schässje, guck dir dat doch mol aan, wie e Fässje, do es noch ebbes drann‘ aus Dr. Papenberg, 1935 – Die Bauere en der Reichshall. Für Koblenzer ist die Herkunft des Begriffes damit erklärt, für Sprachwissenschaftler mag das anders sein.
     
    Ein Hochgenuß:

    Päffe-Ninnche

    von Josefine Moos

    ... E’Päffe-Ninnche‘ awer, Läit,
    stammt aus der goode aale Zäit,
    es herzhaft, kernig, voll Gehalt,
    on es beliebt bei jung on alt.
     
    Et es e Schwarzbrut, good geschmiert,
    on met-er Schössjenshälft garniert,
    es braun on knusprich von Geschmack,
    zemol wenn-et recht kross geback.
     
    Beim Kaffie, nomendachs om vier,
    beim Gläsje Wein on och beim Bier,
    beim Picknick, wemmer wannere dood,
    dann schmeckt e Päffe-Ninnche good.
     
    Dromm sei ihm häi e Lob gebracht,
    dieweil mer dodroff es bedacht,
    dat säine Name weiter blieht,
    der Mondart net verlore gieht.

    Woher der Name kommt?

    Beim Päffje (Pfaffen) soll die Haushälterin Kather- ‚innche‘ Gäste mit dieser Spezialität bewirtet haben. ... und auch im 21.Jahrhundert lieben Schängel ‚dat Päffe-Ninnche‘.
     
    ... und die Schängel werden auch weiterhin im ‚Schweiße ihres Angesichts‘ gerne Brot essen. Und beten:
    „Unser tägliches Brot gib uns heute.“
     
    Hannelore Kraeber
    -Alle Rechte bei der Autorin-

  • Quittenfleisch - samt Früchten fast vergessen

    Hannelore Kraeber

    Die apfel- oder birnenförmigen Quitten sind den Jüngeren heute kaum noch bekannt. Im Herbst leuchten sie wie Zitronen von den Bäumen. Schon der fruchtige Quittenduft ist ein Genuss für Liebhaber. Die Früchte werden knochenhart geerntet und heute fast ausschließlich beim ‚Türken‘ angeboten und verkauft. Ihre Inhaltsstoffe: Vitamine, Mineralstoffe, Kieselsäure und außergewöhnlich viele Pektine  sind eine Wohltat für Leib und  Magen. Die Pektine absorbieren z.B. im Darm aufgenommene Giftstoffe, die dann für den Körper unschädlich ausgeschieden werden. Die Portugiesen nannten die Quitte ‚marmelo‘ – Honigapfel. ...und was die Großmutter Sannchen Hürter in Neuendorf wusste und auch anpries: „Quittengelee ist edler als Honig!“  Viele weitere Zubereitungen wie Quittenbrot, Quittensaft, Quittenkonfekt sind noch bekannt und in alten Kochbüchern  zu finden. So auch im handgeschriebenen Kochbuch der Frau Drouven, das  im Stadtarchiv Koblenz N28 – Zug 35/87 aufbewahrt wird:
    "Quitten – Schöne große Quitten werden geschält, in große Schnitze geschnitten und sorgfältig in Wasser weich blanchiert. Dann wird auch auf 1 Pfund Schnitze ¾ Pfund Zucker geläutert und über die Schnitze gegossen. Den anderen Tag wird der Saft abgeschüttet, eingekocht und wieder darüber gegossen. Den 3.Tag werden die Schnitze eine Wall mitgekocht und dann in einen Hafen gefüllt."

    Rezept - Geheimnis hinter Klostermauern der Koblenzer Barbara-Nonnen

    Bekanntlich sind die Rezepturen der Klosterküche nie von schlechten Zutaten. So schwärmt auch Christian von Stramberg im Rheinischen Antiquarius I/2,112ff von dem ‚ausgezeichneten‘ Quittenfleisch, das es im ehemaligen Augustinerinnenkloster St.Barbara  in der Löhrstraße gab. Er bedauert sehr, ‚dass das Geheimnis dieser Bereitung mit der ungemein würdigen und verständigen  Priorin Anna Maria Goblet am 8.Mai 1820 abgestorben ist.‘ Das Kloster selbst war schon am 9.Aug.1802 aufgelöst worden. Das Gesamtgelände reichte bis zu Pfuhlgasse. Vordem stand hier seit 1239 das städtische Hospital. Auch das erste Obdachlosenasyl der Stadt war dort untergebracht.. Die Kirche wurde 1910 und der Rest 1930 abgerissen. Der Hauptaltar ziert heute noch die Pfarrkirche St.Johannes in Metternich.

    Wenn auch die Zubereitung des Gerichtes nach Art der Barbara-Nonnen ein Geheimnis bleibt, so kennt man aber noch aus der Bürgerschaft das Rezept. Vielleicht kann es zumindest in etwa noch den Geschmack vermitteln.

    Quittenfleisch

    ca. 3 Quitten - Pelz mit einem Tuch abreiben, schälen, achteln, Kerngehäuse ausschneiden.  Zusammen mit Zitronenscheiben ca.30 Min.dünsten.
    Die Quitten müssen knapp mit Wasser bedeckt sein.
    In der Zwischenzeit
    Fett in einem Topf erhitzen,
    500g  Schweine- Gulasch darin goldbraun anbraten,
    2 Zwiebeln würfeln und kurz mitbraten,
    mit Salz, Pfeffer würzen.
    Mit 2 Gläsern Wein ablöschen.

    Das Fleisch zugedeckt etwa 45 Min. schmoren.
    40g Rosinen, die Quitten zufügen und das Ganze noch einmal durchschmoren lassen.

    Mit Trester oder  Hefen abschmecken,
    mit 0,5 l Becher Sahne verfeinern.

    Beilage: Kartoffelbrei oder Reis

    Anmerkung für alle, die Kowelenzer Steckelcher lieben:

    In der St. Barbara-Kirche wurde von den Koblenzern besonders ein Zahn-Reliquiar der Apollonia verehrt. Sie ist  die  Patronin  der Zahnärzte und aller,  die  an  Zahnkrankheiten leiden. Josefine Moos erzählt davon in einem Gedicht:

    Vur Johr on Daach stand off der Liehr e Kärjelche ‚St.Barbara‘ net weit von-em Bolizeirevier. Dat wor good besocht von nah on fern. Zemol am Abbelloniafest hann sich die Beter dicht geschart, hat jeder fromm dä Zahn gekesst, dat ä vur Zännpäin bliew bewahrt. Vom Kister awer mosst mer soon, et wor en Mann met ruude Hoor, dat ä zwar treu säi Pflicht gedoon, awer sonst en Brummbär wor. „En häi der Kärich – es jetzt käi Kärisch, die Feier es fier häit vorbei!“, schnauzt ä die Läit an: „Fott eloo! Et wierd och häit net mieh gekesst, dä Herr Kaplan es net mieh do."

    Hannelore Kraeber
    -Alle Rechte bei der Autorin-